Halberstadt l Zwei Taten, die am vergangenen Wochenende in Halberstadt für Aufsehen gesorgt haben, scheinen aufgeklärt: Ein brutaler Übergriff auf ein 14-jähriges Mädchen am Sonnabendnachmittag und ein Brandanschlag auf den Anlieferungsbereich eines Discount-Marktes in der Rudolf-Diesel-Straße in der Nacht zum Sonnabend. Beide Taten werden einem 17-Jährigen, der aus Halberstadt stammt, zur Last gelegt.

Den Brand soll der junge Mann gelegt haben, an den Übergriffen soll er laut Polizeisprecher Peter Pogunke mindestens beteiligt gewesen sein. "Möglicherweise hat er diese zweistündige Tortur auch maßgeblich initiiert oder die beiden Täterinnen dazu angestiftet", so der Sprecher des Harzer Polizeireviers. Mit dem Versuch, den Tatverdächtigen wegen der Brandstiftung in Haft nehmen zu lassen, scheiterte die Staatsanwaltschaft allerdings am Dienstagnachmittag.

Der zuständige Haftrichter des Amtsgerichtes Halberstadt habe den Haftantrag mangels Fluchtgefahr abgelehnt, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft in Halberstadt. Ein maßgeblicher Grund sei wohl die Tatsache, dass der Beschuldigte, der bislang bundesweit mehrere Wohnsitze gehabt habe, nun wieder bei seiner Mutter in Halberstadt leben soll.

Das Feuer hatte in der Nacht zum Sonnabend die Feuerwehren in Atem gehalten. Beim Eintreffen der ersten Löschzüge hatte die hintere Ladezone des Discountmarktes bereits in voller Ausdehnung gebrannt. Die Feuerwehrleute konnten ein Übergreifen auf dem Markt verhindern. Die Polizei ging zunächst davon aus, dass der Funkenflug eines Winkelschleifers, mit dem vermutlich Einbrecher hantiert hatten, das Feuer verursachte. Seit Montag steht fest, dass es keinen Einbruchsversuch gab, sondern Plastikpaletten auf der Rampe in Brand gesetzt wurden. Da nicht nur das Gebäude großen Schaden nahm, sondern der Rauch über die Lüftung in die Filiale zog und im großen Stil Waren verdarb, ist der Schaden immens. Polizei und Staatsanwaltschaft beziffern ihn auf 120 000 bis 130 000 Euro.

Der Brandanschlag wurde im Zuge der Ermittlungen rund um den brutalen Übergriff auf ein 14-jähriges Mädchen aus Friedrichsbrunn mit aufgeklärt. Bei dieser Tat wurde der 17-Jährige zunächst als Zeuge gesucht, weil er die zweistündigen Quälereien des Opfers mit einem Handy mitgeschnitten hatte. Bei den Ermittlungen verdichtete sich nach Polizeiangaben mehr und mehr der Verdacht, dass der Jugendliche dabei Mittäter oder gar Anstifter war, so Polizeisprecher Peter Pogunke.

Eine der beiden 14-jährigen Jugendlichen, die ebenfalls in Halberstadt lebt, hat die Tatbeteiligung laut Polizei mittlerweile zugegeben. Eine weitere 14-Jährige, die ebenfalls aus Halberstadt stammt und heute wohl in Baden-Württemberg lebt, sei noch nicht vernommen worden.

Das Trio soll das Opfer am Sonnabend ab 14 Uhr gut zwei Stunden lang auf dem Bahnhofsvorplatz der Kreisstadt malträtiert haben. Die 14-Jährige kassierte nicht nur Schläge, sondern wurde von ihren Peinigern auch mit einem Eddingstift beschmiert. Dabei malten ihr die Täterinnen laut Polizei ein Hakenkreuz und SS-Runen ins Gesicht (die Volksstimme berichtete).

Der 17-Jährige filmte die Torturen mit seinem Handy und stellte anschließend Szenen in soziale Netzwerke. "Bei der Suche dieser Sequenzen halfen uns auch Bürger - dafür möchten wir uns bedanken", so Polizeirat Pogunke. Nach seinen Worten werden die Ermittlungen zu den tätlichen Übergriffen und zum Brandanschlag fortgesetzt.