Stresow (am) l ,,Nun ist es passiert", lautete die erste Reaktion von Norbert Müller. Mit vier Stimmen bei einer Enthaltung wurde der als Einzelbewerber Ende Mai in den Rat Gewählte am Mittwochabend zum neuen Ortsbürgermeister von Stresow gewählt. Er folgt damit Reiko Voigt. Der bisherige Amtsinhaber hatte überraschend kurz vor der Ratssitzung sein Mandat zurückgegeben, stand nicht mehr für eine erneute Kandidatur zur Verfügung.

Müller (Jahrgang 1959) lebt erst seit wenigen Jahren in Stresow, ist Vorruheständler. ,,Pensionär", wie er selbst sagt. Nach der Wahl dankt er für das Vertrauen. Müller will die Leute mit einbeziehen. ,,Es geht nicht alleine", sagt er, wenn im Dorf etwas bewegt werden soll. Künftig soll es monatlich eine Sprechstunde des Ortsbürgermeisters geben, kündigt er an. ,,Wir müssen etwas für die Kinder und damit für die Zukunft des Dorfes tun", erklärt er weiter. Müller will nur noch nach vorn schauen. ,,Drei Jahre war Ruhe im Ort. Jetzt gibt es so einen Aufriss, wegen eines Mannes. Das ist nicht fair", kritisiert er, dass Stresow medial wieder in ein schlechtes Licht gerückt würde. ,,Dennis Wesemann ist ein junger Mann. Er will Gutes für das Dorf. Jeder kann denken, was er will", sagt Müller nach seiner Wahl in der gut besuchten Ratssitzung. Es bleibt unwidersprochen an diesem Abend.

Vorgeschlagen worden war Müller von Wesemann. Der 27-Jährige war im Mai mit dem besten Wahlergebnis als Einzelbewerber in den Rat eingezogen. Er ist umstritten, gilt als rechtsextrem. Der Jungunternehmer ist Mitbegründer der gewalttätigen Fußball-Hooligangruppe "Blue White Street Elite". Ein Verbotsversuch scheiterte, weil die Gruppe nicht als juristische Person existierte. Mitglieder der Gruppe von damals trifft Wesemann heute noch im Fußballverein FC Ostelbien Dornburg. Der ist inzwischen nach Leitzkau umgezogen.

Der Verfassungsschutz hat Dennis Wesemann seit längerer Zeit im Blick. Mehr als 30 Ermittlungsverfahren gab es gegen ihn. Unter anderem wegen des Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole in der Öffentlichkeit. Die Polizei spricht vom Hitlergruß. Wesemann verweist auf seine Unschuld. Er sei nie verurteilt worden. Die Vorwürfe seien nicht zutreffend.

Am 9. Juli hatte Wesemann im Rat als Ortsbürgermeister kandidiert, wie auch Voigt und Müller. ,,Ich wollte nie Bürgermeister werden", sagte Wesemann nach der Ratssitzung am Mittwochabend gegenüber der Volksstimme. Seine Kandidatur damals sei aus taktischen Gründen erfolgt. Das scheint aufgegangen.

Voigt zog offensichtlich Konsequenzen aus der fehlgeschlagenen Wahl am 9. Juli. Damals hatte es eine Pattsituation gegeben. Nachdem Wesemann und Müller seinerzeit ihre Kandidaturen zurückgezogen hatten, erhielt Voigt in der anschließenden Wahl keine Mehrheit. Voigt stand für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung.

Neben Voigt hat auch Ralf Alex sein Mandat zurückgegeben. Beide waren ebenfalls für die Interessengemeinschaft Stresow angetreten. Für Alex rückte nun Birgit Kriesl in den Rat nach. Mit fünf von fünf Stimmen wurde sie zu Müllers Stellvertreterin gewählt. Den Platz von Voigt hätte Gerhard Kuckuck im Rat einnehmen können. ,,Er hat darauf verzichtet", informierte Frank von Holly (CDU), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Möckern, und zeitweiliger Beauftragter für das zunächst führungslose Stresow.

Im Ortschaftsrat Stresow sind damit fünf der sieben Ratssitze besetzt, drei von der Interessengemeinschaft Stresow sowie zwei durch Einzelbewerber. Es gibt keine weiteren Nachrücker mehr. ,,Bei einem weiteren Rücktritt muss es Nachwahlen geben", kündigte CDU-Mann von Holly an.

Bis zu Müllers Wahl hatte von Holly die Ratssitzung geleitet. Und das mit fester Hand. Zwei schwarzgekleideten Begleitern von Wesemann untersagte er zu Beginn sich als Wachen an der verschlossenen Eingangstür zu postieren. ,,Bitte öffnen Sie die Tür und nehmen Sie wie alle anderen Platz", setzte von Holly Hausrecht durch, um den Fortgang der öffentlichen Ratssitzung zu gewährleisten. Zugleich verwies von Holly auf neue Bestimmungen aus der Kommunalverfassung. Danach dürften in der öffentlichen Sitzung nur öffentliche Personen wie die Ratsmitglieder ohne Einschränkung fotografiert, gefilmt oder im Ton mitgeschnitten werden. Für das Publikum in öffentlichen Sitzungen gelte dies nicht, so von Holly. Sie müssten aber zu Beginn einer öffentlichen Sitzung eindeutig signalisieren, dass sie nicht fotografiert, gefilmt oder im Ton mitgeschnitten werden wollten. Mehrere Besucher meldeten dies bei von Holly an.