Genthins Weltenbummler Elly (Elvira) Kern und Thomas Dietert schnupperten am Wochenende, nachdem sie jetzt in Potsdam eine Wohnung bezogen haben, wieder einmal Heimatluft. Nach ihrer Rückkehr von der mehrmonatigen Tour durch Südamerika kehren sie zurück in das alltägliche Leben.

Genthin l Wer gedacht hatte, dass sich Elly Kern und Thomas Dietert nach ihrem Globalen Triathlon von zwei Jahren in die "Normalität" verabschieden, sah sich nun mit ihrer jüngsten Unternehmung, die sie stattliche 3000 Kilometer mit dem Rad von Argentinien, Chile bis nach Bolivien führte, getäuscht.

"Wir wollten es noch einmal wissen. Elly hatte Referendariats-Prüfungen im Januar, da ließ sich anschließend noch etwas planen. Wir haben einfach auf die Weltkugel geschaut, jahreszeitliche Temperaturen, landschaftliche Schönheiten und Kulturen verschiedenster Länder gecheckt, so dass wir uns für die Südamerika-Route entschieden haben", sagt Thomas Dietert.

Der Einstieg in diese Tour, betont Elly Kern, sei ihr diesmal viel einfacher gefallen als beim Globalen Triathlon. Sie habe bei ihrem Abflug genau gewusst, was auf sie zukommt, welche körperlichen Anstrengungen die Radtour durch die drei südamerikanischen Länder mit sich bringen werden.

Unterwegs mit dem Rad entlang der Anden und stets übernachten im Zelt, bedeutete, das war dem Paar von etlichen anderen Unternehmungen bewusst, Verzicht auf liebgewordenen Luxus. Ein Handtuch, zwei Gabeln, warme Klamotten, Regenzeug, Waschtasche, ein Benzinkocher, ein Topf und eine Pfanne - damit musste sich das Paar auf Reisen begnügen.

Elly Kern lacht bei dieser Aufzählung und sorgt schnell für Aufklärung: Die Radfahrer führen üblicherweise ein Utensil mit sich, auf das sie besonders achten und mit dem sie sich von anderen Reisenden unterscheiden. Das kann ein Holzlöffel, ein Wanderstock oder ein Campingstuhl sein. "Für uns war das die Pfanne, die uns stets einen guten Dienst erwies."

Nach der Südamerika-Tour wird das Pärchen nun von den ganz großen Weltreisen Abstand nehmen müssen. "Wir wussten, was kommt und stellen uns jetzt auf unser Berufsleben ein, das uns zukünftig nicht mehr soviel Spielraum für eine mehrmonatige Abwesenheit einräumt", sagt Thomas Dietert. Der studierte Gewässerbiologe wird in Kürze ein Arbeitsverhältnis mit dem Institut für Gewässerökologie in Potsdam eingehen. Elly Kern hat sich als Lehrerin für die Fächer Deutsch, Russisch und Geografie in Berlin und Brandenburg beworben.

Viel Elend und Armut in Südamerika

Nach nur wenigen Wochen, das Paar traf am 21. Mai mit dem Flugzeug aus Lima in Berlin ein, hat es sich wieder in das "normale Leben" eingefunden. Zur Ankunft in Genthin hatten Freunde das Paar mit Sekt vor der Haustür überrascht.

Die Rückkehr nach Deutschland fiel mir leichter als vor zwei Jahren, als mich fast ein Kulturschock überkam", beschreibt Elly Kern die ersten Tage in der Heimat. "Irgendwie war diese Heimkehr etwas ganz Besonderes für uns. Freunde haben Familie gegründet. Es ist schön, daran Anteil nehmen zu können", sagt Thomas Dietert.

Sein Rückblick auf die vergangenen drei Monate fällt jedoch durchwachsen aus: "Wir haben viel Elend und Armut in Südamerika gesehen, so dass wir Vieles, was in Deutschland selbstverständlich ist, achten können. Strom, fließendes Wasser und volle Regale gehören dazu. Diese Reise hat uns sozusagen wieder einmal geerdet."

Auch wenn in der Zukunft die ganz großen Weltreisen für das Paar aus beruflichen Gründen nicht möglich sein werden, wollen sie auf, wie sie sagen "kleinere Unternehmungen" nicht verzichten. Beispielsweise eine Rad-Ostseetour mit einem Zelt im Gepäck.

Auch nach der Südamerika-Tour wollen die Beiden ihre Reiseerlebnisse in einem Vortrag zusammenstellen.