Am vergangenen Sonnabend fand in der Gemeinde Elbe-Parey die Abnahme der Winterfestmachung in den sieben Ortsfeuerwehren beziehungsweise acht Gerätehäusern (mit Neuderben) statt. Fazit: Das Niveau ist insgesamt um ein Vielfaches besser als noch vor einigen Jahren. Probleme gibt es trotzdem.

Elbe-Parey l Angefangen in Zerben ging es über Hohenseeden, Güsen, Parey, Bergzow, Neuderben und Derben nach Ferchland. Mit dabei waren neben Gemeindewehrleiter Dietmar Kohrt, Stellvertreter Steve Flügge, Bürgermeisterin Jutta Mannewitz und Michael Rindert als zuständigem Mitarbeiter im Gemeindeamt auch einige Gemeinderäte, Ortschaftsräte und Ortsbürgermeister, einige jeweils nur bei ihren eigenen Ortsfeuerwehren. Auch Polizeioberkommissar Frank Lorenz nutzte in seiner neuen Funktion als Regionalbereichsbeamter die Gelegenheit, die Feuerwehren besser kennen zu lernen.

Dass etliche Räte und Ortsbürgermeister mit dabei waren, sei positiv, aber es hätten durchaus noch einige mehr sein können, meinen Dietmar Kohrt und Steve Flügge. Denn die Räte sind es, die über Anträge der Feuerwehr zur Beschaffung von Ausrüstung, Baumaßnahmen und anderes entscheiden. Und dazu müssen sie Bescheid wissen.

Die Ausstattung der Wehren mit Ausrüstung sei im Großen und Ganzen schon sehr gut, denn in den vergangenen Jahren sei durch die Gemeinde viel angeschafft worden, bekräftigen Kohrt und Flügge. Jetzt werde noch ein Lüfter angeschafft, der auf dem Bergzower Fahrzeug stationiert werden soll. Dieser sei vor allem für Einsätze in Biogasanlagen gedacht.

Einige kleinere Sachen seien bei einer Begehung mit der Feuerwehrunfallkasse vor kurzem festgestellt worden, zum Beispiel müssen an den Zugängen der Lagerböden Sicherheitsgitter angebaut werden.

Das Hauptproblem aber sei das Feuerwehrgerätehaus in Parey. Hier ist mittlerweile jedes "Flickwerk" Geldverschwendung. Schon seit Jahren ist ein Neubau im Gespräch auch der Standort steht schon fest: Das Gelände des früheren Kindergartens im "Lustgarten".

Gerätehaus-Neubau in Parey dringend notwendig

Dietmar Kohrt beschönigt nichts: "Das Gerätehaus entspricht keiner Norm mehr!" Und er fügt an: "Von den Kameraden wird das Beste daraus gemacht!" Ortswehrleiter Jens Klinkowski zeigte eine rote Markierung an der Wand der Garage: Bis dahin dürfe der Spiegel des Fahrzeugs beim Rückwärtseinparken, sonst kracht es. Es ist Millimeterarbeit, und für einen Einweiser reicht der Platz schon gar nicht.

Die zu enge Garage ist aber nicht das einzige Problem in Parey. Die Liste ist lang. Ganz offensichtlich für jeden Bürger ist zudem, dass die großen Fahrzeuge beim Rausfahren gleich auf der Straße stehen - auf einer Straße mit viel Verkehr, unter anderem mit großen Fahrzeugen zum Kieswerk.

Das große Fahrzeug, einen TSFW mit 750 Litern Wasser an Bord, hat Jens Klinkowski am Tag der Winterfestmachung nicht ganz herausgefahren, um nicht auf der Straße zu stehen, aber doch das Betreten der Garage zu ermöglichen. Hinten hat er das Fahrzeug geöffnet und zeigt ein defektes Strahlrohr sowie die Schäden am Fahrzeug, die durch den ständigen Wasseraustritt entstanden sind.

Dieses Fahrzeug ist nach dem Güsener und Hohenseedener das mit dem drittgrößten Wassertank, erklärt Dietmar Kohrt. Aber es ist nicht mehr das jüngste und braucht deshalb einen komplett neuen Aufbau. Das wäre mit 15 000 bis 20 000 Euro zu machen. "Es bringt hier nichts, zu stückeln", betont er und lehnt es deshalb ab, schnell mal nur ein neues Strahlrohr zu kaufen.

Dieses Jahr werde es freilich nichts mehr, aber in der Feuerwehrplanung für nächstes Jahr sei der Aufbau dieses Fahrzeugs enthalten. Utopie wäre es, statt dessen ein neues Fahrzeug anschaffen zu wollen. Das wäre um ein Vielfaches teurer.

Mehr Geld in die Hand genommen werden muss aber so schnell wie möglich für den Neubau des Gerätehauses in Parey. Das geht natürlich nicht ohne Fördermittel. Und die müssen bis März eines Jahres beantragt werden. Das sei dieses Jahr wieder nicht geschehen, weiß die Pareyer Ortsbürgermeisterin Nicole Golz und kennt auch den Grund: Erst muss die Risikoanalyse für die Gemeinde vorliegen.

Risikoanalyse noch immer nicht abgeschlossen

Die ist zwar schon seit Jahren in Arbeit, geht aber zwischen Gemeindeamt, Planungsbüro und Landkreis immer hin und her. Zur Zeit liege sie bei der Gemeinde, weiß Dietmar Kohrt. Immer wieder werde geändert und aktualisiert, aber bisher wurde noch kein Schlussstrich gezogen. Für die Beantragung von Fördermitteln sei die Risikoanalyse aber Grundlage.

Dietmar Kohrt und Steve Flügge sehen die Dringlichkeit für den Gerätehaus-Neubau nicht nur im Zusammenhand mit der Pareyer Ortsfeuerwehr. "Parey ist der größte und der zentrale Ort der Gemeinde. Wir wollen das Gerätehaus so planen, dass es auch als Bildungs- und Technikzentrum für alle Elbe-Pareyer Feuerwehren genutzt werden kann."

Neubau mit zentralen Funktionen für Elbe-Parey

Angedacht seien eine Waschhalle für die Pflege der Feuerwehrfahrzeuge, ein Sozialtrakt, zwei Schulungsräume, die zu einem großen zusammengelegt werden können, um auch größere, zentrale Bildungsveranstaltungen zu ermöglichen. Auch ein Raum für die Jugendfeuerwehr sowie ein Stabsraum sollten dabei sein.

Des weiteren sei ein zentrales Schlauchlager für die Gemeinde geplant, damit nicht jede Ortsfeuerwehr die gebrauchten Schläuche bei sich unterbringen muss. Vom Feuerwehrtechnischen Zentrum (FTZ) bräuchten die benutzten Schläuche dann nur noch an einem Standort abgeholt und gegen andere ersetzt werden.

Das Hauptproblem aller Ortsfeuerwehren sei aber das personelle Problem, wissen Kohrt und Flügge. "Es wird so kommen, dass sieben Feuerwehren zu einem Mülltonnenbrand ausrücken", spitzt Dietmar Kohrt die Situation zu. Tatsächlich seien werktags einzelne Ortsfeuerwehren nicht mehr in der Lage, eine Einsatzgruppe zusammen zu bekommen. Manchmal sind nur noch ein, zwei Kameraden pro Wehr vor Ort, weil die meisten außerhalb arbeiten.

Damit kommt auch wieder das Thema Motivation auf den Tisch - und die Frage, wie man neue Kameraden gewinnen kann. Immerhin sei die Pareyer Wehr, die jahrelang Sorgenkind der Gemeinde war, endlich wieder auf einem guten Weg. Man habe hier einen großen Sprung gemacht, lobte Dietmar Kohrt und bezog dies auch auf den neuen Ortswehrleiter Jens Klinkowski, der erst seit dem Frühjahr im Amt ist. Und auch der Stellvertreter könne demnächst berufen werden: Clemens Tischmacher habe inzwischen alle nötigen Qualifikationen beisammen.

 

Bilder