Die Deutschen werden nicht nur immer älter, sondern auch immer dicker. Besorgniserregend ist die Entwicklung bei Kindern. Aktuelle Zahlen im Jerichower Land sind alarmierend.

Burg/Genthin l Demnach hat im Landkreis fast jeder vierte Sechstklässler Übergewicht. Doch es kommt noch dicker: Jedes achte Kind (12,4 Prozent)dieser Altersstufe hat Adipositas - ist also fettleibig.

Hintergrund: Im ersten Schulhalbjahr finden wieder die Reihenuntersuchungen der sechsten Klassen durch ein Team des Gesundheitsamtes statt. Es werden neben der körperlichen Untersuchung auch Seh- und Hörteste durchgeführt. Gemessen werden zudem Größe, Gewicht und Blutdruck. Im vergangenen Jahr haben die Mediziner bei 10,3 Prozent der Schüler Übergewicht festgestellt. Hinzu kommen 12,4 Prozent der Kinder mit Fettsucht.

Die Amtsärzte kontrollieren bei den Schuluntersuchungen auch den Impfpass. Ergebnis im Vorjahr: Bei 16 Prozent der Kinder fehlte eine Impfung, bei weiteren acht Prozent fehlt sogar mehr als eine. "Fast jedes Kind bekommt vom Gesundheitsamt einen Hinweis auf anstehende Impfungen", erklärt Landkreis-Sprecher Henry Liebe. Im Alter von zwölf Jahren steht eine Auffrischimpfung der Impfkombination Diphtherie/Tetanus/Keuchhusten/Kinderlähmung an. Zusätzlich empfehlen Mediziner für Mädchen eine Impfung gegen HPV (Humanes Papillom-Virus). Dieser Virus gilt als Hauptverursacher von Gebärmutterhalskrebs. Bei dieser Impfung gibt es eine neue Empfehlung bereits ab einem Alter von neun Jahren. Bis zum 14. Lebensjahr sind nur noch zwei Impfungen im Abstand von sechs Monaten erforderlich. Laut einer Mitteilung des Landkreises ist es im Sinne der Mädchen, frühzeitig mit der Impfserie zu beginnen.

Um auch bei älteren Jugendlichen Impflücken aufzudecken, kontrolliert das Gesundheitsamt auch die Impfpässe von Zehntklässlern. Im vergangenen Jahr haben die Kontrolleure bei jedem dritten Schüler Lücken bei den Impfungen gegen Diphtherie, Tetanus und Keuchhusten festgestellt.

Unterdessen ist Übergewicht in allen Altersgruppen ein Problem. Bundesweit ist über die Hälfte aller Erwachsenen übergewichtig. Aktuell bringen in Deutschland gut 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen zu viel auf die Waage. Das ermittelte das Robert-Koch-Institut in einer groß angelegten Studie. Ein Viertel der Männer und Frauen hat einen Body-Mass-Index von mehr als 30 und gilt damit sogar als fettleibig. Damit steigt das Krankheitsrisiko auf Typ-II-Diabetes und seine Folgeerkrankungen enorm. Denn längst ist bewiesen, dass eine erhöhte Fettmasse mit der Entstehung von Zuckerkrankheit in Zusammenhang steht. Statistiken zufolge bringen fast 90 Prozent der rund acht Millionen deutschen Diabetiker zu viel Gewicht auf die Waage.

Im Burger Krankenhaus gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Anlaufstelle für extrem Übergewichtige ist eine noch junge Selbsthilfegruppe. "Viel schlimmer als das eigentliche Übergewicht sind die Begleiterkrankungen", sagt Dr. Martin Lehmann. Der Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie spricht von Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck und massiv erhöhten Risiken für Schlaganfall und Infarkten. Hinzu kämen die orthopädischen Risiken für Hüfterkrankungen oder Arthrosen: "Jeder Kilo zu viel belastet die Gelenke."

Chefarzt Lehmann sagt auch: "Die Anzahl von Patienten mit einem krankhaften Übergewicht steigt weiter an. Mit der Lebensqualität sinkt auch die Lebenserwartung. Deutschland steht im europäischen Vergleich beim Thema Körpergewicht an erster Stelle."

Ein Operationsverfahren zur Reduzierung von extremem Übergewicht komme für Patienten mit einem Gewicht zwischen 130 und 230 Kilogramm in Frage: "Zuvor muss natürlich geklärt werden, ob der Patient alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Also Ernährungsumstellung, Bewegung, Medikamente und Verhaltenstherapien."

Die Ursachen für Fettleibigkeit sind verschieden. Klaus-Dieter Vogt sagt: "Wir alle kennen das, wenn Kinder gesagt bekommen ,du musst schön aufessen, damit die Sonne scheint`." Vogt ist Vorsitzender der Burger Selbsthilfegruppe. Sie existiert jetzt seit über einem Jahr und tagt monatlich im Krankenhaus. Dr. Martin Lehmann: "Auch psychischer Stress kann die Ursache für Adipositas sein."