Für den Neubau einer Personenfähre für die Stadt Lübeck fand jetzt in der Schiffswerft Barthel in Derben die feierliche Kiellegung statt. Auftraggeber ist die "Stadtverkehr Lübeck GmbH". Im Mai soll die Fähre, die die 50 Jahre alte "Priwall IV" ersetzen wird, fertig sein.

Derben l Es wird eine Fähre, die aussieht wie ein Schiff und auch die Zulassung als Fahrgastschiff für die Zone II bekommen soll, erklärt Geschäftsführer Hermann Barthel. Die Werft habe nach einer öffentlichen Ausschreibung den Auftrag im August bekommen, und Ende September war Baubeginn. Das Schiff wird 24,98 Meter lang sein, 6,30 Meter breit, wird einen Tiefgang von 1,60 Metern haben, erhält einen Hauptantrieb von 120 kW und einen Schottel-Pumpjet als einen zweiten Antrieb (Bugstrahlruder) mit einer Leistung von 177 kW.

Zugelassen werden soll das Fährschiff für 190 Personen - wird also deutlich größer als das Vorgängerschiff mit 112 Plätzen sein. Zudem ist es behindertengerecht, bietet Plätze für Rollstuhlfahrer und die Möglichkeit, Fahrräder mitzunehmen, was auf der alten Fähre auch nicht möglich ist.

Der Auftraggeber, die "Stadtverkehr Lübeck GmbH", betreibt sowohl den Busverkehr in Lübeck als auch die Fähren über die Trave zum Priwall, und zwar ganzjährig die Autofähren und im Sommerhalbjahr die Personenfähre direkt an der Trave-Mündung. "Das ist die meistbefahrene Seeschifffahrtsstraße", erklärte Willi Nibbe, Geschäftsführer der Stadtverkehr Lübeck GmbH.

Die neue Personenfähre wird dringend benötigt, denn der Priwall, eine Halbinsel in der Travemündung, werde mit Feriendörfern erweitert.

Zusammen mit Willi Nibbe sind Andreas Meyer, Bereichsleiter Fähren, Projektingenieur Bernd Neumann und Schiffsführer Jörg Molzahn zur Kiellegung nach Derben gekommen.

"Dies ist die dritte feierliche Kiellegung seit 1990 auf unserer Werft, aber wir haben seitdem bereits 186 Schiffe gebaut", sagte Hermann Barthel bei der Kiellegung. Denn Kiellegungen werden nicht oft so feierlich begangen. Für die Werftmitarbeiter sei das aber schön, weil die Schiffstaufen meist nicht mehr hier, sondern in den Heimathäfen der Auftraggeber erfolgen.

Eine "echte" Kiellegung war es dann doch nicht, weil das Schiff aus technologischen Gründen "auf dem Kopf" gebaut wird. Statt dessen wurden ein vorbereitetes Schott angebaut, wobei beim Schweißen ein "Glückspfennig" mit eingebaut und anschließend die Schiffsnummer eingehauen wurde.

In der großen Halle liegen noch zwei weitere im Bau befindliche Schiffe: Es sind zwei Schiffe für die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, und zwar für den Rhein. Ein baugleiches aus diesem Auftrag wurde schon abgeliefert, berichtete Hermann Barthel. Insgesamt seien bereits neun solche Schiffe für den Rhein und vier für die Donau abgeliefert worden. Sie sind hier auf der Werft für den Einsatz auf frei fließenden Gewässern entwickelt worden: 20 Meter lang, 4,50 Meter breit und mit Antrieben von im Durchschnitt zweimal 320 kW.

Dass drei Schiffe überhaupt in die Halle passen, wurde erst durch den Anbau von 18 Metern möglich, der im August/September erfolgte. Die große Halle ist nun 74 Meter lang.

In der kleinen Halle befindet sich zur Zeit ein Aufsichtsschiff für den Hamburger Hafen. Es soll Ende Januar abgeliefert werden.

Noch "auf dem Papier" befindet sich ein weiterer Auftrag - ein Räumschiff für den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Es soll künftig eingesetzt werden, um die Emsmündung in die Nordsee schlickfrei zu halten. Weiterhin in der Planung ist ein Vermessungsschiff für Bremenports. Es soll nächsten Herbst fertig werden.

In der Werft Barthel sind derzeit 38 Mitarbeiter beschäftigt, zusätzlich werden verschiedene Zulieferer und Subauftragnehmer eingebunden.

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