Die wilde Möhre ist nur eine der viele Pflanzen, die Verena Hahn in Wald und Flur des Huys gefunden hat. Die junge Künstlerin, die für drei Monate ihr gewohntes Zuhause gegen ein Atelier beim Kunstverein in Röderhof eingetauscht hat, zeigt ganz offensichtlich einen Faible für Pflanzen und deren Wirkung.

Röderhof l Normalerweise wohnt und arbeitet Verena Hahn im thüringischen Weimar. Die drei Monate für ein Stipendiat fern der gewohnten Umgebung zu verbringen und sich von der Pflanzenwelt im Huy inspirieren zu lassen, sei schön und spannend zugleich gewesen, beschreibt die junge Frau ihr Wirken in Röderhof.

Beim Tag des offenen Ateliers haben interessierte Besucher die Möglichkeit, das Leben und die Arbeit der jungen Künstler kennenzulernen. Da sich beides in einem Raum abspielt, beispielsweise die Staffelei gleich neben dem Bett steht, sind diese Einblicke auch recht persönlich. Im Atelier von Verena Hahn hängen viele getrocknete Pflanzen, die sie hier im Huy gesammelt hat. Sie erzählt, dass sie mit ihrer Kollegin viel durch die Gegend gezogen und auf der Suche nach ganz bestimmten Kräutern und Samen auch fündig geworden sei.

Im Nebenraum fallen Kugeln auf, die unter einem Flügel liegen und etwa die Größe einer Billardkugel haben. Mit dem Kugelthema beschäftigt sich Verena Hahn schon seit Längerem, im Huy hat sie es nicht losgelassen. Diese Kugeln hat sie aus verschiedenen gesammelten Erden geformt und in deren Mitte unterschiedliche Samen gesteckt. Die sogenannten Samenbomben müssen nun nur warm und feucht genug lagern, dann explodieren sie förmlich - und neues Leben entwickelt sich, erläutert die junge Künstlerin.

Pflanzen und deren Wirkung sei ein weiteres Thema, dem sie sich ebenfalls widme. Deshalb hat sie im Huy Pflanzen gesucht, sie bestimmt, gesammelt und auf ganz unterschiedliche Weise verarbeitet. In ihrem Atelier wurden verschiedene Pflanzen gekocht und Farben daraus gewonnen. Mit diesen gestaltet Verena Hahn sogenannte Tropfenbilder. Tropfen für Tropfen werden auf das Papier gebracht und entwickeln nach dem Trocknen ein ganz eigenes Muster.

Im künstlerischen Forschungsprojekt "Wilde Möhre" befasse sie sich mit jenen Pflanzen, "die Einfluss auf die Fruchtbarkeit und Empfängnis bei Frauen nehmen können", berichtet die Künstlerin. Die wilde Möhre stehe exemplarisch für zahlreiche Arten, denen unter anderem empfängnisregulierende Wirkung nachgesagt wird, erläutert die 37-Jährige.

Bereits seit 20 Jahren arbeite sie zudem an einem Herbarium (Pflanzensammlung). Dabei fertigt Verena Hahn Gipsabdrücke von Pflanzen an, die dann in Porzellan gegossen werden. So entsehen hauchdünne und zarte Gebilde. Einige Pflanzen aus dem Huy werden nun das zerbrechliche Herbarium ergänzen.

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