35 ehemalige Genthiner Hansa-Group-Beschäftigte kamen zur gestrigen Auftkatveranstaltung der BOB Transfer GmbH ins TGZ. Die Transfergesellschaft mit Sitz in Essen soll laut Sozialplan 44 Arbeitnehmern wieder den Weg zum ersten Arbeitsmarkt ebnen.

Genthin l Geschäftigkeit gestern im TGZ an der Berliner Chaussee. Das Erstellen von Bewerbungsunterlagen, das Schreiben eines Lebenslaufes und das Anfertigen von Passbildern durch einen Fotografen standen zunächst auf dem Arbeitsplan. In wenigen Tagen werden Einzelgespräche zu beruflichen Perspektiven geführt, dann Kontakte zu Bildungsanbietern aufgenommen.

Gerhard Bednarek von der BOB Transfer GmbH hat die Zeit genutzt und bereits viele Unternehmen in der Region angeschrieben, um die ehemaligen Hansa-Mitarbeiter vermitteln zu können. "Hier handelt es sich um gut qualifizierte Menschen, die Berufserfahrung mitbringen und deren Erwerbsbiografie nicht durch Arbeitslosigkeit unterbrochen war", sagt er.

Ursprünglich sollten zum 1. Januar 58 Mitarbeiter in der Transfergesellschaft untergebracht sein. Auf den einen oder anderen Beschäftigten verzichtete die Hansa-Group dann doch nicht, einige wenige Mitarbeiter gehen inzwischen andere berufliche Wege. Zum 1. April stoßen weitere neun Kollegen zur Transfergesellschaft.

Zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft wurde im Sozialplan eine Verweildauer der Mitarbeiter in der Transfergesellschaft zwischen drei Monaten und einem Jahr vereinbart.

Gerhard Bednarek von der BOB Transfer GmbH mit Sitz in Essen ist ein erfahrener Mann seines Fachs und kann auf eine stattliche Erfolgsbilanz verweisen. Bundesweit tätig war die BOB Transfer GmbH beispielsweise beim Baumarkt Max Bahr, wo es um die Zukunft von 10 000 Beschäftigten ging, oder bei Woolworth. "In aller Regel erreichen wir eine 60-prozentige Vermittlungsquote", sagt Bednarek. Selbst in der mecklenburgischen strukturschwachen Region, wo die Transfergesellschaft bei einem Solar-Unternehmen zum Einsatz kam, fand die Hälfte der einstigen Beschäftigten wieder einen Job. Einer, der seine Hoffnungen in die Transfergesellschaft setzt, ist René Belitz (35) aus Genthin. Zehn Jahre seines Berufslebens hat er bei Henkel gearbeitet, fünf weitere bei Hansa. Studiert hat er nebenbei und besitzt heute den Abschluss als Technischer Betriebswirt. Er sei vorsichtig optimistisch und hoffe, dass seine Entscheidung, in die Transfergesellschaft zu gehen, sich als richtig erweise. "Ich rechne mir Chancen auf einen Arbeitsplatz aus. Die Betreuung durch die Transfergesellschaft ist sehr gut", sagt René Belitz.

Begleitet wurden die Mitarbeiter bei ihrem ersten Tag in der Transfergesellschaft von Betriebsratsvorsitzenden Olaf Thiele (45). "Ich bin froh, dass die Kollegen nicht in die Arbeitslosigkeit gehen müssen. Es war ein harter Kampf, die Transfergesellschaft am Verhandlungstisch durchzusetzen", sagt der Gewerkschafter.

Der Konzernbetriebsrat hatte dann die Wahl zwischen drei Transfergesellschaften. "Wir hatten von der BOB Transfer GmbH den besten Eindruck, sie arbeitet mit allen Arbeitnehmern zusammen und ist flexibel", begründet der Genthiner Gewerkschafter, der zugleich als stellvertretender Konzernbetriebsrat am Verhandlungstisch saß.

Olaf Thiele bricht für die Leute, die jetzt in der Transfergesellschaft untergebracht sind, eine Lanze. Sie alle seien sehr gut ausgebildet und würden gern wieder einer Arbeit nachgehen. "Diese Leute sind nicht wegen ihrer Leistung gegangen, sondern die Kriterien des Sozialplans haben sie getroffen", sagt er.

In der Transfergesellschaft finden sich Beschäftigen aus allen Fachbereichen wieder, Laboranten, Sachbearbeiter, Anlagenfahrer und Helfer. Das Durchschnittsalter liegt etwa bei 40 Jahren.

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