Hilda Mühlmann und Dorothea Chelvier aus Letzlingen sind stolz auf ihre Kirche, die Letzlinger Schlosskirche. Deshalb haben sie sich in den Dienst der Kirche gestellt. Sie führen Besucher durch das Gotteshaus, das einst nach königlichen Plänen hin errichtet wurde.

Letzlingen. "Das Schönste ist der Dank der Menschen", sagte gestern Dorothea Chelvier aus Letzlingen. Die 58-Jährige führt seit vielen Jahren Besuchergruppen durch die Schlosskirche und beaufsichtigt die Kirche sonntags während der Öffnungszeiten. Und wenn sie den Besuchern dann aus der Geschichte berichtet hat und sie sagen, wie schön das gewesen sei, dann ist das für Dorothea Chelvier Dank genug.

Insgesamt hat sie bereits etwa 30Besuchergruppen durch die Schlosskirche geführt, die 1857 auf Initiative des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV. gebaut wurde. Ein kurzer geschichtlicher Abriss über die Kirche gehört dazu. Aber vor allem mit kleinen Anekdoten weckt Chelvier das Interesse der Besucher. So berichtete sie, dass die Kirche zu DDR-Zeiten in einen sehr schlechten Zustand geraten war. "Damals hat sich ja niemand darum gekümmert", sagte sie. Und wenn in der Kirche Gottesdienste gefeiert wurden, waren Vögel Zaungäste, die durch die kaputten Fenster in die Schlosskirche kamen und auch manche Predigt mit ihrem Gezwitscher unterbrochen hätten.

Chelvier hat sich aus einem ganz einfachen Grund dafür entschieden, die Schlosskirche Besuchergruppen zu zeigen: "Ich wollte etwas für mein Heimatdorf tun." Denn sie sei in Letzlingen aufgewachsen, dort in den Kindergarten und in die Schule gegangen und nach ihrem Studium wieder nach Letzlingen zurückgekehrt. Inzwischen unterrichtet Chelvier am Gardeleger Geschwister-Scholl-Gymnasium Deutsch und Geschichte.

"Ich mache es ehrenamtlich und ich mache es gern"

Zunächst war Chelvier Mitglied im Heimatverein und auch im Schützenverein. Aber "da ich nicht so ein Herdentier bin und lieber mein eigenes Ding mache, habe ich mich in die Geschichte der Schlosskirche eingelesen", berichtete sie. Dann kamen die ersten Anfragen von Besuchergruppen, und seither hat sie darin eine schöne Freizeitbeschäftigung gefunden. Kurioses und Schönes hat sie während der Zeit erlebt.

Einmal habe sie einen Chor durch die Kirche geführt und von der tollen Akkustik der Schlosskirche erzählt. Daraufhin hätten sich die 40 Sängerinnen und Sänger vor dem Altar postiert und gesungen. "Und ich war der einzige Zuschauer", erzählte Chelvier. "Das war eigentlich das schönste Erlebnis", sagte sie gestern. Ein weiteres Mal sei sie mit einem netten Herrn ins Gespräch gekommen, der ihr half, nach 30 Jahren eine ehemalige Klassenkameradin wiederzufinden. Viele Besucher wollten sich bei Chelvier mit Geld für die Führung erkenntlich zeigen. Das aber lehne Chelvier stets ab. "Ich mache es ehrenamtlich, und ich mache es gern", begrün-dete sie.

Auf die Kirche ist Chelvier richtig stolz, ebenso wie Hilda Mühlmann. Mit 85 Jahren ist Hilda Mühlmann eine der ältesten Frauen, die die Schlosskirche beaufsichtigen. Wenn sie von der Kirche erzählt, gerät sie richtig ins Schwärmen und lobt auch Pfarrer Gerd Hinke, der sich nach der Wende für die Sanierung der Kirche eingesetzt hat. "Er hat ein schweres Erbe angenommen, aber er hat etwas daraus gemacht", sagte Mühlmann. Richtige Führungen durch die Kirche bietet sie nicht an. Aber wenn die Kirche sonntags geöffnet ist, dann übernimmt sie häufig die Aufsicht. Ihr Mann sei schon vor 18 Jahren verstorben und sonntags sei sie meistens allein. Die Aufsicht sei da eine gut Aufgabe. Da treffe sie nette Menschen und komme mit ihnen ins Gespräch. Und die Fragen, die die Besucher zur Kirche stellten, seien nicht schwer zu beantworten, sagte sie. Hilda Mühlmann kann sich noch gut an den Klang der alten Glocken aus dem Jahr 1871 erinnern, die inzwischen aber in einer kleinen Gedenkecke neben dem Altarbereich stehen und nicht mehr läuten. Denn für das elektrisch betriebene Geläut seien sie zu schwer gewesen. "Da haben die Türme gewackelt", erzählte Mühlmann. Deshalb wurden neue Glocken gefertigt.

"Er hat ein schweres Erbe angenommen"

Neben Chelvier und Mühlmann halfen noch sechs weitere Personen des Fördervereines Schlosskirche Letzlingen, die Kirche für Besucher zu öffnen. Aber mancher könne das nicht mehr, berichteten Mühlmann und Chelvier, so dass die Frauen eigentlich Zuwachs bräuchten. Das zeigen auch die Listen, in denen sich die Ehrenamtlichen stundenweise für die Aufsicht in der Kirche eingetragen hatten. Bislang sehen sie noch recht leer aus. Sie würden sich freuen, wenn sich weitere Menschen fänden, die die Schlosskirche für Besucher zugänglich machen wollen. Wer Interesse hat, kann sich bei Pfarrer Gerd Hinke aus Letzlingen unter der Rufnummer (03 90 88) 2 45 melden.

In die Kirche sind inzwischen zwar Glastüren eingebaut worden, so dass die Besucher, wenn die Kirche nicht geöffnet ist, zumindest hineinschauen können. "Aber es ist ein himmelweiter Unterschied, ob man nur hineinschaut oder hineingeht", sagte Chelvier und erntete Zustimmung von Mühlmann.

 

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