Unbekannte Täter haben in der Nacht zu gestern das Potzehner Freibad mit Unmengen von Konfetti verschandelt. Ein Badebetrieb war gestern nicht möglich. Die Stadt holte sich zur Beseitigung der Schäden Hilfe bei der Bundeswehr vom Gefechtsübungszentrum.

Gardelegen l Böse Überraschung Donnerstagvormittag für die Mitarbeiter des Freibades Potzehnes. Schwimmmeister und Kioskbetreiber wollten eigentlich Türen und Tore öffnen, um die ersten Badegäste begrüßen zu können. Stattdessen erwartete die Mitarbeiter ein Badebecken, in dem Myriaden von buntglänzenden Konfetti-scheibchen vor sich hin trieben. Der Rand rings um das Badebecken war ebenfalls mit Unmengen von Konfetti verziert. Auf das Pflaster des Gehweges am Badebecken waren zudem Parolen wie "Der Krieg beginnt hier" und "Bundeswehr abschaffen" zu lesen.

Stadt, Förderverein, Mitarbeiter des Freibades und die Bundeswehr reagierten entsetzt, empört und angewidert. "So haben die Terroristen in den 1970-er Jahren im Westen auch angefangen", sagte Oberst Gunter Schneider, Leiter des Gefechtsübungszentrum des Heeres bei Letzlingen, der gestern allerdings in seiner Funktion als Standortältester für Gardelegen in Potzehne war. Denn die Stadt hatte die Bundeswehr bei der Beseitigung des Schadens um Hilfe gerufen. Denn ein Badebetrieb war gestern nicht möglich.

Bürgermeister Konrad Fuchs war sichtlich verärgert, zuweilen auch recht wütend. "Das geht nach dem Motto: Willst du nicht meiner Meinung sein, dann schlag` ich dir den Schädel ein", empörte sich Fuchs angesichts der alles andere als witzigen Gestaltung des Freibades. Sowohl Fuchs als auch Schneider gehen davon aus, dass die Täter aus antimilitaristischen Kreisen um das Camp War Starts Here (übersetzt: Der Krieg beginnt hier) zu suchen sind. Diese Rückschlüsse würden die Parolen auf den Pflastersteinen zulassen. Vermutlich sind sie auch als Racheakt zu sehen, denn es habe offenbar von Privatleuten in diesem Jahr keine Zusage wie in den vergangenen zwei Jahren gegeben, das Camp bei Potzehne einzurichten. Es könnte auch sein, so Fuchs, dass sich die "Aktivisten" Potzehne ausgesucht hätten, weil die Bundeswehr ihre Schwimmtrainingsstunden im Potzehner Freibad absolviere - auf vertraglicher Basis mit der Stadt. Wie auch immer, insgesamt sei das eine miese Aktion. "Und die treffen damit vor allem unsere Kinder, die nun das Bad nicht nutzen können", so Fuchs.

Das Camp soll vom 17. bis zum 24. August in der Region Letzlingen als Protestlager gegen die Bundeswehr stattfinden. Oberst Gunter Schneider befürchtet weitere Aktionen im Vorfeld des Camps, dessen Teilnehmer ein "Konglomerat unter anderem von Wendland-Aktivisten, der Bürgerinitiative offene Heide und dem Schwarzen Block Stuttgart mit Vertretern aus Großstädten wie Stuttgart, Hamburg und Berlin" sein wird.

"Wir haben jetzt das dritte Jahr dieses Camp, und wir beobachten eine zunehmende Gewaltbereitschaft ohne Rücksicht auf Verluste und auf die Zivilbevölkerung", so Schneider. Er bezeichnete das schon als einen Treppenwitz. "Diese Leute wollen gegen Gewalt sein, gegen die Bundeswehr, und setzen selbst als erste Gewalt ein", sagte Schneider.

Die Stadt jedenfalls hat Anzeige erstattet. Die Kriminalpolizei nahm Spuren auf. Gestern Vormittag waren noch Technikexperten der Bundeswehr vor Ort, um zu sehen, was an Technik gebraucht wird. Am Nachmittag waren dann mehr als 100 Soldaten im Einsatz, darunter auch Taucher, die den Boden des Beckens reinigten.

Eigentlich hätten die gestern ihren Schwimmtag in Potzehne gehabt. Statt Schwimmen stand nun die Beseitigung der bunten Hinterlassenschaften auf dem Programm. Wenn alles klappt, kann heute in Potzehne wieder gebadet werden.

 

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