In Loburg bereitet sich die Vogelschutzwarte "Storchenhof" auf die Ankunft der ersten heimkehrenden Storche vor. Noch sind die Horste unbesetzt, aber noch im Monat Februar könnten die ersten Adebare durchaus schon wieder im Jerichower Land einsegeln, vermutet der Geschäftsführer der Vogelschutzwarte, Dr. Michael Kaatz.

Loburg l In den Nachrichtenagenturen wird derzeit gemeldet, dass die ersten Störche aus Spanien wieder nach Deutschland gekommen seien. Angesichts solcher Meldungen gibt man sich in der Vogelschutzwarte von Loburg allerdings noch ein wenig zurückhaltend. Denn: "Es gibt eine Menge sogenannter Streuner, die gar nicht bis in die südlichen Überwinterungsgebiete gezogen sind", sagt Dr. Mechthild Kaatz, die seit Jahrzehnten die Weißstorchenpopulation in der Bundesrepublik Deutschland erfasst.

Sie verweist auf alleine 180 Tiere in Bayern, die zum Winterbeginn gar nicht erst nach Afrika oder Südeuropa gezogen waren, sondern im Lande umherziehen. Einer der berühmtesten "Streuner" in der nordostdeutschen Region sei "Schnuckel, der Lampenstorch". Gesichtet wurde der Vogel unter anderem in Nordhausen und in Wernigerode. Das Tier übernachtet dabei stets auf Laternen, daher stammt auch sein ungewöhnlicher Beiname.

Zu den bislang wenigen seriösen Meldungen zu Horstbesetzungen durch Heimkehrer in diesem Jahr zählt ein Pärchen im Bereich Oranienbaum, das am 9. und 12. Februar gelandet ist.

Wann auch die Loburger Störche wieder nach Hause kommen, ist derzeit noch nicht so richtig abzusehen. "Bei Jonas ist es meistens so: auf einmal ist er da", sagt Michael Kaatz. "Jonas kommt sicherlich noch im Februar", ist Kaatz zuversichtlich.

Über den Aufenthaltsort von "Albert von Lotto" ist man dagegen sehr gut informiert: "Albert ist zurzeit noch in Afrika, aber schon auf dem Heimweg. Er kämpft sich gerade den Nil hoch", weiß Michael Kaatz, denn Albert ist ein "Senderstorch", sprich, eines der Tiere mit Datenlogger. Nur wenige der Alttiere haben einen solchen Datensender. Zumeist wurden Jungvögel mit der modernen Technik ausgestattet. Und Jungtiere fliegen noch nicht zurück in die Brutgebiete.

Die Vogelschutzwarte Loburg arbeitet im Rahmen eines internationalen Forschungsprogramms zum Einsatz von Datenloggern und Satellitentelemetriesendern intensiv mit einer Universität in Israel, der Max-Planck-Gesellschaft in Radolphzell und weiteren Institutionen anderer Länder zusammen.

Die Wetterverhältnisse für die Rückreise sind derzeit überall optimal, der Wind lädt ein zum Segeln", glaubt Michael Kaatz. Seine einzige Sorge derzeit ist: "Hoffentlich haben die negativen Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr den Störchen nicht die Laune auf die Reise nach Sachsen-Anhalt verdorben." Denn im vergangenen Jahr hatte eine strenge Witterung mit Kälte und Nässe den Bruterfolg der Adebare arg dezimiert.

Die traurige Bilanz einer Horstschau damals: Das Storchenpaar Magnus und Agathe, welches auf dem Storchenhof-Horst bru¨tete und das Storchenpaar Jonas und Novi, die den Horst am Mu¨nchentor Loburg bezogen hatten, konnten keinen Nachwuchs großziehen. In den Horsten konnte Michael Kaatz nur noch die völlig durchnässten, leblosen Körper von drei, beziehungsweise vier Jungvögeln bergen.

Sollte es in den kommenden Wochen noch einmal kalt werden, ist das für die Adebare keine Katastrophe. Mit ein wenig Schnee kommen die Vögel durchaus klar. Wichtig ist, dass die Nahrung erreichbar bleibt.

Der Storchenhof ist auch im Winter geöffnet, auch an Sonn- und Feiertagen, immer in der Zeit von 10 bis 16 Uhr.