Für die Bahnstrecke Biederitz - Altengrabow hat sich ein Pächter gefunden. Er wird die Strecke zum 1. März übernehmen. Eine Personenbeförderung im öffentlichen Nahverkehr in unmittelbarer Zukunft ist aber noch nicht vorgesehen.

Möckern/Loburg/Altengrabow l Pächter der Strecke ist die "regio infra GmbH", die in Mecklenburg Vorpommern und Brandenburg seit etwa zehn Jahren als privates Unternehmen Bahnstrecken unterhält und betreibt. Das Streckennetz, welches sowohl für den Personenverkehr als auch für den Güterverkehr zugänglich ist, umfasst rund 350 Streckenkilometer und wird von 70 Mitarbeitern unterhalten.

Geschäftsführer der regio infra ist Dr. Ralf Böhme, auch hierzulande kein Unbekannter: Böhme war im Jerichower Land schnell zum Hoffnungsträger all jener geworden, die sich nach der Streckenabmeldung durch die Nahverkehrsgesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt (Nasa) im Dezember 2011 für den Fortbestand der Bahnlinie Biederitz - Altengrabow eingesetzt hatten. Bei den Podiumsdiskussionen der Bürgerinitiative "Bahn-statt-Bus" hatte Böhme früh angedeutet, Interesse an einer Übernahme der Bahnlinie zu haben.

Dieses Vorhaben hat sein Eisenbahnunternehmen nun in die Tat umgesetzt. Nach intensiven Absprachen mit der Deutschen Bahn und der Bundeswehr als derzeit fast alleiniger Nutzer der besagten Strecke ist ein Pachtvertrag für die Schienenstränge unterzeichnet worden. Bahngebäude und Bahnsteige könnten unter gegebenen Umständen später hinzukommen.

Doch für das aktuelle Hauptgeschäft - den schienengebundenen Transport von Armeeausrüstung - sind Bahnsteige nicht von Bedeutung für die infra regio. Das könnte erst dann eine Rolle spielen, wenn tatsächlich wieder der öffentliche Personennahverkehr ins Rollen kommt. Dr. Böhme macht das von einer Wirtschaftlichkeit abhängig. "Wir sind kein Samariterbund, sondern mu¨ssen wirtschaftlich rechnen", hatte Ralf Böhme schon bei einer öffentlichen Diskussionsrunde im November 2013 erklärt. Fast wortgenau wiederholt er diese Aussage im Volksstimmegespräch über ein Jahr später.

In der nun besiegelten Pacht sieht Geschäftsführer Böhme einen ersten Schritt als Grundlage für weitere Vorhaben zwischen Biederitz und Altengrabow: "Wichtig ist, dass die vorhandene Infrastruktur gesichert ist. Die DB hatte da kein Interesse daran. Ich bin guten Mutes, hier Verkehr auf die Schiene zu bekommen. Das kommt auf die Bundeswehr an."

Sichtbare Veränderungen ab dem 1. März sind ihmzufolge nicht zu erwarten. Auch werde vorerst kein Bedarf an neuen Mitarbeitern vor Ort entstehen.

In den kommenden Wochen soll die Strecke zusammen mit Vertretern der Bundeswehr und der Deutschen Bahn abgefahren werden. Genutzt wird dazu übrigens die bewährte Technik der Loburger Dampfzugbetriebsgemeinschaft.

Konnten größere Reisegruppen bis zuletzt über die Nasa Sonderzüge für die Fahrt zwischen Magdeburg und Loburg bestellen, so setzt Privatbahner Böhme zunächst auf die Traditionszüge "Warum soll ich dafür nicht erst einmal das Material vor Ort nutzen?", führt Böhme an, verweist aber auch darauf, dass sein Unternehmen natürlich u¨ber geeignete Zu¨ge verfu¨gt, die auf der Strecke eingesetzt werden könnten.

"Wir können diese Strecke billiger betreiben, als die Deutsche Bahn", sagt Ralf Böhme und begru¨ndet das mit einer schlankeren Unternehmensfu¨hrung und weniger kostspieligen Auflagen im Bahnbetrieb. Schon vor über einem Jahr hatte Dr. Ralf Böhme aber auch gesagt: "Die Kunden mu¨ssen wissen, was sie wollen - Waggons mit goldenen Klinken und teuren Klimaanlagen, oder einen Zug, der sie von A nach B bringt."

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