Der erhöhte Grundwasserstand hat im Frühjahr und Winter in nicht wenigen Häusern zu nassen Kellern geführt. Die Stadt Genthin will ihr Abwasserbeseitigungskonzept konkretisieren, um sicherzustellen, dass das Wasser so gut wie möglich abfließen kann. Beim Umweltministerium können Erfassungsbögen zur Grundwassersituation eingereicht werden. Davon haben bislang wenige Eigentümer aus der Genthiner Region Gebrauch gemacht.

Genthin. Die Stadt allein kann das Problem des gestiegenen Grundwasserstandes nicht lösen. Verantwortung müsse sie nach Ansicht von Bürgermeister Wolfgang Bernicke vor allem bei der Regenentwässerung übernehmen. Er kündigte eine genaue Problemanalyse an, aus der Aufgabenstellungen erarbeitet werden. Der finanzielle Bedarf eventuell notwendiger Investitionen muss im Stadtrat beraten werden.

Wenn sich die Grundwassersituation auf Dauer nicht ändern sollte, muss auch bei der Grabenunterhaltung gehandelt werden. Dazu gehören unter anderem die Erweiterung von Gräben und gegebenenfalls auch das Schaffen zusätzlicher Hebestellen. Darauf hatte die Stadt den Unterhaltungsverband schon aufmerksam gemacht. Im Haushalt 2011 sind erstmal keine Gelder einge- plant. "Es bedarf keiner spontanen Reaktionen, sondern eines planmäßigen Gestaltens", sagte Wolfgang Bernicke. Das Augenmerk werde vorerst darauf liegen, Durchlassschwächen festzustellen, möglicherweise Gräben zu erweitern oder umzuverlegen. Damit sei im vorigen Jahr schon ansatzweise begonnen worden. "Dazu sind die bisher erstellten Abwasserbeseitgungskonzeptionen zu konkretisieren und daraus konkrete Aufgaben- stellungen abzuleiten", setzte der Bürgermeister hinzu.

Wasserstand des Kanals wirkt sich nicht aus

Darüber hinaus hat die Stadt die Befürchtungen betroffener Anwohner, dass ein erhöhter Wasserstand des Elbe-Havel-Kanals die Grundwassersituation verschärft, an das Wasserstraßenamt zur Klärung weitergeleitet. "Umfangreiches Material wurde uns zur Verfügung gestellt, das zurzeit ausgewertet wird", sagte Wolfgang Bernicke. Negative Abhängigkeiten ließen sich aber schon jetzt nicht nachweisen, da fast alle Einleiter in den Elbe-Havel-Kanal von dessen Wasserstand betroffen sind. Einen Rückstau in die Gräben und Vorfluter habe es jedoch nicht gegeben.

Der erhöhte Grundwasserstand, der sich auf Grund mehrerer aufeinanderfolgender nasser Jahre gebildet hat, ist auch Thema des Landes. Seit 2007 sind nach Angaben des Umweltministeriums vier Jahre in Folge deutlich niederschlagsreicher als im langjährigen Mittel gewesen. Dazu kommt, dass sich die Inanspruchnahme des Wasservorkommens durch Haushalte, Landwirtschaft und Industrie stark verringert hat.

Regionale Arbeitsgruppen wurden gegründet, um sich mit den hohen Grundwasserständen vor Ort auseinanderzusetzen.

Auf seiner Interseite bietet das Umweltministerium einen Erfassungsbogen an. Landesweit wurden bislang 5800 eingereicht, darunter stammen mehrere hundert aus dem Jerichower Land - allerdings vergleichsweise wenige aus dem Altkreis Genthin.

Regionale Arbeitsgruppe

Die aus den Erfassungsbögen gewonnenen Daten (Größe der vernässten Fläche, betroffene Gewässer, Unterhaltungsdefizite, Ursachen) werden zusammen mit weiteren Informationsgrundlagen wie geografischen, geologischen, hydrologischen und metereologischen Daten ausgewertet, informierte Petra Franke vom Umweltministerium. Ziel ist es, die Daten bis Ende Juni auszuwerten und in den regionalen Arbeitsgruppen zu erörtern. Bis Ende des Monats sollte der Erfassungsbogen beim Landesverwaltungsamt abgegeben sein, um noch berücksichtigt zu werden.

Zum Ende des Jahres soll die Ursachenanalyse der Landesregierung vorgestellt werden. Aus dem Jerichower Land wurde in den Erfassungsbögen als Ursache für die Vernässung oftmals auf nicht intakte Meliorationsanlagen hingewiesen.

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