Die archäologischen Grabungen auf der Hünenburg im Großen Bruch sind für dieses Jahr abgeschlossen worden. Sie werden als sehr erfolgreich gewertet.

Watenstedt l Zum Abschluss referierte Grabungsleiter Immo Heske vor rund 120 Interessierten über die "Entstehung der Hünenburg mit ihrer Unterstadt" und stellte aktuelle Befunde vor.

"Im 13./12. Jahrhundert vor Christi Geburt entstanden die ersten Burgen", betonte der Archäologe. "Am Heeseberg gab es um 1265 bis 1132 vor Christus eine Siedlung der mittleren Bronzezeit." Die Hünenburg als älteste Befestigung sei ab 1130 bis 1020 vor unserer Zeitrechnung entstanden. Es gab Einflüsse aus Südwestdeutschland.

"Wir wollen wissen, wie sich die Hünenburg entwickelte, gruben deshalb auch auf einer Fläche bei Jerxheim und wollten erforschen, ob sich dort ein Vorwerk befindet", erklärte Heske. Diese Siedlung kann nach den bisherigen Funden in die frühe Eisenzeit 800 bis 700 Jahre vor Christi datiert werden. In diesem Jahr forschten 20 Personen auf vier verschiedenen Flächen. Dazu gehörte erneut ein Bereich in der Nähe des Baches Soltau. "Etwa 700 Meter von der Burg entfernt haben wir hunderte Steine, die als Gargruben benutzt worden sind, entdeckt", berichtete der Archäologe. Dort unten, nicht weit vom Großen Bruch entfernt, ist ein "heiliger Bezirk" gewesen. Erst 2010 wurde dieses Areal entdeckt, das das Kultgeschehen um 900 vor Christi schlaglichtartig verdeutlicht. Hier wurde vor wenigen Wochen ein großer Opferstein geborgen, der genauer untersucht wird. Erst kurz vor Beendigung der diesjährigen Ausgrabungen legten die Studenten drei besondere Steine frei, darunter einen Mahlstein. Im nächsten Jahr soll in diesem "heiligen Bezirk" erneut gegraben werden.

Am Burgwall, wo in diesem Sommer eine neue Mauer freigelegt wurde, wird im nächsten Jahr weitergeforscht. "Die neuen Funde vom Wall sind bronzezeitlich", informierte der Grabungsleiter, der im Jahr 2015 zusätzlich westlich der Außensiedlung (Richtung Watenstedt) und bei Warle (Landkreis Wolfenbüttel) graben möchte.

Junge Pferde als Herrschaftsgeschenke

Immo Heske ging auf ein Pferdeskelett ein, das erst eine Woche vor Grabungsende geborgen wurde. Es lag in 1,60 Meter Tiefe und war nach Nordosten ausgerichtet. Am Fundort, in der Unterstadt, lebten vor rund 3000 Jahren etwa 500 Menschen. "Junge Pferde sind vermutlich Herrschaftsgeschenke gewesen." Ob es sich um ein Tieropfer oder eine Pferdebestattung handelt, müsse noch herausgefunden werden.

Das Pferd lag auf dem Rücken, die Knochen und der Schädel sind aneinandergereiht. Es ist erst das zweite Pferdeskelett, das in der Unterstadt der einst mächtigen Hünenburg gefunden wurde. Zuerst wurde ein niedergelegtes Rind vermutet.

Die Anthropologin Nicola Silber, die zusammen mit Immo Heske und dem Studenten Simas Marcinauskis von der Universität Klaipeda (Litauen) das Pferdeskelett freilegte, hatte in den vergangenen Monaten Proben von 15 Pferdeknochen untersucht. Ihre wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben, dass zwei Pferde nördlich der Alpen und ein Pferd im Schwarzwald geboren worden sind. Silber befasste sich mit der Mobilität der Pferde vom Hünenburggelände. Diese Tiere legten vor fast 3 000 Jahren weite Wege zurück.

Pferde hatten zwischen dem 10. und 9. Jahrhundert einen hohen Stellenwert. Sie dienten als Transporttiere und Reitpferde für die Oberschicht. Der aktuelle Hünenburg-Fund wird später von der Anthropologin Silke Grefen-Peters in Braunschweig untersucht. Nicola Silber von der Universität Mainz, die aus dem südlichen Harzvorland stammt, wird zwei Pferdezähne genauer analysieren.

Immo Heske wies noch auf zwei weitere besondere Funde hin. Über dem Pferdeskelett wurde in einer anderen Grabungsschicht eine schön verzierte Tasse geborgen, die in das 8. Jahrhundert vor Christi datiert wird. "Sie ist weniger heimisch und vermutlich sächsisch", lauten die ersten Untersuchungsergebnisse des Grabungsleiters. Weiter unten in Richtung Landesgrenze entdeckten Studenten auf einem anderen Hünenburg-Grabungsgelände in einer früheisenzeitlichen Grube einen riesigen Stein, der vermutlich für Zeremonien diente.

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