Das "halbe Dorf" hat Ursula und Fritz Lüde zur goldenen Hochzeit gratuliert, die Feier im "Elbehaus" war riesengroß. Denn der Rückblick auf 50 Ehejahre der beiden ist ein bisschen auch der Blick auf ein halbes Jahrhundert Dorfgeschichte.

Ferchland l "Das Akkordeon war Schuld!", lacht Ursula Lüde und erzählt die Geschichte: Beide sind in Ferchland zu Hause, Fritz Lüde ist drei Jahre älter. Er konnte schon Akkordeon spielen, während die damals 16-Jährige sich schon lange wünschte, es auch zu lernen - ja, ganz verrückt danach war. "Mein Vater war damals Fleischbeschauer, und Fritz kam öfter zum Büchsen-Zumachen. Da hat ihn mein Vater mal gefragt, ob er mir Akkordeonunterricht geben könnte."

Es stellte sich recht bald heraus, dass die beiden nicht nur musikalisch "auf einer Welle" lagen. "Mit 17 wurde ich schwanger, am 25. Januar wurde ich 18, da haben wir schnell standesamtlich geheiratet", schmunzelt Ursula Lüde. Damals war das noch so. Da sollte kein Kind unehelich auf die Welt kommen.

Die kirchliche Trauung fand dann am 11. April statt, deshalb wurde auch jetzt erst die goldene Hochzeit richtig gefeiert - natürlich auch mit dem Gang in die Kirche. Wunderschön sei es gewesen. Pfarrer Breit habe sehr schön gesprochen, und die Chorgemeinschaft Hohenseeden, in der beide Mitglied sind, gestaltete die Feier musikalisch.

Das erste Lied, das er ihr damals auf dem Akkordeon beigebracht hatte, war "Machen wir`s den Schwalben nach, bau`n wir uns ein Nest..." Und das haben sie dann auch recht schnell gemacht. Vier Kinder sind darin groß geworden, und dazu kamen inzwischen fünf Enkelkinder und zwei Urenkel.

Es ist ihr Elternhaus, in dem sich heute die Gaststätte "Storchennest" befindet - benannt nach dem Storchennest, das seit Jahrzehnten hinten auf dem Dach des Stallgebäudes thront. Früher hatten ihre Eltern hier einen Laden. Der wurde dann der "HO" angeschlossen, und als später der Konsum die Kaufhalle in Ferchland baute, übernahm er diesen mit und machte ihn zu.

Ursula Lüde hatte eigentlich Säuglingsschwester werden wollen, erzählt sie, aber das wollte ihre Mutter nicht. Verkäuferin sollte sie werden und hier im Laden arbeiten. Später wurde die Konsumgenossenschaft ihr Arbeitgeber, und über diese ging sie für fast ein Jahrzehnt nach Klietznick, um dort den kleinen Laden zu führen, der sich damals in der Hauptstraße 4 befand. So wurde sie ein bisschen auch Klietznickerin.

Fritz Lüde hat in Haldensleben studiert, wurde Agraringenieur und hat hier in der LPG gearbeitet.

Nach der Wende kam sowohl für die LPG als auch für kleine Dorfläden das Aus. Ursula Lüde hat sich deshalb entschlossen, sich selbständig zu machen und in ihrem Elternhaus wieder einen eigenen Laden zu eröffnen. "Wir haben hier alles umgebaut und viel Geld investiert." Sie hatte - wie viele andere kleine Läden auch - einen Vertrag mit "Spar". "Alle haben mir abgeraten", blickt sie zurück, aber sie habe es trotzdem gemacht. Sie haben sich auch noch ein Verkaufsauto angeschafft, mit dem ihr Mann dann über die Dörfer gefahren ist.

Rentabel war die ganze Sache nicht. Nach vier Jahren mussten sie den Laden wieder schließen. Damals hatten ihr viele zugeredet, doch eine Gaststätte daraus zu machen. Das taten sie - und haben wieder umgebaut und investiert.

Leicht sei es all die Jahre auch mit der Gaststätte nicht gewesen, aber die gibt es noch heute, obwohl Lüdes eigentlich längst im Rentenalter sind. Eine Zeitlang hatten sie an der Fährstelle noch einen Imbiss, bis dieser abbrannte - Brandstiftung.

"Wenn wir nicht immer positiv gedacht hätten, dann hätten wir das alles nicht geschafft", blickt Ursula Lüde zurück. Immer wieder aufstehen, neu durchstarten, neue Ideen haben, das war und ist Lüdes Devise. Seit Jahren sind sie mit ihren Ständen auch auf den verschiedensten Festen präsent, allein viermal im Jahr in Klietznick.

Ein bisschen mitgeholfen, den Optimismus zu bewahren, hat sicher auch immer die Musik. Fritz Lüde hat früher in einer Kapelle Akkordeon gespielt, heute singen beide im Chor, und seit seinem spontanen Gesangsauftritt mit den "Weinbergmusikanten" aus Hohenwarthe beim Weinfest 2014 in Klietznick fährt Fritz Lüde nun fast jeden Dienstag zur Probe nach Hohenwarthe! Die "Weinbergmusikanten" waren deshalb auch bei der Feier und brachten tüchtig Stimmung in die Runde.

"Wir sind beide Blasmusikfans", betont Ursula Lüde. So kam es auch, dass sie schon seit Jahren zum Maifest eine echte böhmische Blaskapelle nach Ferchland holt. Hätten sie nicht selbst solche Freude daran, würde sie es nicht machen, sagt sie und zeigt auf den Preis ...

Ach ja, und da ist auch noch der Garten. Etwa 1 000 Quadratmeter haben sie hinterm Haus. Da wird alles angebaut, was in der Küche Verwendung findet, unter anderem jede Menge Kräuter.

Zur großen Feier hat Ursula Lüde einen Teil des Kuchens auch selbst gebacken. Mehr durfte sie nicht. Diesmal haben sich die anderen gekümmert. "Unsere Kinder und Freunde haben uns eine tolle Feier ausgerichtet", sind die beiden dankbar und glücklich.