In Jeggau kann der Frühling kommen, die Fasslomstüber haben ein Wochenende lang den Winter ausgetrieben. Am Freitagabend gab es ein Programm mit vielen Kostümen und schlüpfrigen Schattenspielen. In der Hauptrolle dabei: Schultenknecht Andreas Plock.

Jeggau l Der Ziegenpeter Andreas Plock hat bis morgen das Sagen in Jeggau - zumindest laut Fasslombrauch. Denn Plock war am Wochenende beim 27. Fasslomfest der Schultenknecht und ließ sich gestern aus den Händen von Ortsbürgermeister Matthias Krüger die Wurstkrone geben. Diese trug dann Wurstgabelträger Thomas Lembke beim Umzug durchs Dorf, in Begleitung aller Fasslomstüber in ihrer Vereinskleidung und den Kalbenser Blasmusikanten.

Schon am Freitag hatten die Fasslomstüber Eier, Speck und Würste bei ihrem Heischezug durch Jeggau und Eigenthum gesammelt. Wer von den Einwohnern nicht da war, hatte einen Korb mit Eiern, Flaschen und Würsten hingestellt. Michael Lembke war der Wurstgabelträger und begrüßte die Jeggauer mit dem traditionellen Spruch zum Winteraustrieb an der Haustür. Nun kann die reiche Ernte kommen, mit "Kartoffeln so groß wie Kinnerköpp".

Schultenknecht Andreas Plock wurde begleitet von seinen Schöffen Christian Fehse-Fohrholz und André Schmidt. Nach dem Eierbackessen am Freitag gab es wieder ein unterhaltsames, schlüpfriges Programm der Herren.

Als echtes Talent in jeder Rolle - von der Straßenkasse beim Heischezug bis zur blonden Tussi mit Hackenschuhen - erwies sich Toni Berlin. Der mimte nicht nur Heidi, die Enkelin vom langhaarigen Ziegenpeter (Jörg Schulze), sondern auch dessen Dame des Herzens, Chantal. Die erwies sich nach einer Bauer-sucht-Frau-Liebe am Ende leider doch als Hexenbiest und wurde vom Teufel Mephisto (Wolfgang Kampe) geholt. "So entsorgt man seine Frau", war Ziegenpeter zufrieden. Zuvor hatte er nicht nur seine Chantal, sondern auch den Wehrdienst mit Pinguin-Zählen, seinen Freund Wodka Gorbatschow, einen Absturz in den Bergen, den Ötzi-Fund und allerlei Damen mit ganz kurz Kleidchen überstanden. So fand er dann in seiner Ausflugsgaststätte "Blauer Bock" in "Jeggau, der Perle der Altmark" seinen Frieden - und furzte den Gästen nach dem Aufstehen etwas vor.

Aus einem geplant kurzen Programm wurden so am Ende doch eineinhalb Stunden, in denen das Publikum manchmal sehr genau hinschauen musste, um die Akteure in den Kostümen zu erkennen.

Schleifenkönig amSonnabend Denny Giggel

Zu einer ganz besonderen Ehre kamen am Freitag Brigitte Jahn und Sabrina Gruhn. Sie hatten am Freitag und Donnerstag Geburtstag und erhielten von Heidi jeweils einen Blumenstrauß. "Selbst gepflückt", wie die Dame im Dirndl betonte. Nur mit einer Zugabe entließ das begeisterte Publikum Andreas Plock, André Schmidt und Toni Berlin ganz zum Schluss, nachdem sie einen Tanz mit Choreografie und Schuhplatteln aufs Parkett gelegt hatten.

Beim gut besuchten Fasslomball am Sonnabendabend wurde Denny Giggel zum Schleifenkönig des Festes gekürt. Mit dem Kaffeetrinken aller Jeggauer gestern Nachmittag im Gemeindesaal, wo die Fasslomvereinsmitglieder auch ihrem Ehrenmitglied Walter Bethge gedachten, der den Heischezug 13 Jahre begleitet hatte und vor wenigen Tagen verstorben war, endete das 27. Fest.

   

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