Sassnitz/Böhnshausen l Der wachsame Blick, Kollege Zufall und ein grober Anfängerfehler von Straftätern ist Beamten der Bundespolizei bei der Aufklärung eines Diebstahls zu Hilfe gekommen. Die Bundespolizisten aus Mecklenburg-Vorpommern entdeckten am Donnerstag im Im- und Exportbereich des Fährhafens Sassnitz-Mukran auf der Insel Rügen einen auffälligen, frisch lackierten Betonmischer, der nach Großbritannien verschifft werden sollte. Die Beamten nahmen den Mischer der Marke Mercedes-Actos genauer unter die Lupe und wurden prompt fündig: "Nach dem rollenden Mischer wird seit Sommer 2013 gefahndet und die Spur führt nach Sachsen-Anhalt", berichtet Uta Bluhm von der Bundespolizei in Stralsund.

Und es geht noch etwas genauer: "Das Fahrzeug stammt definitiv aus Langenstein-Böhnshausen und wurde im Juli 2013 entwendet", bestätigt Uwe Becker vom Polizeirevier Halberstadt entsprechende Informationen der Volksstimme. In der Nacht zum 9. Juli waren Unbekannte in die dortige Niederlassung von TSN-Beton eingedrungen und hatten ein gelb-rot lackiertes Mischfahrzeug entwendet. Das ist nun - gut acht Monate und eine Reise quer durch Europa später - auf der Insel Rügen aufgetaucht.

Das rund 100 000 Euro teure Fahrzeug war Bundespolizisten am Donnerstag beim Kontrollgang aufgefallen, weil den Dieben ein schwerer Lapsus passiert war: Am Daimler prangte ein deutsches Kurzzeit-Kennzeichen, das abgelaufen war. Außerdem war beim genauen Blick unübersehbar, dass der Laster vergleichsweise unprofessionell umlackiert worden war. So wurde das rote Fahrzeughaus mit der TSN-Firmenbezeichnung dunkelrot übersprüht, ohne angrenzende graue Fahrwerksteile zuvor sauber abzudecken.

Für die Polizisten die ultimative Aufforderung, das Fahrzeug unter die Lupe zu nehmen und genauer zu inspizieren. Anhand der Frachtpapiere stand rasch fest, dass der Betonmischer für den Export von Russland nach Großbritannien vorgesehen war. "Bei der Überprüfung stellten unsere Beamten Manipulationen an der Fahrzeug-Identifizierungsnummer fest", sagt Polizeiobermeisterin Uta Bluhm. Eingehende Untersuchungen hätten die Ermittler dann rasch auf die Spur nach Sachsen-Anhalt gebracht.

"Nach unseren Erkenntnissen brachten die Diebe das Fahrzeug nach Russland und führten dort vermutlich verschiedene Veränderungen wie die Umlackierung sowie das Ändern der Identnummer durch. Anschließend fanden sie in Großbritannien einen Käufer", berichtet Bundespolizistin Bluhm über den aktuellen Ermittlungsstand.

Auf welchen Schleichwegen das Fahrzeug nach dem Diebstahl im vergangenen Juli nach Russland kam, ist bislang unklar. Wahrscheinlich nutzten die Täter schon damals gefälschte Kennzeichen. Auf der Rückreise von der Frisierstation im fernen Russland zum Abnehmer auf der britischen Insel wurden den Tätern der Umladestop in Sassnitz-Mukran und der wache Blick der Kontrolleure zum Verhängnis. "Wir ermitteln weiter", sagte die Polizeisprecherin. Ob es konkrete Hinweise zu Tatverdächtigen gibt, ließ sie offen.

Freude ist derweil bei TSN-Prokurist Uwe Jacob im niedersächsischen Wolfenbüttel angesagt. Es gebe Signale von der Polizei, dass der Diebstahl aufgeklärt sei. "Es ist schön, wenn unser Fahrzeug demnächst wieder bei uns ist und die Flotte in Böhnshausen komplettiert." In der Halberstädter TSN-Niederlassung seien fünf Mischer mit je acht Kubikmetern Fassungsvermögen im Einsatz und belieferten Kunden im Umkreis von 25 bis 30 Kilometern.

Während TSN-Beton aktuell nur dieser eine Mischer fehlt, sollen in Niedersachsen mehrere derartige Speziallaster verschwunden sein. Im dortigen Landeskriminalamt sei eine Häufung indes nicht bekannt, so eine Sprecherin.