Am 6. Mai 1990 fanden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR die ersten freien Kommunalwahlen statt: der Beginn einer neuen Ära mit völlig neuen Herausforderungen. Die Gardeleger Volksstimme-Redaktion sprach mit vier Zeitzeugen.

Von Cornelia Ahlfeld

Gardelegen l Mit den ersten freien Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 begann für die Kommunen im späteren Sachsen-Anhalt ein neues Zeitalter - eine Zeit mit vielen Umbrüchen. Altgewohntes war seit der Grenzöffnung im November 1989 schon längst nicht mehr aktuell. Die schwierige Phase der Wiedervereinigung war in vollem Gange. In dieser Zeit fanden sich viele engagierte Frauen und Männer, die die neue Gesellschaft mit gestalten wollten, die in der Kommunalpolitik aktiv tätig werden wollten, um die Basis für den Aufbau eines demokratischen Gemeinwesens zu schaffen. Die Zeit war gekennzeichnet von Aufbruchstimmung, Hoffnung, Träumen und Wünschen. Kurzum: es war eine spannende Zeit, die allerdings auch so manche schmerzhafte Erfahrung mit sich brachte, beispielsweise den Verlust von Arbeitsplätzen nach der Umstrukturierung der gesamten Wirtschaft - als volkseigene Betriebe in Privatunternehmen umgewandelt oder ganz und gar geschlossen wurden, als die LPG aufgelöst und auch die Landwirtschaft privatisiert wurde.

Die Kommunalwahlen am 6. Mai 1990 waren praktisch der Beginn einer neuen Gesellschaft, und für die DDR-Bürger waren es die ersten freien Wahlen seit 1946. Gewählt wurden neue Gemeinde-, Stadt- und Landkreisparlamente. Die CDU war damals deutlicher Wahlsieger gefolgt von der SPD. Auch in Gardelegen, in der Stadtverordnetenversammlung und im Gardeleger Kreistag. Im letzteren hatte die CDU 20 Mandate, die SPD 11, die PDS sechs und die Liberalen sechs Mandate. Angetreten waren damals unter anderem auch die Volkssolidarität, der Bauernverband, der Demokratische Aufbruch und der Kulturbund.

Die Gardeleger Volksstimme-Redaktion sprach mit Zeitzeugen über ihre Motivation, damals in die Kommunalpolitik zu gehen, über ihre Ziele und Wünsche, welche Erinnerungen sie mit diesen Wahlen verbinden und wie sie aus heutiger Sicht das Ganze einschätzen. Was wurde erreicht, welche Vorstellungen und Ziele wurden nicht erfüllt.