Ein Erfolg für alle Beteiligten: Die Feldbahner aus Schlanstedt starten mit einer reparierten Lok in die neue Fahrsaison und 20 Jugendliche haben technische Fertigkeiten erlernt. Das Projekt zwischen kommunaler Beschäftigungsagentur und Verein soll fortgesetzt werden.

Halberstadt/Schlanstedt l Nur elf Mitglieder zählt der Schlanstedter Feldbahnverein. Alle Reparaturen an ihren Fahrzeugen selbst durchzuführen, ist ihnen deshalb kaum möglich. Umso dankbarer sind sie für ein Projekt der Kommunalen Beschäftigungsagentur (Koba) Job-Center Harz. 20 Jugendliche sind hier für ein Jahr beschäftigt und erweitern ihre handwerklichen Fähigkeiten. Dank ihrer Arbeit können die Schlanstedter Feldeisenbahner im Frühjahr den Fahrbetrieb mit einer reparierten Diesellok aufnehmen.

Nach wochenlangem Tüfteln übergaben die Mitarbeiter des Trägers VHS-Bildungswerk GmbH in ihrer Werkstatt die aufgearbeitete Maschine aus dem Baujahr 1941 nun an den Verein. Constantin Schnee vom Vereinsvorstand durfte die Feldbahnlok aus der Werkhalle fahren und einem ersten Test unterziehen. "Wir könnten als Verein solche Aufgaben nicht lösen", sagte er. Der Verein suche weiter dringend Helfer, damit die technischen Anlagen in Schlanstedt nach der Winterpause wieder hergerichtet und auf den Fahrbetrieb in der warmen Jahreszeit vorbereitet werden können.

Diesellok durchlebt wechselhafte Geschichte

Die Diesellok hat eine bewegte Geschichte. Sie wurde 1941 in der Jung\'schen Lokomotivfabrik in Jungenthal (Rheinland/Pfalz) gebaut und kam zunächst im Konzentrationslager Mittelbau-Dora bei Nordhausen zum Einsatz. "Dort tat sie nach 1945 ihren Dienst bei einer privaten Ziegelei", berichtet Constantin Schnee vom Feldeisenbahn-Verein Schlanstedt.

Nach 1990 waren solche historischen Fahrzeuge überall gefragt, doch der Besitzer wollte einige Maschinen weiter im Osten Deutschlands wissen. So konnten die Schlanstedter die Lok trotz anderer, höherer Angebote "zum Spottpreis" erwerben.

1993 gab es in Blankenburg schon einmal eine Hauptuntersuchung und seitdem war die Maschine zuverlässig auf den Gleisen mit einer 600 Millimeter breiten Spur in Schlanstedt im Einsatz - bis die Verbindungswelle zum Getriebe streikte. Dank der guten Verbindungen zum VHS-Bildungswerk in Halberstadt konnte ein Projekt zur Reparatur der Lok starten.

Projektteilnehmer sparen für eigene Fahrerlaubnis

In den Werkstätten auf dem Gelände des früheren Reichsbahnausbesserungswerks (RAW) in Halberstadt sind 20 jugendliche Teilnehmer noch bis zum Sommer im Einsatz. So sollen noch zwei ehemalige Heeres-Feldbahnwagen mit einem Dach neu aufgebaut werden. "Dann können bei uns Interessierte, die teilweise mit dem Bus von weit her kommen, auch bei Regen eine Tour in die Feldflur unternehmen", blickt Schnee erfreut voraus.

Auch Koba-Geschäftsführer Detlef Schmelz ist zufrieden mit dem Projekt. Hier sei im Team Praktisches geleistet worden. Die Gruppe weise eine Besonderheit auf, teilt Schmelz mit. Alle 20 Teilnehmer sammeln ihre Mehraufwandsentschädigung, um damit ihren Führerschein zu finanzieren. "Das sichert später einen mobilen Einsatz im Arbeitsleben", betont Schmelz. In der vorigen Gruppe hätten das 15 von 20 Teilnehmern geschafft. So sei er auch diesmal optimistisch. Der Lok wünschte er in Schlanstedt "allzeit gute Fahrt".