Der Ortschaftsrat von Ziepel hat mit vier Ja-Stimmen und zwei Gegenstimmen dem Vorhaben zugestimmt, bei Landhaus Zeddenick zwei Legehennenfarmen des Unternehmens Geflügelhof Möckern zu errichten. Vorangegangen war dem Beschluss eine Einwohner-Informationsstunde.

Möckern l Das positive Votum des Ortschaftsrates bedeutet nicht, dass hier tatsächlich die beiden Farmen entstehen, aber die Zustimmung ist ein erster Schritt auf dem Wege dahin. Es werden wohl drei Jahre, weitere Sitzungen des Ortschaftsrates, des Bauausschusses und des Stadtrates vergehen, bevor das Vorhaben tatsächlich umgesetzt werden kann.

"Wir wollen dieses Vorhaben mit Ihnen als Einwohner gemeinsam auf den Weg bringen", warb der Geschäftsführer der Geflügelhof Möckern, Dr. Stephan Gramzow, am Dienstagabend bei den gut 20 Einwohnern aus Ziepel und seinen Ortsteilen Kampf und Landhaus Zeddenick um Verständnis. So viele waren am Dienstagabend zu der Informationsveranstaltung gekommen, um sich über das Vorhaben des Wiesenhof-Betriebes zu informieren.

Wie die Volksstimme bereits berichtete, ist angedacht, an dem ländlichen Wegebau zwischen Landhaus Zeddenick und Vehlitz zwei neue Elterntierfarmen mit zusammen knapp 80 000 Legehennen zu errichten. Vorgesehen sind sechs Ställe sowie eingeschossige Sozialgebäude.

Bei der Vorstellungsrunde waren neben Dr. Stephan Gramzow und seinem Mitarbeiter Erich Ebeling auch der Ziepeler Ortsbürgermeister Wolfgang Koch und Stadtbürgermeister Frank von Holly sowie der Planer Torsten Böttcher anwesend.

Stadtbürgermeister Frank von Holly betonte in seinen einführenden Worten die Bedeutung von Wiesenhof als wichtigen Wirtschaftsfaktor für Möckern. Er stellte den "hohen Grad sozialer Zufriedenheit" heraus und erinnerte auch daran, welchen Vorteil die Möckeraner dadurch haben, dass man sich mit dem Geflügelunternehmen die Abwasserentsorgung teilen könne. "Wir können in Möckern stolz darauf sein, dass sich der Einwohnerschwund in Grenzen hält. Das liegt auch daran, dass wir hier Arbeitsplätze vor Ort haben."

Mit dem beantragten neuen Standhof auf Ziepeler Gemarkung könnten bis zu sechs neue Arbeitsplätze hinzukommen.

Jedoch handelt es sich bei den geplanten Farmen nicht um eine "echte" Expansion des Unternehmens, sondern um Ersatzneubauten fu¨r Farmen an anderen Standorten außerhalb der Einheitsgemeinde, die auf lange Sicht nicht erhalten werden können. Ziel sei lediglich die Erneuerung der Stallsubstanz, stellte Dr. Stephan Gramzow auch in Ziepel noch einmal klar.

Derzeit existieren im Bereich der Einheitsgemeinde Möckern neben zahlreichen Mastanlagen vier solcher Elterntierstandorte. Es werde aber immer schwerer, neue, genehmigungsfähige Standorte fu¨r solche Anlagen zu finden. "Wir haben uns auch andere Orte angeschaut, aber Ziepel wäre der beste", so Gramzow. Hintergrund für den Neubau sind auch neue Regelungen und Auflagen für die Massentierhaltung. Diese sehen etwa eine Bestandsreduzierung in den Ställen vor.

Sorge machte den Einwohnern von Ziepel und Landhaus Zeddenick natürlich die Belastung der Luft und der Straßen. Laut Aussagen der Planer sollen die nach oben gerichteten Abluftanlagen der Ställe am südlichsten Ende - und damit soweit wie möglich weg von der nächsten Wohnbebauung erfolgen. Als Hauptwindrichtung geben die Investoren West-Südwestwinde an.

Wiesenhof-Mitarbeiter Erich Ebeling erinnerte daran, dass am Standort Möckern seit 45 Jahren solche Tierplätze existieren und die Geruchsbelästigung gering sei. Für Ziepel gilt: Einmal im Jahr erfolgt eine Ausstallung, die mit Gerüchen verbunden sein kann. Ansonsten fährt täglich nur ein Fahrzeug, das die Bruteier transportiert.

Die Wasserversorgung soll über das öffentliche Netz oder später über einen eigenen Brunnen erfolgen. Geprüft werden muss, ob die vorhandenen Zuwegungen den Ansprüchen gerecht sind oder ausgebaut werden muss.

Mit dem Vorhaben einher ginge eine Änderung des Flächennutzungsplanes. Statt der bisherigen Ausweisung des betroffenen Gebietes für "Landwirtschaft" müsste es künftig als "Sonderbaufläche Tierhaltung" gelistet werden. Das Gelände gehört überwiegend der Stadt Möckern.

"Was hat denn Ziepel davon, wenn wir Ja sagen", wollte ein Bürger wissen. Infrage kämen - so die Antwort von Stadtchef von Holly - Ersatzmaßnahmen, die durch den Eingriff in die Natur nötig werden. Anpflanzungen im Ortsgebiet wären etwa möglich oder der Rückbau von Bauruinen, vorausgesetzt, der Eigentümer stimmt dem zu.

 

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