Am Sonntag, 22. März, sind fast 12 000 Wahlberechtigte in der Einheitsgemeinde Möckern aufgerufen, ihren hauptamtlichen Stadtbürgermeister neu zu wählen. Die Volksstimme stellt die beiden Kandidaten in dieser Woche vor. Heute ist der Kandidat der Wählergemeinschaft Fläming, Bernd Wünschmann, an der Reihe.

Möckern l Bernd Wünschmann ist der einzige Bewerber, der bei der Bürgermeisterwahl am 22. März gegen den Amtsinhaber Frank von Holly (CDU) antritt. Bisher kennt man den Bürgermeisterkandidaten der Wählergemeinschaft Fläming als Ortsbürgermeister von Loburg und als Stadtratsmitglied.

Nach Loburg hat es den Berufssoldaten der Bundeswehr verschlagen, nachdem er Mitte der 90er Jahre mit der Leitung des Truppenübungsplatzes Altengrabow beauftragt wurde. "Nach der Pensionierung im Jahr 2007 stand für mich schnell fest, dass ich zu jung war, jetzt nichts mehr machen zu wollen", verrät Wünschmann. Und so engagierte er sich in der Lokalpolitik, wurde Bürgermeister von Loburg. 2014 wurde er vom neuen Ortschaftsrat als Ortsbürgermeister von Loburg bestätigt.

"Ich hatte den Bürgern in Loburg nichts versprochen, nur dass ich mich engagieren werde. So will ich es dann für Möckern auch machen. Ich suche das Gespräch mit jedem Bürger und gehe an alles ohne Vorurteile ran. Wenn ich sage, ich mache das, dann mache ich das. Dann kämpfe ich auch darum. So bin ich auch für Loburg eingetreten.

Ich bin militärisch so erzogen worden. Wenn das mein Aufgabenbereich ist, dann ist das mein Aufgabenbereich", nennt Bernd Wünschmann seine Prinzipien.

Soldat ist Wünschmann aber immer noch. "In meiner Verwendung gibt es zu wenig Personal, deswegen bin ich immer noch in fünf Bundesländern unterwegs, um Stellungnahmen zu munitionsbelasteten Flächen zu schreiben, über die man keine Unterlagen mehr hat", erklärt der Hauptmann und Fachdienstoffizier. Im Falle eines Wahlerfolges kann Wünschmann aber jederzeit seinen Dienst bei der Bundewehr beenden, um sich ganz der Tätigkeit des Stadtbürgermeisters zu widmen.

"Ich kann mit Menschen umgehen"

Seine Erfahrung im militärischen Bereich sieht Wünschmann auch als gute Voraussetzung für das angestrebte Stadtbürgermeisteramt: "Ich habe einen militärischen Dienststellenbereich geleitet mit 20 Soldaten, 33 Beamten und 140 Arbeitnehmern. In dem Bereich kenne ich mich aus. Ich kann mit Menschen umgehen."

Zur Eingemeindung von Loburg in die Stadt Möckern sagt Bernd Wünschmann: "Ob die Eingemeindung ganz richtig war, steht auf einem anderen Blatt. Die Menschen, die 30 oder 40 Jahre ihre Verbindungen in den Landkreis Zerbst aufgebaut haben, kann ich nicht von jetzt auf gleich über den Tisch kippen. Durch die Eingemeindung nach Möckern und die Auflösung des Landkreises Anhalt-Zerbst sind die Wege nach Zerbst weit geworden", sagt Wünschmann und nennt etwa die schlechten Verbindungen im öffentlichen Personennahverkehr.

"Deshalb hatte ich damals gesagt, vielleicht wäre es sogar besser gewesen, nach Zerbst zu gehen, um Zerbst als Mittelzentrum zu stärken. Das wäre als Bürgermeister von Loburg meine Aufgabe gewesen. Mittlerweile weiß ich, dass das gar nicht machbar wäre, den Landkreis zu wechseln, weil man vielleicht mit einer gewissen Politik nicht einverstanden ist."

Die Diskussion um den Neubau der Sporthalle und ihren Standort in Loburg bezeichnet der Amtsbewerber als großes Ärgernis. Das Versprechen des damaligen Landrates Lothar Finzelberg zum Neubau nennt er puren Stimmenfang und Wahlversprechen. Ihn ärgert auch, wenn heute der Bau als Leistung der Stadt Möckern bezeichnet wird: "Eine Million Euro kam allein aus dem Loburger Städtebauprogramm."

Bernd Wünschmann betont, dass er dies als Loburger Ortsbürgermeister sagt: "Wenn ich aber jetzt als Stadtbürgermeister von Möckern antrete, dann ist mein Betätigungsfeld ganz Möckern mit all seinen Ortschaften und nicht mehr nur Loburg, selbst wenn ich meinen Wohnsitz in Loburg habe."

Parteiübergreifend das Gespräch suchen

Zu den Befindlichkeiten der 27 Ortschaften der Einheitsgemeinde Möckern sagt der Amtsbewerber: "Wir müssen das Wir-Gefühl in der Stadt hinbekommen. Möckern ist noch keine Einheitsgemeinde. Die kriegen wir so schnell auch nicht hin. Das dauert mindestens ein Jahrzehnt oder länger."

Im Falle eines Wahlerfolges möchte der Kandidat der Wählergemeinschaft Fläming die Ortsbürgermeister mehr einbeziehen: "Das erlebe ich bisher nicht in allen Belangen so." Er habe sich vorgenommen, parteiübergreifend das Gespräch zu suchen und in der Verwaltung die Amtsleiter zu stärken. "Viele Visionen sind sicher schon da. Aber ich muss mich mit vielen Sachen erst vertraut machen, weil ich noch keinen Einblick habe."

Im Stadtrat Möckern, dessen stellvertretender Stadtratsvorsitzende Wünschmann ist, sieht er mit der Konstellation Probleme, etwa bei der Behandlung von Anträgen seiner Partei. Fraktionszwang, Kinderei und Engstirnigkeit hat er in dem Gremium festgestellt. "Uns, der Wählergemeinschaft Fläming, geht es um die Sache der ganzen Stadt".

Zu den Schwächen der Stadt zählt der Loburger die Tatsache, dass sie zu wenige Einwohner hat. "Es fehlen auch die Kaufkraft und Arbeitsstellen." "Dafür haben wir viel Fläche, Natur und jede Menge Sehenswürdigkeiten, wir liegen an der Straße der Romanik. Das müsste bekannter werden", befindet Wünschmann.

Die Bewerber stellen sich am 12. März um 19 Uhr in der Stadthalle Möckern, Lochower Weg, in einer Einwohnerversammlung vor.