Gardelegen. Zerkratzte und beschmierte Scheiben, aufgeschlitzte Sitze, gestohlener Nothammer, aber auch Geschubse und Lärm während der Fahrt und Vandalismus an den Haltestellen - Szenarien, wie sie im Schülerverkehr immer mal wieder vorkommen. Die sich aber verringern oder sogar vermeiden ließen - mit sogenannten Schulbusbegleitern. Dieses Projekt läuft seit einiger Zeit erfolgreich im Burgenlandkreis. Als Ende 2008 in einem ADAC-Test der Buslinien in Deutschland die dortige zu denen auf den hintersten Plätzen gehörte, wurde das Projekt initiiert. Unter dem Titel "Sicher mit dem Bus zur Schule - Busbegleitung durch Schülerinnen und Schüler" wird es seit 2009 unter Leitung der Koordinierungsstelle für Kinder, Eltern und Großeltern (KEG) umgesetzt. Nach dem großen Erfolg im Süden des Landes sollen nun auch in anderen Landkreisen Sachsen-Anhalts Schulbusbegleiter ausgebildet werden.

Zum Beispiel im Altmarkkreis Salzwedel im Bereich Gardelegen. Darum hatten die CDU-Stadtratsfraktion und der CDU-Stadtverband für Mittwochabend zu einem Informationsabend eingeladen. "Wir wollen diese Idee gern aufgreifen", sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende, Jörg Gebur, zur Begrüßung im Wirtshaus. Eineinhalb Stunde später und nach vielen positiven Reaktionen kündigte er den nächsten Schritt an: die Suche nach Sponsoren.

Zuvor hatten der Vorsitzende des Landeselternrates, Karsten Bucksch, und Präventionstrainer Michael Jacob das Projekt vorgestellt. Angesprochen werden Schüler ab der siebten Klasse der Sekundar- und Förderschulen, ab der achten Klasse der Gymnasien sowie Berufsschüler, die mit dem Bus zur Schule fahren. Während der etwa 24 Stunden umfassenden Ausbildung stehen Präventionstraining, Erste Hilfe, rechtliche Grundlagen, richtiges Verhalten an Haltestellen sowie eine praktische Ausbildung mit Busbesichtigung, Rollenspielen und Situationsdarstellungen auf dem Programm. Die Schulbusbegleiter sollen sich bei Konflikten und Problemen einschalten, sollen vermitteln, schlichten oder Hilfe organisieren. Sie sollen die Schulwegsicherheit verbessern. Die Teilnahme hat für die Schüler aber noch andere Vorteile, unter anderem die Stärkung sozialer Kompetenzen wie Teamgeist, Selbstbewusstsein und Disziplin.

"Die Schüler wollen etwas verändern", berichtete Karsten Bucksch über die große Zahl an Interessenten. Bisher seien 175 Mädchen und Jungen ausgebildet worden, von denen aktuell etwa 100 im Einsatz als Schulbusbegleiter sind. "Nach der Ausbildung entscheiden die Schüler selbst, wer im Team mit dabei ist", so Bucksch. Bisher gebe es keine Unterstützung vom Land, aber dank Sponsoren konnte das Projekt umgesetzt werden - und das soll es nun auch in anderen Kreisen.

Hauptziel des Projektes sei es, so Präventionstrainer Michael Jacob, dass die Schüler lernen, mit anderen respektvoll zu reden. "Es soll aber keiner den Helden spielen und zu Schaden kommen", so Jacob.

Bei den Anwesenden stieß die Idee auf positive Resonanz. Unter anderem bei Claus Riehn, Geschäftsführer der Personenverkehrsgesellschaft Altmarkkreis Salzwedel (PVGS). "Wir würden das Projekt auf jeden Fall unterstützen. Wir hätten nichts gegen Schulbusbegleiter", sagte er. Denn es könnten immer noch Dinge verbessert werden, so Riehn. Große Probleme gebe es aber nicht, "in all den Jahren kam nur sehr wenig vor". "Besondere Vorkommnisse" habe es nicht gegeben, auch keinen "riesengroßen Vandalismus", sagte er. Täglich würden zirka 5000 Fahrschüler befördert, rund 100 Busse bedienen 59 Schulen im Altmarkkreis. Die PVGS sei bemüht, kurze Wartezeiten zu schaffen. "Denn dann bleibt keine Zeit, an den Haltestellen etwas zu zerstören", sagte Riehn. Seit Jahren habe das Unternehmen mit Erfolg Erwachsene als Schulbusbegleiter im Einsatz. Sollten irgendwo Probleme auftreten, werden sie dort verstärkt eingesetzt, so Riehn. Zudem würden die Fahrer bei Problemen die Polizei rufen.

Auch Gardelegens Gymnasiumsleiter Dietmar Collatz steht der Idee der Schulbusbegleiter offen gegenüber. Er könnte sich vorstellen, dass dieses Projekt verbunden wird mit den Streitschlichtern, die es seit vier Jahren am Gymnasium gibt. Dann dürfte es mit der finanziellen Förderung vielleicht auch einfacher werden. Ulla Schulze, Leiterin der Sekundarschule Am Drömling Mieste, sieht im Schülerverkehr "nicht die großen Probleme". An ihrer Schule gebe es Aufsichtspersonen bis zur Busabfahrt. Zum Projekt sagte sie: "Ich bin da geteilter Meinung."

Gerd Weber vom Kreisschulamt sagte seitens des Altmarkkreises "100 Prozent Unterstützung" zu. Als Schulbusbegleiter sollten aber Schüler ausgewählt werden, die möglichst die gesamte Strecke mit dem Bus fahren und nicht schon an der ersten Haltestelle aussteigen. Mitwirken sollten die Schulen am Projekt, "aber es darf nicht zur Belastung für die Schule werden", so Weber. Darum sollte das Projekt von den Initiatoren auch nach der Erstausbildung begleitet werden.

Die CDU-Stadträte Andreas Brendtner und Kai-Michael Neubüser plädierten für die Übernahme des Projektes, weil es die sozialen Kompetenzen der Schüler fördere. Klaus-Dieter Middelhoff, Vorsitzender der Kreiselternrates, sagte: "Es ist wichtig, dass wir Verantwortung auf breite Schultern verteilen. Dieses Projekt bindet Kinder ein, und wir wollen den Kindern beibringen, sich zu engagieren."