Sieben Freiwillige helfen im Johanniterhaus Rieseberg mit. Sie sprechen mit den Bewohnern, gehen für sie einkaufen, reichen Essen und entlasten so das Pflegepersonal.

Gardelegen. Viele Altenpfleger sind häufig unter Druck. Sie müssen zu ihrem nächsten Kunden. Es bleibt kaum die Zeit für ein persönliches Gespräch. Besonders schlimm ist dies für Senioren, die keine Angehörigen mehr haben oder deren Verwandte kaum Zeit für sie finden.

Im Gareleger Johanniterhaus Rieseberg helfen deswegen sieben Freiwillige bei alltäglichen Aufgaben mit. Sie kümmern sich um die Senioren - ehrenamtlich. Eine von ihnen ist Manuela Aljija. Die 45-Jährige hat sich lange selber um die eigene Oma Elfriede Stolzki gekümmert. Sie lebte bis zu ihrem Tod im September 2010 im Pfarrer-Franz-Haus der Johanniter.

"Das hat mich geprägt", erzählt Manuela Aljija. Von Montag bis Donnerstag ist sie drei Stunden am Vormittag für die Senioren da. Die Gardelegerin geht mit ihnen zum Arzt, erledigt Einkäufe und reicht ihnen Essen und Trinken. Und was besonders wichtig ist: Sie findet stets Zeit für ein persönliches Gespräch und hat ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte. "Die Senioren erzählen häufig, dass ihnen der Alltag immer schwerer fällt, weil die Beweglichkeit nicht mehr da ist."

Manuela Aljija hat zuvor mehrere Praktika bei den Johannitern gemacht. Dies war im Rahmen von Maßnahmen, die über das Arbeitsamt vermittelt worden waren. Anschließend beschloss sie, weiter zu machen, weiter zu helfen - genau wie Dorothea Kowatsch. Die gelernte Verkäuferin war zuvor fünf Jahre arbeitslos. Für sie sei es ein gutes Gefühl, gebraucht zu werden. Denn ihre Eltern sind bereits gestorben. "Was ich ihnen nicht mehr geben kann, möchte ich den Herrschaften geben", sagt sie. Und das Schönste für sie ist: "Die Senioren geben soviel zurück." Eine Umarmung oder ein Küsschen auf die Wange.

Auch Monika Richter gehört zu den Freiwilligen. Sie macht Besuchsdienst bei drei Bewohnern. "Es ist wichtig, dass ihnen jemand zuhört und dass man in dem Moment nur für sie da ist", erzählt Richter. Eine ihrer Senioren ist 96 Jahre alt und blind. "Aber sie ist sehr interessiert. Ich lese ihr aus der Volksstimme vor, und wir reden über Gott und die Welt."

"Sie haben viel von sich gegeben, um den Alltag der Alten schöner zu machen", sagt Leiterin Ramona Bierstedt über die Hilfe der Ehrenamtlichen. "Das ist toll und lobenswert. Davor ziehe ich den Hut", bedankt sie sich.

Auch Hildegard Siegel vom sozialen Dienst ist angetan von den Helfern. "Sie sind motiviert, und ich kann mich auf sie verlassen." Zum Dank gab\'s Anfang des Monats einen Blumenstrauß. Und wenn das Haus neue Pflegehilfskräfte brauche oder zusätzliche Betreuer für den Demenzbereich, "werden wir die Ehrenamtlichen berücksichtigen", sagt Bierstedt. Dies sei auch schon vorgekommen.

"Die Mitarbeiter entlasten unser Pflegepersonal. Sonst könnten unsere Bewohner nicht so intensiv begleitet werden", sagt Bierstedt.

Und die Bewohner freuen sich besonders, wenn Manuela Aljija von ihren Kindern von der Arbeit abgeholt wird. Dann bekommen Melanie und ihre Schwester Melinda meist ein paar Süßigkeiten.

Doch es gibt auch Momente, wo die Helfer selber Hilfe brauchen. Denn die Probleme der Bewohner beschäftigen sie auch manchmal noch zuhause und gehen ihnen nahe. "In solchen Fällen helfen meist Gespräche weiter", erzählt Bierstedt. Und auch wenn die betreuten Menschen irgendwann sterben, kann es für die Helfer schwierig sein. Diese Situation kennt auch Monika Richter. "Das fällt nicht leicht, loszulassen", erinnert sie sich an eine Frau, die sie betreute. Zu ihr habe sie ihn sehr inniges Verhältnis aufgebaut gehabt.