Für die Anpassung ihrer Gehälter an andere Kliniken der Median-Gruppe im Osten sind die Mitarbeiter der Flechtinger Median-Kliniken am Montag auf die Straße gegangen. Derzeit laufen die Tarifverhandlungen in Berlin. Erfolge würden auch dem Personal der Kalbenser Klinik zugute kommen.

Von Carina Bosse

und Gesine Biermann

Flechtingen l Ihrer Forderung nach fairem Lohn und einer Anpassung ihrer Gehälter an die anderen Kliniken der Gruppe im Osten haben die Mit- arbeiter der beiden Flechtinger Median-Kliniken am Montag Nachdruck verliehen.

Rund 80 Mitarbeiter hatten ihre "aktive Mittagspause", dazu genutzt, um in einem Rosenmontags- umzug an den Kliniken entlang zu ziehen, einige waren in Karnevalsmanier kostümiert, andere trugen die Westen der Gewerkschaft Verdi. Mit Trillerpfeifen, Vuvuzelas und Rasseln zeigten die Frauen und Männer ihren Protest lautstark an, unterstützt von einige Patienten.

"Die Kliniken schreiben schwarze Zahlen. Kein Grund, auf verdienten Lohn zu verzichten."

Gestern gingen in Berlin die Verhandlungen weiter. Insgesamt 14 Kliniken betreibt die Median-Kliniken GmbH Co. KG im Osten Deutschlands. Gestritten wird derzeit ums Gehalt.

Die Angebote der Arbeitgeber sind nach Gewerkschaftsangaben allerdings inakzeptabel und würden von den Beschäftigten abgelehnt. "Für die Altbeschäftigten soll es vierteljährlich 100 Euro geben", beziffert die Flechtinger Median-Klinik-Betriebsratsvorsitzende Katja Clahn gestern die Angebote der Arbeitgeberseite. Die wesentlich schlechter bezahlten Neueinsteiger sollten 10,8 Prozent mehr Gehalt bekommen. Ihnen fehlen aber ohnehin schon Bonuszahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld.

"Die Kliniken schreiben schwarze Zahlen. Kein Grund also, auf den verdienten Lohn zu verzichten, den sich so die Anteilseigner in die eigene Tasche stecken", sagte Verdi-Gewerkschaftssekretär Jens Berek am Montag im Volksstimme-Gespräch. "Der Abstand zu den anderen vergleichbaren Kliniken im Unternehmen ist riesig." Zehn Prozent seien keine Seltenheit. Deshalb werde nun gleicher Lohn für gleiche Arbeit gefordert.

Für die Flechtinger Kliniken saß gestern Betriebsratsvize Holger Nußbaumer in Berlin mit am Verhandlungstisch. Die Gespräche waren ursprünglich bis 18 Uhr geplant. Nußbaumer war bis Redaktionsschluss telefonisch nicht zu erreichen.

Von den möglichen Erfolgen der Tarifverhandlungen werden schließlich auch die Mitarbeiter der Kalbenser Median-Klinik profitieren, obgleich es in der Einrichtung mit weit über 100 Mitarbeitern derzeit keinen Betriebsrat gibt. Zuletzt bestand er noch aus zwei Angestellten, sie hatten sich aber bei der jüngsten Wahl nicht mehr aufstellen lassen. "Das finden wir sehr schade", betont Katja Clahn. Sie gibt sich gestern kämpferisch. Sollten die Verhandlungen scheitern, sei man in Flechtingen bereit, wieder auf die Straße zu gehen, versichert sie.