Monatelang war Udo Krause in Russland unterwegs und beschrieb in der Volksstimme die einzelnen Stationen seiner Reise während seines Auslands-praktikums. Heute kommt sein letzter Bericht, bevor es für ihn wieder Richtung Heimat geht.

Kasan. Wieder einmal wurde ich als Deutscher geprüft, an zwei Kasaner Gymnasien. Dort musste ich allerdings englisch sprechen. Zu Gast war ich an der Schule Nummer 18 und Nummer 82. Die Schüler stellten viele Fragen zu meiner Person sowie zu meinem Heimatland. So gab ich Auskünfte über deutsche Traditionen, Sitten und Gebräuche und zeigte Fotos von Deutschland.

Ein großer Unterschied ließ sich im Vergleich zu deutschen Schulen durchaus feststellen. So war beispielsweise etwas autoritärer Führungsstil unter den Lehrkräften und eine höhere Disziplin unter den Schülern festzustellen, was allein schon daran zu bemerken war, dass die Schüler sofort aufstanden, als ich und die Lehrerin den Raum betraten.

Sportlich wurde es als ich Ende Januar eine Wintersportwoche erfahren durfte. Ich besuchte als erstes die Bandy-Weltmeisterschaft 2011, die in diesem Jahr in Kasan stattfand. Bandy ist eine Ball- und Mannschaftssportart, die auf Eis ausgetragen wird. Sie wird auch als "Mutter des Eishockeys" bezeichnet. Das Spielfeld hat die Größe eines Fußballplatzes, das mit einer Eisschicht überzogen ist. Eine Mannschaft besteht aus elf Spielern, es gibt zwei Halbzeiten zu je 45 Minuten. Ich durfte mir eines der Gruppenspiele zwischen dem amtierenden Weltmeister Schweden und Norwegen anschauen. Bei dieser Partie verloren die Norweger mit 0:12. Im Stadion kam ich mir aufgrund der wenigen Zuschauer ein wenig verloren vor. Das lag wohl an den zirka -20 Grad und anhaltendem Schneefall. Dank einer Freundin, die zum Organisationskomitee der Welt- meisterschaft gehörte, konnte ich hinter die Kulissen des Bandy schauen und mich im Stadion frei aufhalten. Am Ende des Turnieres konnte das Team der Russischen Föderation den Weltmeistertitel einfahren.

Durch Schneesturm lange Umwege

Den wintersportlichen Höhepunkt durfte ich ein paar Tage später erleben. Ansehen konnte ich mir das Eishockeyspiel zwischen dem viermaligen russischen Meister AK Bars Kasan gegen HK Jugra Chanty-Mansijsk (Westsibirien). Das Team von der Wolga unterlag zwar mit 1:2. Trotzdem war eine mehr als ausgelassene Stimmung in der neuerbauten, hypermodernen "Tatneftarena".

Meine letzte Exkursion ging nach Samara, das von 1935 bis 1990 Kuibyschew hieß und bis zum Ende der Sowjetunion eine geschlossene Stadt - für Ausländer nicht zugänglich - war. Es ist mit 1,2 Millionen Einwohnern die sechstgrößte Stadt Russlands und liegt 400 Kilometer südlich von Kasan. Die Stadt stellt ein bedeutendes Kultur- und Industriezentrum dar. So befindet sich in der Nähe des Stammsitzes der Automarke "Lada". Außerdem wurde in der Region die "Sojus"-Weltraumraketen konstruiert und gebaut.

Untergebracht waren wir diesmal in einer Kaserne des russischen Militärs. Dabei konnte ich die Panzerbrigade 23 inspizieren. Letztendlich erhob man mich ehrenhalber in den Rang eines Leutnants der Panzerwaffe und machte mich mit den technischen Vorzügen eines T-72 Panzers vertraut, die ich nach einer Schnellausbildung auch selbst steuern durfte. Diese Spritztour erfolgte indes auf einem Truppenübungsplatz bei -30 Grad und einem Tempo von 70 Stundenkilometer

Die Rückfahrt nach Kasan gestaltete sich umständlich. Aufgrund eines Schneesturm fielen alle Busverbindungen aus, deshalb mussten wir auf die sichere russische Bahn zurückgreifen. Allerdings existiert keine Direktverbindung zwischen Samara und Kasan, was bedeutet, dass der Zug Anfangs 400 Kilometer Richtung Nordwesten bis nach Nishni Nowgorod fährt, um dann wieder nach Osten in Richtung Kasan zu fahren. So kam ich am Ende meiner Tage hier in Kasan abermals in den Genuss einer rustikalen Zugfahrt.

Als Fazit lässt sich festhalten, dass diese letzte Exkursion einen gelungenen Abschluss meiner kulturellen Bemühungen um Russland darstellte.