Friedensau l Theologie, Soziale Arbeit, Sozialwissenschaften oder berufsbegleitende Studiengänge wie Musiktherapie - das soziale Profil der Theologischen Hochschule Friedensau wird groß geschrieben. "Wir konzentrieren uns als Profilhochschule auf solche Disziplinen, die den Dienst am Menschen zum Inhalt haben", erklärt Hochschul-Kanzler Roland Nickel. Der Auftrag der Hochschule sei, einen Beitrag für Kirche und Gesellschaft in den Feldern Bildung und Wissenschaft zu leisten, so der Hochschul-Kanzler.

Seit 1899 existiert die Einrichtung im idyllischen Friedensau. Sie wurde damals als Missionsschule gegründet. Träger ist die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Zu ihr gehören weltweit 7883 Bildungseinrichtungen, davon sind es 105 höhere Schulen und Universitäten. 1990 hat die Einrichtung die staatliche Anerkennung als Hochschule bekommen. Anschließend wurde neben dem Fachbereich Theologie, der seit 1992 einen Diplom- und einen Magisterstudiengang Theologie anbot, ein Fachbereich Christliches Sozialwesen aufgebaut. Heute vergibt die Theologische Hochschule Friedensau als wissenschaftliche Hochschule in kirchlicher Trägerschaft universitäre Studienabschlüsse. "Friedensau ist ein etablierter Wissenschaftsort und durch Forschungskooperationen mit Einrichtungen auf mehreren Kontinenten verbunden", erklärt Nickel.

Die Internationalität spiegelt sich auch in den Studierenden wieder. Von den 200 Studenten der Theologischen Hochschule Friedensau sind über ein Drittel aus dem Ausland, vor allem aus Afrika, Asien, Nord- und Südamerika. "Die Freikirche hat weltweit Mitglieder. Die jungen Leute gucken entsprechend ihrer Glaubensrichtung nach interessanten Studiengängen und finden dann uns", erklärt Nickel die internationale Studentenschaft. Neben verschiedenen Bachelorstudiengängen ist vor allem auch das berufsbegleitende Studium der Gesundheitswissenschaften sehr beliebt. Hier besteht eine Kooperation mit dem Krankenhaus Waldfriede in Berlin. "Das Ziel der Lehre ist es, Forschungs- und Anwendungskompetenzen zu vereinigen, damit unsere Absolventen den Anforderungen in ihren Aufgabenbereichen gerecht werden können", so der Hochschul-Kanzler.

Neben der Internationalität ist natürlich auch die Religiosität eine Besonderheit gegenüber anderen Einrichtungen. "Evangelium und Jesus gehören einfach dazu", so Nickel. Die Hochschule sieht sich als familienfreundliche Einrichtung an, die mit entsprechenden Rahmenbedingungen die Vereinbarkeit von Studium, Beruf und Familie erleichtern will. Neben den akademischen Veranstaltungen können sich die Studenten aber auch im Hochseilgarten, in der Sporthalle, bei verschiedenen Musik- und Kunsthandwerksangeboten den nötigen Ausgleich holen. "Gerade wegen der abgeschiedenen Lage der Schule ist es wichtig, den Studenten auch drumherum was anbieten zu können", weiß der Kanzler.

Zulassung, Forschung und die Zukunft

Um bei der Hochschule zugelassen zu werden, bedarf es das Abitur. Über Umwege und sogenannten Feststellungsprüfungen ist es auch Quereinsteigern möglich, in Friedensau zu studieren. Die Studiengänge sind noch nicht so überfüllt wie an anderen Universitäten. Einen Numerus clausus gibt es für die verschiedenen Studiengänge nicht. Und: "Es herrscht hier keine Konfessionsbindung, aber die Bewerber müssen sich natürlich auf das christliche Umfeld einlassen können", betont Nickel.

Jeder der knapp 15 Dozenten der Hochschule bearbeitet ein eigenes Forschungsfeld. Beispielgebend sind die Arbeiten des Rektors Prof. Friedbert Ninow, der sich mit der biblischen Archäologie im Ostjordanland auseinandersetzt. "Wir haben hier eine Nische gefunden, die für uns sehr wichtig ist", beschreibt Nickel die Arbeit des Rektors. Ein weiteres Forschungsthema ist das Projekt "Bildungsaufsteiger". Dr. Thomas Spiegler befasst sich mit der Frage, wie durchlässig das System für die verschiedenen sozialen Schichten ist. "Hier werden eben auch Themen bearbeitet, die gesellschaftlich relevant sind", betont der Hochschul-Kanzler.

Drei wesentliche Punkte hat sich die Hochschule für die Zukunft als Ziele gesetzt. Man wolle demnächst auch Weiterbildungsangebote für Menschen anbieten, die im Beruf stehen und keinen Hochschulabschluss wollen, kündigt der Kanzler an. Des Weiteren wolle man die Bekanntheit im Rahmen der Kirche über Deutschland auf Europa ausweiten. Abschließend strebt die Hochschule die Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat an, ein Promotionsrecht ist schon beantragt. "Die drei Punkte würden uns für die Zukunft noch einen weiteren Qualitätsschub geben", ist sich Nickel sicher.

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