Einbrecher haben in der Nacht zum Donnerstag die Polizei im Harzkreis in Atem gehalten. Binnen weniger Minuten entwendeten Unbekannte einen Tresor aus einer Bankfiliale im Harzge-röder Ortsteil Königerode, brachen in Ballenstedt in einen Supermarkt ein und durchsuchten Räume der Hauptpost in Halberstadt.

Von Dennis Lotzmann

Königerode/Ballenstedt/Halberstadt l Die Bankräuber in Königerode sind auf spektakuläre Weise und mit brachialer Gewalt vorgegangen. Sie holten gegen 1.40 Uhr einen Tresor aus der dortigen Filiale der Volksbank. Zugang zum Büro hatten sie sich mit einem Radlader verschafft, den sie laut Polizei zuvor auf einer nahegelegenen Baustelle gekapert hatten. Mit der Baggerschaufel schlugen die Täter ein vier mal vier Meter großes Loch in die Hauswand und verluden anschließend den Tresor. Nach Angaben eines Polizeisprechers beträgt die Beute mehrere tausend Euro. Die Tat weist Parallelen zu ähnlichen Raubüberfällen im Harzkreis auf.

"Anwohner in Königerode wurden mitten in der Nacht vom ungewöhnlichen Lärm eines Baufahrzeuges geweckt", berichtete Polizeihauptkommissar Andreas Bernhardt vom Lagezentrum der Polizei in Halberstadt. Augenblicke später sei der Grund klar gewesen: Zwei Täter hatten im Baustellenbereich der Bundesstraße 242 einen abgestellten Radlader aufgebrochen und waren damit auf den Weg zur nahen Filiale der Volksbank Halle/Saale.

Auch danach ging nach ersten polizeilichen Ermittlungen alles ganz fix. Die Täter rollten mit dem Tresor in der Radlader-Schaufel rund 50 Meter zurück zur Baustelle, wo sie den Tresor auf einen Laster kippten. Augenblicke später verschwanden sie in der Dunkelheit.

Anwohner wurden zwar vom Lärm und durch die Alarmanlage der Bank auf die Tat aufmerksam und informierten sofort die Polizei. Die Beamten aus Quedlinburg und Hettstedt hatte jedoch kaum eine Chance, die Täter zu schnappen. Da die Polizeistation im Nachbarort Harzgerode in der Nacht zum Donnerstag nicht besetzt war, waren die nächsten verfügbaren Beamten minimal 25 Fahrminuten vom Tatort entfernt.

Die Art und Weise des Raubüberfalls lässt Erinnerungen zu einem nicht minder spektakulären Überfall auf einen Baumarkt in Gernrode wachwerden. Dort hatten Unbekannte Mitte April ebenfalls mit einem zuvor gestohlenen Radlader die Wand zum Büro aufgerissen und einen Tresor gestohlen. Dieser war wenig später an einem Waldweg zwischen Harzgerode und Stolberg gefunden worden. Gut möglich, dass diese räumliche Nähe ein Hinweis auf die Herkunft der Täter sein könnte. Ebenso ist denkbar, dass die Täter auch diesmal irgendwo in den Wald abbogen, um in Ruhe den Tresor zu leeren.

"Anwohner in Königerode wurden in der Nacht vom ungewöhnlichen Lärm eines Baufahrzeuges geweckt."

Andreas Bernhardt, Polizeirevier Harz

Die ermittelnden Beamten prüfen nun nicht nur Parallelen zwischen diesen beiden Fällen, sondern auch zu anderen Raubüberfällen auf Banken und Geldautomaten in der Region. In den vergangenen Monaten hatten Unbekannte auch mehrfach versucht, Geldautomaten mit Hilfe von Gas aufzusprengen. Zuletzt vor wenigen Tagen in einer Postbank-Niederlassung in Quedlinburg.

In der Nacht zum Donnerstag hielt nicht nur der Raub in Königerode die Polizeibeamten aus dem Harz sowie dem Kreis Mansfeld-Südharz in Atem. Wenige Minuten vor diesem spektakulären Einbruch waren Polizisten mit Blaulicht zur Halberstädter Hauptpost gerast. Gegen 1.30 Uhr wurde hier ein Einbruchsalarm gemeldet. Die Täter hatten gewaltsam eine Tür geöffnet und waren durch Hochschieben eines Sperrgitters in die Räume gelangt. Dort wurden mehrere Schließfächer geöffnet, Räume durchsucht und zwei Getränkeautomaten aufgebrochen. Über die Höhe des Schadens liegen bisher keine Erkenntnisse vor, so Hauptkommissar Bernhardt.

Minuten später schlugen dann Einbrecher in Ballenstedt zu. Unbekannte warfen gegen 1.55 Uhr mit zwei Pflastersteinen eine Scheibe des Aldi-Marktes in der Quedlinburger Straße ein. Im Markt wurde das Zigarettenregal aufgebrochen und Zigaretten und Tabaktüten gestohlen. Nach der Tat flüchteten die Täter, die genaue Schadenshöhe konnte die Polizei am Donnerstag noch nicht beziffern.

Auffällig ist, dass alle drei Einbrüche innerhalb weniger Minuten in drei weit voneinander entfernten Harzorten verübt wurden. Ob das Zufall ist oder es Parallelen gibt und die Täter bewusst so agierten, um die Polizeikräfte an verschiedenen Punkten zu binden, ist gegenwärtig völlig unklar.

In den vergangenen Monaten hatte es im Harz-Kreis nicht nur Anschläge auf Bankfilialen und Geldautomaten gegeben. Auch in Ballenstedt waren immer wieder Einbrüche in Supermärkte und Überfälle auf Mitarbeiter aktenkundig geworden.

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