Unter dem strikten Sparkurs der Stadt Halberstadt leidet der Straßenbahnbetrieb. Axel Wöhlbier, Geschäftsführer der Halberstädter Verkehrsgesellschaft (HVG), hat während der Sitzung des Nahverkehrsbeirates der Kreisstadt am Mittwoch davor gewarnt, dass die Straßenbahn auf Verschleiß fährt.

Halberstadt l "Wir arbeiten am Limit", schildert Axel Wöhlbier, Geschäftsführer der HVG, die Lage bei der Halberstädter Verkehrsgesellschaft. Das Unternehmen hat derzeit nur noch 36 Mitarbeiter, die den kompletten Nahverkehr in der Stadt absichern. Die Beschäftigten hätten alle Hände voll damit zu tun, den Fahrplan in der Kreisstadt aufrechtzuerhalten.

Wie dramatisch die Lage ist, macht Wöhlbier an einem Beispiel aus dem vergangenen Jahr deutlich. Erstmals in der Unternehmensgeschichte konnte der Fahrbetrieb an zwei Tagen im Dezember nicht abgesichert werden, weil nicht genug Personal einsatzfähig war.

Außerdem fehlt Geld für die Weiterentwicklung der Straßenbahntechnik. Die fünf im Fahrdienst eingesetzten Bahnen werden zwar gemäß den Vorgaben gewartet, aber nur in dem Umfang, dass der Fahrbetrieb und die Sicherheit gewährleistet sind, berichtet der Geschäftsführer. Unter dem Strich bedeutet dies: "Wir fahren auf Verschleiß", warnt Axel Wöhlbier. Angesichts dessen, dass im Stadtrat Halberstadt seit längerer Zeit darüber diskutiert wird, aus dem Straßenbahnbetrieb auszusteigen, macht Wöhlbier darauf aufmerksam, dass das aus seiner Sicht ab 2025 Sinn machen würde - wenn man es denn will. Spätestens ab dann ist der Aufwand zum Erhalt der Bahnen finanziell so groß, dass der Ausstieg betriebswirtschaftlich zu rechtfertigen ist. "Wir schieben einen Entwicklungsstau vor uns her, der irgendwann nicht mehr zu lösen ist. Bei uns ist das ab 2025 der Fall", sagt der HVG-Chef.

Bisher ist die Stadt Halberstadt verpflichtet, die Straßenbahnen bis 2033 einzusetzen. Würde man sich früher von der "Elektrischen" verabschieden, müsste die Kommune die vom Land Sachsen-Anhalt gewährten Fördermittel für den Kauf der fünf neuen Straßenbahnen vor etwa sieben Jahren zurückzahlen. Zur Verpflichtung gehört auch, dass jede der Bahnen pro Jahr mindestens 60 000 Kilometer fahren muss.

Axel Wöhlbier hat auch Positives berichten können. Das Betriebsergebnis der HVG habe sich 2013 im Vergleich zum Vorjahr mit einer Steigerung um neun Prozent weiter gut entwickelt.

Gleichzeitig seien jedoch die Preise für Elektroenergie zum Betrieb der Straßenbahnen um 27 Prozent geklettert. Dafür seien die gestiegenen Netzentgelte und die EEG-Umlage verantwortlich gewesen.

Die Betriebsausgaben der Halberstädter Verkehrsgesellschaft haben sich 2013 auf etwa 2,4 Millionen Euro belaufen. Das Land Sachsen-Anhalt hat sich mit einem finanziellen Zuschuss in Höhe von 640 000 Euro beteiligt. Außerdem hat die städtische Holding Nosa - zu der neben der HVG, die Halberstadtwerke, die Abwassergesellschaft, die HaWoGe und das FSZ gehören - das Nahverkehrsunternehmen mit etwa 485 000 Euro bezuschusst.

Trotz der angespannten Finanzlage muss die Verkehrsgesellschaft in diesem Jahr in die Infrastruktur investieren. Die Gleisanlagen auf dem Heineplatz sind stark verschlissen, so der HVG-Chef. Die Investition beläuft sich auf 180 000 Euro. Baustart soll der letzte Schultag vor den Sommerferien, der 18. Juli, sein.