Die Alten Herren der Fußballsektion des VfL Kalbe erhalten eine neue Trainingsausrüstung. Der erste, dem gestern Vormittag ein kompletter Anzug übergeben wurde, war Bernd Wede. Und das, obwohl er seit seinem schweren Sportunfall im Jahr 2003 nicht mehr aktiv mitspielen kann.

Kalbe. "Der Bernd gehört auch nach seinem Unfall weiter zu uns." Für Bernd Ostwald, der für die Alten Herren des VfL Kalbe eine neue Trainingsausstattung besorgt hat, ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Bernd Wede einen der 30 rot-schwarzen Sportanzüge erhält. Auch wenn er seit mehr als sieben Jahren nicht mehr auf dem Fußballplatz stehen kann. Der 48-Jährige sitzt im Rollstuhl.

Dennoch ist er nach wie vor ein begeistertes Mitglied der Altherrenriege, verfolgt die Spiele seiner Freunde. Auch wenn diese sich außerhalb des Fußballfeldes treffen, zum Beispiel bei runden Geburtstagen, darf Bernd Wede nicht fehlen. Was fehlt, ist jedoch sein Gitarrenspiel, wie Oswald sagt. Denn Bernd Wede galt immer auch als Stimmungsmacher der Alten Herren.

Das war auf dem Fußballplatz nicht anders. Bis zum 22. November 2003. Damals spielten die Kalbenser Fußballer in Saalfeld. Bernd Wede brachte die Alten Herren mit einem Tor in Führung. Dann traf ihn ein Ball am Kopf – und warf den Kalbenser aus seinem gewohnten Leben. Denn er erlitt eine schwere Hirnverletzung, musste sich nach der Akutbehandlung im Krankenhaus einer langwierigen RehaMaßnahme unterziehen. In dieser Zeit waren es die Vereins- kameraden vom VfL Kalbe, die seiner Frau und seinen Töchtern halfen. Die Sportler packten mit an, als es darum ging, das Haus von Familie Wede behindertengerecht umzubauen. Denn es war mittlerweile klar, dass ihr Sportsfreund Bernd körperlich schwer gehandicapt bleiben würde.

Aber geistig ist er aktiv wie eh und je. Er kennt sämtliche Fußballergebnisse aus dem Effeff. Nicht nur die des VfL Kalbe, sondern auch die der Wölfe. Spätestens, seit die Wolfsburger Profikicker am 1. Mai 2007 in der Milde-Stadt zu einem Benefizspiel gegen die erste Männermannschaft des VfL Kalbe antraten und der Erlös der Familie Wede zugute kam, haben sie einen Fan mehr. Bernd Wede ist stolzer Besitzer einer Dauerkarte für die VW-Arena. Er hat sich natürlich auch das jüngste Spiel, das am 29. Januar 2011 dort stattfand, live im Stadion angesehen. Und sein Freund Bernd Ostwald war dabei an seiner Seite.

Das wird auch am morgigen Sonnabend wieder der Fall sein, wenn die Wölfe gegen die Spieler des Hamburger SV antreten. Nicht nur die beiden Kalbenser hoffen dann, dass das Team von Neu-Trainer Pierre Littbarski besser abschneidet als vor zwei Wochen gegen Dortmund. Da nämlich gingen die Wölfe mit 0 : 3 jämmerlich unter.

Untergehen wird das Zusammengehörigkeitsgefühl, das es zwischen den Alten Herren des VfL Kalbe und Bernd Wede gibt, hingegen nicht. Da ist sich Bernd Ostwald ganz sicher. Er besucht seinen Freund nämlich nicht nur, wenn es neue Trainingsanzüge zu verteilen gibt. Jede Woche klingelt er an der Tür von Familie Wede und erkundigt sich, wie es steht.

So erfuhr er im vergangenen Jahr auch, dass Bernd Wede sein Haus unbedingt mal wieder mit neuer Holzschutzfarbe versehen lassen wollte. Noch bevor dieser irgendwelche Aufträge auslösen konnte, trommelte sein Freund Bernd Ostwald heimlich die Alten Herren zusammen. Und so konnte am 11. September 2010 ein großer Arbeitseinsatz gestartet werden, an dem sich auch einige Nachbarn von Bernd Wede beteiligten. Und das nicht nur, weil sie mit ihm eine Bundesliga-Tippgemeinschaft gebildet haben, bei der es natürlich der 48-Jährige ist, der genauestens Buch führt. Nicht umsonst steht auf einem seiner Lieblings-Shirts der Satz "Die Jungs brauchen mich jetzt".

Das Shirt übrigens trug Bernd Wede auch gestern bei der Anprobe des neuen Trainingsanzuges. Insgesamt haben die Alten Herren 30 Stück davon erhalten. Das Gros der Investitionssumme von knapp 1 500 Euro hat Reiner Banse, Chef eines Kalbenser Autohauses, zur Verfügung gestellt.