Ostergrüße an die Volksstimme-Leser aus Neuseeland senden die Weltenbummler Elly Kern und Thomas Dietert. Heute berichten sie, wie sie die Feiertage am anderen Ende der Welt begehen werden.

Genthin (spö) l "Wenn es in der Heimat zu den traditionell umliegenden Osterfeuern bei Glühwein, Bratwurst und hoffentlich einem schneefreien Wochenende geht, sitzen wir wohl noch auf dem Sattel. Wir machen uns auf den Weg, die letzten hundert Kilometer Rad zu fahren. Wir haben unseren Dienst im Norden der Südinsel als fleißige Obstpflücker für gut vier Wochen absolviert. Die Welt ist versorgt mit 40 Tonnen Birnen und 20 Tonnen Äpfel - und wir sind wieder bereit für Abenteuer ... Unsere Route führte uns wieder an die Ostküste. Uns erwischten zwei Tage Dauerregen. Im leicht gefluteten Zelt verbringen wir die Tage mit viel Schlaf. Aber dann noch einmal durchatmen und motivieren, bevor es von Blenheim aus nach Süden geht.

Knapp 1000 Kilometer liegen für diese letzte Strecke vor uns. In diese Zeit fällt dann auch das Osterfest. Weniger traditionell, aber dennoch spektakulär feiern die Neuseeländer dieses Fest. Es stehen wieder Familientreffen und Ausflüge im Vordergrund. Aber anstatt Eiertrudeln und wärmende Feuer gibt es Flugshows, Motorrennen, Bullenreiten, für die an den Straßenrändern mit großen Schildern geworben wird. Und eine weit verbreitete Eigenheit gibt es über die Feiertage morgens zum Frühstück. Anstatt Eier zu färben, ist man darauf bedacht, schon frühzeitig seine Bestellung beim Bäcker aufzugeben, denn ohne ¿Hot Cross Buns\', das sind warme Schokobrötchen mit Rosinen und einem Glasurkreuz, ist Ostern nicht komplett.

Wir werden uns von den Feierlichkeiten und Traditionen etwas fern halten und unserem Tourende entgegen radeln. Aber nichtsdestotrotz haben wir ein Hauch von Heimat. Unser guter Freund Hagen Pieper, ein gebürtiger Redekiner, ist aus Potsdam angereist, um im Rahmen seiner Doktorarbeit Daten zu sammeln. Er hat uns besucht, und wir haben ein freudiges Wiedersehen genossen, nachdem er schon bei der Abfahrt in Ulm mit dabei war.

Inzwischen sind wir durch die von dem Erdbeben 2010 in Mitleidenschaft gezogene Großstadt Christchurch gefahren. Obwohl das Ereignis fast drei Jahre zurückliegt, sind in der Stadt noch viele Trümmer zu sehen. Der Stadtkern ist gesperrt, viele Häuser sind verlassen und Läden müssen vorübergehend in Containern ihre Ware anbieten. Ein eigenartiger Eindruck. Zu den Highlights der vergangenen Tage an der Ostküste gehören die Seelöwen-Kolonien, die sich mit ihren Babys am Uferrand sonnen. Teilweise klettern sie bis zur Leitplanke herauf, so, dass wir sie aus nächster Nähe sehen können. Hunderte von Delfinen begleiten uns zu unserer Linken entlang der Küste, während wir zur rechten Seite einen weiten Blick auf die südlichen Alpen geniessen. Mittlerweile wird es herbstlich, die ersten Blätter verfärben sich und die Temperaturen der Nächte gehen runter bis auf zehn Grad. Wir ziehen uns einen Pullover mehr an, um nicht im Zelt zu frieren. Am Tage fahren wir aber dennoch im Sonnenschein und gut 20 Grad die etwas angenehmeren und flacheren Etappen."

 

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