Viele Stationen weist die 100-jährigen Geschichte der Stadtbibliothek von Halberstadt aus. Anlässlich der Jubiläums-Festveranstaltung wird deutlich: Mit dem Internet ist jetzt eine neue Buch-Etappe eingeleitet.

Halberstadt l Die vier großen Bibliotheken im Harzkreis, in Halberstadt, Quedlinburg, Wernigerode und Ilsenburg, haben gemeinsam die Online-Ausleihe gestartet. "Das Buch, der persönliche Kontakt und die Empfehlung sind aber durch nichts zu ersetzen", merkte dazu Dr. Jan Hofmann, Staatssekretär des Kultusministeriums, am Sonnabend in seinem Grußwort an. Die Bibliotheken seien "Tankstellen der Nation", die weiter Treibstoff benötigen. Auch der Bildungsauftrag für die Schulen sei zu erfüllen.

Das gefühlte Papier, der Einband und die Prägung eines Buches, das könne die Elektronik nicht ersetzen, betonte Halberstadts Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke). Er sei stolz auf seine eigene Sammlung aus drei Jahrhunderten. Henke: "Die Erfahrungen mit meinen ersten Büchern möchte ich nicht missen."

Der OB hob die Kooperationsverträge mit Kindergärten und Schulen hervor. Die frühe Leseförderung, aber auch die Betreuung von Senioren, seien wichtige Aufgaben. Der Rathauschef: "Unverzichtbar ist die Arbeit des Bibliotheksfördervereins." Sein Dank galt den Mitgliedern und Sponsoren, aber auch den Beschäftigten.

In einer unterhaltsamen Stunde brachten die Berliner Künstler Frank Sommer und Marjam Azemoun den Gästen des Festaktes wichtige Stationen der Bibliotheksgeschichte nahe. Mit historischen Fotos untersetzt, berichtete sie über die Gründung der ersten Volksbücherei in Halberstadt, die "Grundsätze für Lesehallen", den Umzug zum Domplatz und die schwarze Liste, auf die 2000 Bände 1933 gelangten.

Weitere Verluste gab es 1944 und 1945. Nach dem Krieg musste in den Regalen wieder aussortiert werden. Bereits am 1. August 1945 öffnete das Haus wieder und konnte die Nachfrage kaum befriedigen. 1990 hieß es erneut sich umzuorientieren. Es folgte die Einführung der Elektronischen Datenverarbeitung und dann der Umbau der Peterskapelle. Für fast 5,8 Millionen D-Mark (drei Millionen Euro) entstand ein besonderes Objekt, das bald als "Bibliothek 2000" ausgezeichnet wurde.

Ortschronist Werner Hartmann trug mit dem Verlesen eines Briefes in Halberstädter Mundart zum Erfolg des Festaktes bei. Bibliotheksleiterin Birgit Sommer betonte: "Es gibt kein Sterben des Buches, sondern ein Nebeneinander." Ob Buch oder Computer, lesen müsse man auf jeden Fall lernen. Mit einer Konzertlesung, Lesenacht, Spieleabend und anderem mehr folgen bis Jahresende noch zahlreiche Veranstaltungen zum Jubiläum.