Die Zukunft der Estedter Peter-Härtling-Grundschule wird in den nächsten Wochen erneut die Kommunalpolitik beschäftigen. Zwei Möglichkeiten gibt es: Erhalt der Schule mit einer Änderung der Einzugsbereiche oder Schließung.

Gardelegen l Seit 2011 ist das Thema Zukunft der Grundschule Estedt im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Bereits im April 2011 hatte der damalige Hauptamtsleiter Klaus Richter darauf hingewiesen, dass die Estedter Schule in ihrem Bestand gefährdet ist. Akut wurde die Thematik dann 2013, als es um die Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung ging. Das Land hatte eine neue Verordnung zur Schulentwicklungsplanung erlassen. Demnach muss die Mindestschülerzahl für eine Grundschule bei 52 Kindern liegen (bis dato 40), ab dem Schuljahr 2017/2018 bei 60 Kindern. Eine Eingangsklasse werde nur mit 13 Kindern genehmigt (seit 2014). Ausnahmen sind möglich, wenn bei weniger Eingangsschülern aber dennoch die Gesamtzahl erreicht wird.

Bisher keine eindeutigen Beschlüsse

Der Gardeleger Stadtrat etablierte 2013 eine Arbeitsgruppe zur Schulentwicklungsplanung. Die legte mehrere Varianten vor, um mit der Änderung von Einzugsbereichen die Estedter Schule erhalten zu können. Das rief den Protest von Eltern auf den Plan, die ihre Kinder in ihren angestammten Schulen belassen wollten, und das auch gesichert für künftige Schulkinder (unter anderem Hemstedt, Lüffingen, Weteritz und Solpke). Es folgten Protestaktionen und Demos vor dem Rathaus, auch von Estedter Eltern und Schülern, die ihre Schule erhalten wollen. Es gab mehrere Beschlussvorlagen. Die letzte kam Ende Oktober 2013 aufs Tapet zur Schließung der Grundschule. Die hatte der Stadtrat abgelehnt. Und dabei war es dann geblieben. Eine Eingangsklasse konnte mit Beginn dieses Schuljahres in Estedt nicht mehr gebildet werden. Die sieben Kinder wurden in der Reutter-Grundschule eingeschult.

Jetzt hat die Verwaltung erneut eine Vorlage erarbeitet - als Mitteilungsvorlage - recht umfangreich unter anderem mit den Schülerzahlen aller Schulen bis zum Schuljahr 2020/2021, den zu erwartenden Schülerzahlen aus dem westlichen Bereich der Stadt Gardelegen für eine mögliche Zuordnung, Beschlussvorlagen, Protokollen und den Schreiben der Bürgermeister von Klötze und Kalbe. Die waren von der Stadt angeschrieben worden, ob nicht Schüler aus deren Bereichen der Grundschule Estedt zugeordnet werden können. Beide hatten abgelehnt.

Auch für 2015/2016 keine Eingangsklasse

In der Begründung zur Mitteilungsvorlage heißt es: "Bereits in der vergangenen Legislaturperiode hat der Stadtrat sich weder zu einer Anpassung der Einzugsbereiche noch zur Schließung der Grundschule entscheiden können. Zum Schulstandort Estedt muss es nun eine Entscheidung geben." Langfristig im Bestand gesichert seien die Grundschulen in Gardelegen, Mieste, Jävenitz und Letzlingen. Die Estedter Schule sei dagegen akut gefährdet. Auch im nächsten Schuljahr könne nach gegenwärtigem Stand keine Anfangsklasse gebildet werden. Es seien dann nur noch zwei Klassen mit 25 Schülern vorhanden.

Für 2015/2016 gebe es im Estedter Einzugsbereich (Berge, Ackendorf, Laatzke, Estedt, Wiepke, Schenkenhorst und Zichtau) zwar 16 Erstklässler. Von denen seien aber nur neun Kinder in Estedt angemeldet. Fünf Kinder werden andere Schulen besuchen, für ein Kind sei der Antrag auf eine vorzeitige Einschulung zurückgenommen worden, eine Familie sei verzogen. Für das Schuljahr 16/17 seien 15 Kinder im Einzugsbereich gemeldet. Dennoch sei die Bildung einer Eingangsklasse vakant, da "sehr wahrscheinlich nicht alle Kinder die Estedter Grundschule besuchen werden", heißt es in der Beschlussvorlage.

Der Stadtrat ist aufgefordert, eine Empfehlung zu erarbeiten.

Heute Abend wird sich mit dieser Thematik als erster Fachausschuss des Stadtrates der Sozialausschuss befassen. Die öffentliche Sitzung beginnt um 19 Uhr im Jugendklub Mood im Jugendförderungszentrum.