Flüchtlingsfamilien mit Kindern sollen künftig in einem Altbaublock am Gardeleger Bahnhof ein neues Zuhause finden. Die ersten drei Wohnungen sind schon bezogen.

Gardelegen l Sie kommen vorrangig aus dem Iran, dem Irak oder Afghanistan und sollen nun in Gardelegen ein neues Zuhause finden: Vor allem Flüchtlingsfamilien mit Kindern will der Kreis künftig dauerhaft in einem Objekt an der Gardeleger Bahnhofstraße 58 a bis 58 c unterbringen.

Platz in der GU reicht nicht mehr aus

Das Gebäude gehört derzeit noch der Wohnungsgenossenschaft Gardelegen (WGG), der Kauf ist aber bereits vom Kreistag abgesegnet. Der Kostenrahmen liegt etwa bei einer halben Million Euro für den Erwerb und die Renovierung der Immobilie, informiert Matthias Baumann, Dezernatsleiter I des Kreises gestern auf Nachfrage. "Der Zustand der Wohnungen ist unterschiedlich. In einigen muss mehr gemacht werden, in anderen weniger. Wir haben uns nicht jede einzelne Wohnung angesehen." Die wichtigsten Sanierungen werden aber wohl den Sanitärbereich betreffen.

Grund für den Erwerb und den Ausbau des Objektes sind die steigenden Zahlen der Asylantragsteller im Altmarkkreis Salzwedel. Rund 350 Menschen werden es in diesem Jahr vermutlich insgesamt werden, beziffert Hans Thiele, Leiter des Kreisdezernates II im Altmarkkreis gestern. "So genau lässt sich das aber nicht voraussagen." Denn die Zahlen schwanken von Monat zu Monat. Der Kreis, als Träger, muss zuweilen sehr kurzfristig regieren und die Flüchtlinge unterbringen. Der Platz in der Gemeinschaftsunterkunft (GU) reicht dafür aber bei weitem nicht mehr aus.

Derzeit leben in dem Objekt auf dem Areal der Kreisaußenstelle an der Philipp-Müller-Straße laut Thiele 45 Personen. Weitere elf Familien sind bereits in einzelnen Wohnungen innerhalb des Stadtgebietes untergebracht. Denn in der GU sollen die Flüchtlinge höchstens drei Monate bleiben, um die wichtigsten organisatorischen und administrativen Fragen zu klären. Dann soll ihnen, insbesondere den Familien mit Kindern, möglichst wieder ein unter diesen Unständen normales Privatleben in abgeschlossenen Wohnungen ermöglicht werden.

Elf Flüchtlingsfamilien leben in Wohnungen.

Der Wohnblock an der Bahnhofstraße bietet insgesamt 27 Wohnungen in drei Eingängen. Wichtige Einrichtungen wie Einkaufsmöglichkeiten und Schulen seien von dort aus gut erreichbar, "und wir sind auch mit vor Ort", betont Thiele. Denn vieles ist natürlich neu für die Flüchtlinge, eine Betreuung unumgänglich.

Zwar ist der Kauf noch nicht abgeschlossen, drei der 27 Wohnungen sind dennoch bereits bezogen. Drei weitere werden in den kommenden Tagen neue Bewohner bekommen. In weiteren wird derzeit renoviert. "Das ist alles vertraglich geregelt", sagt Thiele.

Besprochen wurde die Veränderung auch mit den deutschen Mietern, die in dem Wohnblock wohnen. Vier Mietparteien sind es noch. Und "sie können selbstverständlich dort wohnen bleiben", versichert Thiele. "Wir werden keinen zwingen, dort ausziehen zu müssen", stellt auch sein Kollege Matthias Baumann klar. Schließlich geht es ja auch um Integration.

Was der Landkreis später einmal mit dem Gebäude in Gardelegen anfangen wird, wenn die Zahlen der Asylantragsteller irgendwann wieder rückläufig sein sollten, "darüber denken wir zur Zeit nicht nach", sagt Thiele. "Wir gehen davon aus, dass wir die Wohnungen in den nächsten zwei bis drei Jahren auf jeden Fall noch brauchen werden."