Der Trappenbestand im Fiener Bruch hat sich erholt. Dennoch gibt es auch zukünftig viel Arbeit für die Trappenexperten. Sie schenken dem Nachwuchs der bedrohten Vögel besondere Aufmerksamkeit.

Tucheim l "2013 war ein gutes Jahr für den Großtrappenschutz". Dieses Fazit kann Projektkoordinatorin Dorotheé März vom Förderverein Großtrappenschutz ziehen. Kürzlich tagten der Förderverein Großtrappenschutz und die Vogelschutzwarte Brandenburgs und zogen eine positive Bilanz.

Vor zehn Jahren war die Großtrappe in Sachsen-Anhalt fast ausgestorben. Nach erfolgreichen Freilandbruten und Auswilderungen von jungen Großtrappen in den letzten Jahren werden im Fiener Bruch aktuell wieder über 50 der seltenen Vögel gezählt. Dorotheé März: "Der Bruterfolg im Freiland ist aber noch nicht ausreichend, um die Großtrappe ohne menschliche Hilfe zu erhalten."

Die Großtrappe zählt zu den schwersten flugfähigen Vögeln unserer Erde. In Deutschland ist sie immer noch akut vom Aussterben bedroht. Zu Beginn der Brutzeit 2013 wurden in den drei letzten Großtrappen-Gebieten Deutschlands, dem Fiener Bruch, den Belziger Landschaftswiesen und dem Havelländisches Luch, insgesamt 128 Großtrappen gezählt. Jungvögel waren es im vergangenen Jahr 23 Stück, die in freier Wildbahn flügge wurden. "Zu dieser Zahl hinzu gerechnet werden müssen noch die Küken, die nicht im Nest einer Großtrappenhenne, sondern in den Brutkästen der Brandenburger Vogelschutzwarte geschlüpft sind", erklärt die Projektleiterin.

Sie stammten aus Gelegen, die von den Mitarbeitern des Fördervereines vor Landmaschinen oder Eierdieben wie Fuchs und Kolkrabe in Sicherheit gebracht werden mussten. Als Handaufzuchten wurden sie in die beiden Gebiete Fiener Bruch und Belziger Landschaftswiesen ausgewildert.

Nach einem erfolgreichen Abschluss der Auswilderung wurden im sachsen-anhaltischen Großtrappen-Gebiet Fiener Bruch in den letzten Tagen über 50 Großtrappen gezählt. Dorotheé März: "Vor gut einem Jahrzehnt hätte daran keiner zu glauben gewagt! Damals war das letzte Großtrappen-Vorkommen des Landes im Fiener Bruch schon fast erloschen. Im Jahr 2004 gab es hier nicht mal mehr einen Hahn, der bei den letzten vier Großtrappen-Hennen für Nachwuchs sorgen konnte."

Da internationale Artenschutzabkommen Sachsen-Anhalt dazu verpflichten, die Großtrappe vor dem Aussterben zu bewahren und ihren Erhaltungszustand zu verbessern, ist der positive Bestandstrend für das Bundesland besonders erfreulich. Seit 2009 finanziert das Land mit ELER-Mitteln aus dem Europäischen Agrarfond ein Schutzprojekt für den Erhalt der Großtrappe im Fiener Bruch. Träger des Projektes ist der Förderverein Großtrappenschutz, der vor Ort verschiedene Maßnahmen zur Optimierung des Großtrappen-Lebensraumes umsetzt.

Dabei setzt der Verein auf die Zusammenarbeit mit den ansässigen Landwirten und Jägern. Unterstützung gibt auch die Naturschutzbehörde des Landkreises.

Um langfristig auf eine Stützung des Großtrappenbestandes mit der Auswilderung von Jungvögeln verzichten zu können, muss in erster Linie der Nachwuchs gesteigert werden. "Eierdiebe wie Fuchs, Waschbär, Marder und Co. sorgen dafür, dass die Bodennester und Küken der Großtrappe außerhalb der umzäunten Schutzareale, die in den drei Gebieten für die Vögel errichtet wurden, kaum eine Überlebenschance haben", weiß Dorotheé März.

Aus diesem Grund rückten auch im Jahr 2013 Jäger aus Paplitz, Karow und Tucheim dem Raubwild mit Fallen auf den Pelz. Die verwendeten Fallen wurden im Rahmen des Schutzprojektes von der EU gestellt. Unterstützung erhalten die Jäger beim Fallenfang von den Projektmitarbeitern des Fördervereines.

Einsaat heimischer Wildkräuter

Um den Großtrappen im Fiener Bruch zudem einen artgerechten Lebensraum zu schaffen, ist im Jahr 2013 außerdem mit verschiedenen landschaftsgestalterischen Maßnahmen begonnen worden.

Dorotheé März: "Auf einem artenarmen Grünlandabschnitt im Brutgebiet der Trappen erfolgte in Zusammenarbeit mit der Paplitzer Agrargenossenschaft und der Hochschule Anhalt die streifenweise Einsaat heimischer Wildkräuter. Auf diesen Streifen finden die Vögel nun ein verbessertes Angebot an Grünfutter und Insekten."

Große Insekten in ausreichender Menge sind für Trappenküken von überlebenswichtiger Bedeutung. Zur Verbesserung des Lebensraumes zählt auch die Entnahme von Altpappeln. Als typischer Offenlandbewohner benötigen die Großtrappen eine freie Sicht, möglichst barrierefrei bis zum Horizont. Im vergangenen Jahr sind deshalb mehrere Pappeln, die direkt im Balz- und Brutgebiet auf Paplitzer und Karower Gemarkung standen, gefällt worden (Volksstimme berichtete).

Den erfolgreichen Freilandbruten und der Auswilderung von Jungvögeln ist es zu verdanken, dass aktuell wieder 172 Großtrappen in Deutschland leben. "Wenn nur die Hälfte des diesjährigen Nachwuchses den kommenden Winter überstünde, zählte der Bestand im Frühjahr 2014 immerhin noch 150 Großtrappen. Das wäre ein großartiges Ergebnis, auch wenn die Population mit dieser Bestandszahl bei weitem noch nicht stabilisiert ist", wünscht sich die Projektleiterin.