Güsen l Die Erzieherinnen zahlreicher anderer Kitas haben diese Qualifizierung schon absolviert, und bei den Güsenern hat es nun auch endlich geklappt. Dass es nach den aufregenden Jahren des Kita-Neubaus mit anschließendem Umzug sowie der Schulsanierung mit zeitweiser Auslagerung des Horts hier etwas später soweit war, ist nicht verwunderlich. Die Bereitschaft dazuzulernen, Offenheit für Neues - das sei bei allen Mitarbeiterinnen gegeben, betonte Kita-Leiterin Uta Biedermann.

Die 100-Stunden-Qualifizierung im Rahmen des Programms "Bildung elementar - Bildung von Anfang an" wird vom Land Sachsen-Anhalt aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Die Qualifizierung gliedert sich in sechs Module zu verschiedenen Themen. Teilweise haben die Erzieherinnen dabei "die Schulbank gedrückt", teilweise gestaltete sich die Fortbildung aber auch sehr lebendig, indem die Referentin vor Ort in die Güsener Kita und den Hort kam, den Erzieherinnen "über die Schulter" schaute, mit den Kindern sprach, oder indem sich die Erzieherinnen andere Einrichtungen angeschaut und Vergleiche gezogen haben.

Referentin war Ramona Prudlik, die ansonsten selbst eine Kita leitet und daher bestens "im Stoff steht".

Am Anfang haben sie und ihre Kolleginnen gedacht: "100 Stunden - oje!" gestand Kita-Leiterin Uta Biedermann. Immerhin ist das eine Menge Zeit, die alle zusätzlich zu ihrer Arbeitszeit einplanen mussten. Die beiden Schließtage des Jahres wurden dafür genutzt, es wurde abends auf der Schulbank gesessen und an Sonnabenden. Trotz der zusätzlichen Belastung habe es sich aber gelohnt. "Wir haben viel mitgenommen, aber auch viel Lob erfahren", betonte Uta Biedermann. Denn nicht selten bekamen sie zu hören: "Was wollen Sie denn, da sind Sie doch schon mit ihrer Einrichtung!" Es habe dem ganzen Team gut getan, eine solche Anerkennung zu erfahren.

Hortleiterin Katrin Schneider konnte sich dem nur anschließen, denn auch im Güsener Hort wird einiges anders gemacht, als man es von früher her kennt. Sie hatte die Hortleitung 2010 übernommen, blickte Katrin Schneider zurück. Bald danach erfolgte die zeitweise Auslagerung wegen der Schulsanierung, und in dieser Zeit sei auch das Konzept für die künftige Arbeit entstanden. Es habe damals schon festgestanden: Es sollte anders gearbeitet werden, nicht mehr klassenweise, nicht mehr mit der Hausaufgabenbetreuung im Vordergrund, sondern es sollte alles offener gestaltet werden und die Kinder sollten selbstständiger werden.

Vor dem Einzug in den neuen Räume wurden die Kinder auch gefragt, was sie möchten, wie sie die Räume gestalten wollen. Dann war zwei Jahre Zweit für die Startphase, bis das 100-Stunden-Programm begann. "Von den Kindern wurde das neue Konzept ganz toll aufgenommen!"

Ein Kernpunkt im Konzept sei es, die Kinder mit den Grundbegriffen der Demokratie vertraut zu machen: Sie sollen lernen, selbst Entscheidungen zu treffen und sich dabei der Mehrheit unterzuordnen. Auch in der Kita werde das schon auf verschiedene Weise vermittelt, fügte Uta Biedermann an.

Einig sind sich sowohl Kita- als auch Horterzieherinnen darin, dass all das nur so gut funktionieren kann, wenn die Erzieherinnen ein gutes Team bilden. Und das sei hier der Fall.

Bürgermeisterin Jutta Mannewitz bedankte sich bei den Erzieherinnen für ihr Engagement und betonte, dass die Erwartungshaltung, die die Gemeinde hatte, erfüllt worden sei. Sie unterstrich noch einmal, dass sie es als richtig ansehe, die Trägerschaft für die Kitas an die Johanniter-Unfallhilfe abgegeben zu haben. "Sie haben hier eine Qualität erreicht, die wir nicht hätten erreichen können!" Sie betonte: "Die Hüllen wurden geschaffen baulicherseit, und Sie haben sie lebendig gemacht."