Kamele, die mit Ponys tanzen; ein Clown, der mit Kegeln jongliert und Ziegen, die über ein Hausrind hopsen: Der Zirkus Humberto gastierte am Wochenende in Genthin. Vier Vorstellungen spielte das Team auf der Festwiese am Stadtkulturhaus.

Genthin l Im Zirkuszelt läuft Musik, das Licht ist gedämpft. Es riecht nach Heu und Pferd. "Gleich muss es doch anfangen", flüstert ein kleines Mädchen gespannt.

Richtig. Die Zelttüren werden geschlossen, es geht los. Zwei junge Männer rennen in die Manege und räumen die Unterlage vom Boden. "Wenn die das wegnehmen, kommen jetzt bestimmt Tiere", vermutet das Mädchen aus der ersten Reihe. Wieder richtig. Vier Rappen, geschmückt mit weißem Zaumzeug und Federn auf den Köpfen, schreiten in die Manege. Zirkusdirektor Joschi Ortmann zeigt eine Freiheitsdressur. Gefüllt mit vier großen Pferden wirkt die Manege auf einmal recht klein. "Hoffentlich rennen die sich nicht um", sagt ein Junge ängstlich. Nein. Joschi Ortmann hat die Sache im Griff. Die Pferde bewegen sich elegant zur Musik und verlassen zum Beifall der Besucher die Manege.

Die wird sofort von einem Clown in Beschlag genommen. Der jongliert mit Kegeln und bekommt dabei schon mal einen auf den Kopf. Schadenfreude ist die schönste Freude, begeisteres Kinderlachen schallt dem Tollpatsch entgegen. Höhepunkte der Show sind die Artisten. Romina an den Tüchern zum Beispiel. In einem schicken Glitzerkostüm zeigt sie in schwindelerregender Höhe ihre Kunststücke.

Hoch hinaus geht es auch für Gino Ortmann. Der 26-Jährige ist Luftartist. Er zeigt Krafttricks an den Strapaten. Das sind zwei etwa drei Meter lange Bänder, an denen Gino in zehn Metern Höhe kraftvolle Kunststücke vorführt. Nicht nur die Kinder halten jetzt die Luft an.

"Kraft ist ganz wichtig für diese Nummer", erklärt Gino nach der Show. Darum trainiert er täglich mindestens eine Stunde. "Joggen, Liegestütze, Klimmzüge", zählt er auf. "Ohne Kondition geht gar nichts." Mit Kondition alleine auch nicht. Drei Jahre lang hat er die Artistenschule in Berlin besucht. Dort beginnen die Tage mit Laufen. Gino beschreibt die Abläufe: "Um 7 Uhr eine halbe Stunde joggen, von 9 bis 11 Uhr Schule, von 13 bis 18 Uhr Training." Jeden Tag. Das zahlt sich aus, die Nummer an den Strapaten klappt reibungslos. "Das kann man nicht ewig machen", sagt Gino. Spätestens mit 35 mache der Körper das nicht mehr mit. Und dann? "Ich habe ja noch die Ziegendressur", sagt der Artist gut gelaunt.

Richtig. Die bayrischen Bergziegen, die ihre Kunststücke zusammen mit Hausrind Bubi zeigen, zaubern den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht.

Im Zirkuszelt geht die Musik aus, das Licht erlischt. "Zu Ende?", kommt es enttäuscht aus Reihe eins. Zu Ende. Bis zur nächsten Vorstellung.

   

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