Die Idee eines Radweges von Magdeburg in das Zentrum des Fläming über Burg-Magdeburgerforth-Ziesar-Görtzke-Bad Belzig erscheint touristisch reizvoll. Zugleich würde eine bisher fehlende Ost-West-Verbindung im Jerichower Land entstehen, die Verbindung würde den Landkreis zu einem wichtigen Bindeglied zum Land Brandenburg mit seinem vorbildlichen Radnetz machen.

Wer kennt sie noch, die gute alte Kleinbahn, die bis 1965 maßgeblich die Verkehrsinfrastruktur des Altkreises Burg prägte. Insgesamt 101,6 km lang durchzog sie einstmals mit Spurweite 750 mm den Landkreis Jerichow I.

Als erster Streckenabschnitt wurde am 4. April 1896 der Abschnitt Burg-Grabow-Magdeburgerforth in Betrieb genommen. Die Konkurrenz auf der Straße und die zunehmende Verschlechterung der Gleisanlagen führten am 25. September 1965 zur Einstellung des Betriebes auf dem letzten noch bis dahin in Betrieb befindlichen Abschnitt von Burg über Magdeburgerforth nach Ziesar bzw. Altengrabow.

In den letzten Jahren hatten sich Entgleisungen, zumeist mit glimpflichem Ausgang, gehäuft. Ich selbst konnte als Kind am Ortsausgang Burg Richtung Grabow in Höhe des heutigen Wohngebietes Ihletal den noch zuletzt fahrenden Schienenbus neben dem Gleis auf der Seite liegend betrachten.

Heute werden wesentliche Teile der ehemaligen Trasse als Radweg genutzt. Die bekannteste dürfte der vielbenutzte asphaltierte Abschnitt Burg Grabow parallel zur Kreisstraße sein.

Seine Fortsetzung findet der Radweg auf der ehemaligen Trasse nach der Autobahnbrücke Theeßen auf der linken Seite vor der Kurve Ortseingang Küsel. Hier beginnt der vielleicht schönste Fahrradweg im Jerichower Land durch eine abwechslungsreiche Waldlandschaft mit eingestreuten Wiesen und kleinen Fließgewässern vorbei an lohnenden Zielen. An der Strecke liegen zum Beispiel der Park mit Gutshaus Waldrogäsen, das Fischerdorf Wüstenjerichow, die ehemalige Schadsmühle in Drewitz oder die Anlagen des Traditionsvereins Kleinbahn des Kreises Jerichow I in Magdeburgerforth. Frei von den Geräuschen der Straße begleitet dem Radler oder Wanderer hier ausschließlich der Gesang der Vögel.

Die Kräfte der Natur haben den zu Beginn der 90er Jahre im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme errichteten Radweg in seiner Befahrbarkeit im Laufe der Jahre zunehmend durch Gras- und Baumwuchs beeinträchtigt. Selbst für ortskundige Rad- fahrer eine Herausforderung, für auswärtige Radtouristen kaum auffindbar, da auch in Kartenmaterial nicht "gelistet" und beschildert, bedarf es hier der Abhilfe. Bei einem vergleichsweise unterentwickelten Radwegenetz im Landkreis sollte es deshalb wichtig sein, die vorhandenen Strecken mit relativ geringem Aufwand zu erhalten.

Die Bemühungen des ADFC und interessierter Bürger zur Verbesserung des Abschnittes Küsel- Magdeburgerforth finden hierbei die Unterstützung der Stadt Möckern. Kürzlich wurde der Radweg mit Bürgerengagement und Technikeinsatz des Bauhofes der Stadt Möckern durchgehend gemäht und von umgestürzten Bäumen und Wildwuchs befreit.

Noch rechtzeitig zum Frühling und zum bevorstehenden 112. Deutschen Wandertag, der in diesem Jahr im Fläming und damit auch der Region der Stadt Möckern stattfindet, lädt der wunderschöne Naturradweg auf der historischen Kleinbahntrasse ab sofort für die Wiederentdeckung der regionalen Geschichte ein.

Wolfgang Wytrwat, Rietzel