Elbe-Parey l Nach der heftigen Diskussion dazu in der Hauptausschusssitzung vor einer Woche gab es auch im Gemeinderat noch einmal mehrere deutliche Meinungsäußerungen. Von etlichen Gästen, darunter auch Jugendlichen, wurde die Debatte mit Interesse verfolgt. Es verwunderte danach nicht mehr, dass der Beschluss schließlich einstimmig gefasst wurde.

Zu Beginn meldete sich Nicole Golz (Ortsbürgermeisterin in Parey) zu Wort. Sie stellte hier noch einmal ausführlich dar, was sie schon im Hauptausschuss angesprochen hatte: "Die bisherigen AGH-Maßnahmen im Jugendklub sind am 24. Januar ausgelaufen. Am 20. Januar wurde der Hauptausschuss darüber informiert, dass keine neuen AGH hierfür beantragt wurden, weil sich der Gemeinderat noch nicht zum Jugendhaus bekannt habe. Das stimmte so einfach nicht, weil der Gemeinderat immer gesagt hat, dass das Jugendhaus nicht zur Debatte stehe."

Dann ging das Thema erst in den Sozialausschuss, in den Hauptausschuss und nun in den Gemeinderat, wobei viel Zeit verloren wurde. Sie habe bereits im Ausschuss betont, dass es überhaupt nicht notwendig sei, dass der Rat über die neuen AGH-Anträge befinden muss. "Diese Anträge hätte die Verwaltung einfach allein stellen können." Somit hätte es längst erledigt sein können.

Jürgen Bruchmüller (Derben) äußerte Bedenken, dass mit der Beschlussfassung im bisherigen Wortlaut das Thema ganz schnell wieder zu den Akten gelegt wird - weil der Antrag an die Arbeitsagentur voraussichtlich sofort abgelehnt werde. "Wir sollten eine Möglichkeit finden, dass wir jederzeit reagieren können, wenn sich eine Möglichkeit bietet", forderte er. Das unterstützte auch Ewald Janßen (Parey) so. Entsprechend wurde dann auch später der Beschluss umformuliert.

Bürgermeisterin Jutta Mannewitz wandte ein, dass man mit AGH-Kräften keine Jugendarbeit machen könne, "wie wir sie wollen." Man habe keine Möglichkeit, darauf Einfluss zu nehmen, wer in diese Maßnahme kommt. Diejenigen hätten nicht immer die Eignung. Man müsse nach Alternativen suchen. Für das Tanz- und Gesangszentrum brachte sie die Möglichkeit einer Vereinsgründung ins Spiel.

Sie fasste zusammen: "Die Gemeinde will nicht nur ein Tanz- und Gesangszentrum, die Gemeinde will nicht nur dass da jemand einige Stunden aufgehoben ist - da muss etwas angeboten und eine zeitgemäße Jugendarbeit geleistet werden." Dazu müssten die Jugendlichen mit einbezogen werden und sagten, was sie eigentlich wollen.

Harald Birmuske (Parey) unterstrich, dass der "alte" Gemeinderat den Erhalt des Pareyer Jugendhauses mit seiner Nähe zur Schule als Zentrum festgeschrieben hatte, nachdem die Klubs in den anderen Orten geschlossen wurden. Er plädierte auch dafür, nach Alternativen für AGH und nach anderen Fördermöglichkeiten zu suchen, eventuell noch jemanden fest einzustellen - wenn es denn der Haushalt hergibt.

Und das tut er offensichtlich nicht. Der Jugendklub zählt haushaltstechnisch als "freiwillige Aufgabe", und dabei soll die Gemeinde angesichts fast einer Million Euro Minus im Haushalt 2014 weiter sparen. Dieser Hinweis kam bei der Hauhaltsprüfung erneut vom Landkreis.

"Ich habe es so verstanden, dass diese AGH-Kräfte unterstützend wirken für die qualifizierte Kraft, die vor Ort ist", meinte Dr. Stefan Ringwelski (Bergzow). Ihn störe, dass man über AGH-Kräfte so abwertend spricht, fügte er an. Er erinnerte an die vielen ABM-Kräfte in den Jugendklubs der Ortschaften, die es im Laufe vieler Jahre gab. Sicher habe es unterschiedlich gut funktioniert, aber in jedem Falle sei es immer besser gewesen, wenn der Jugendklub offen war, als wenn er zu ist.

Anja Andres (Zerben) unterstützte dies. Denn im Moment sei es so, dass der Klub zugeschlossen werden muss, wenn Manfred Göbel Urlaub hat oder mal krank wird. "Wenn ich nichtmal jemanden habe, der aufschließt, dann sind die Jugendlichen auf der Straße!"

Jürgen Bruchmüller brachte es auf den Punkt: "Die AGH-Kräfte sind sicherlich nicht die beste Lösung, aber sie sind die einzige, die wir im Moment haben!" Die Suche nach alternativen Möglichkeiten könne natürlich parallel laufen.

Etwas Einflussnahme bei der Auswahl von AGH-Kräften sei durchaus möglich, fügte Nicole Golz an. Sie habe sich erkundigt und erfahren, dass es gehe, jemanden auszutauschen, der überhaupt nicht geeignet ist.

Später in der Einwohnerfragestunde sprach Waltraud Wernstedt (Parey) leidenschaftlich für den Erhalt des Jugendhauses. Sie hatte früher selbst über Maßnahmen des Arbeitsamts im Club gearbeitet und so manche zusätzliche Stunde auch ehrenamtlich und war wie eine Mutter für die jungen Leute. Sie weiß deshalb sehr gut, wie enorm wichtig diese feste Anlaufstelle für ganz viele ist.