Immer weniger Pflegepersonal für steigende Patientenzahlen belastet die Pflegebranche. Mit einem Förderwettbewerb sucht der Bund die besten Ideen für künftige Modelle, Halberstadt ist unter den besten 20.

Halberstadt l Halberstadt gehört zu den 20 besten Ideengebern eines bundesweiten Wettbewerbs. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Harz reichte die Stadt im Mai ihre Projektidee beim Bundesbildungsministerium ein - so wie 124 andere Kommunen. Die Skizze des Halberstädter Strategieprojekts trägt den etwas sperrigen Namen SEVIP V - Sektorübergreifende Vernetzung in Pflege und Versorgung. Nun muss das Projekt verfeinert werden, da nur die besten fünf der 20 in die engere Wahl gezogenen Vorhaben Fördergeld vom Bund erhalten werden.

Thomas Rimpler, der als Leiter des städtischen Unternehmerbüros das Vorhaben koordiniert, äußerte sich beim Pressegespräch in dieser Woche ob dieses Erfolges optimistisch über den weiteren Projektverlauf: "Das Ergebnis dieser Bewertung zeigt uns, dass wir mit unseren Ideen und denen unserer Partner bereits auf dem richtigen Weg sind."

Aufgrund des zunehmenden Mangels an Fachkräften im Pflegesektor will der Bund neue Pflegemodelle und Techniken entwickeln lassen, die richtungsweisend für Deutschland werden. Antje Hoffleit, künftige Organisations- und Redaktionsleiterin von SEVIP V, verdeutlichte, dass mit moderner Technik Pflegekräfte entlastet werden können, wodurch Arbeitsabläufe effizienter gestaltet werden. Dadurch komme den Patienten mehr direkte Betreuung zu. Über diesen Ansatz soll der Pflegeberuf für junge Menschen wieder attraktiver werden. In Anbetracht des gravierenden Personalmangels sind solche Überlegungen nicht unwichtig.

Seine Konkurrenzfähigkeit stellt das Projekt aus Halberstadt auch duch Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern wie der Hochschule Harz, Xpert coorperation GmbH und der METOP GmbH sicher. Durch diese Partner stehen Experten aus den Bereichen Pflege, Forschung, Medizin, Kommunikation, Planung, und Informationstechnik hinter dem Projekt. Erste Ansätze für technische Hilfsmittel sind beispielsweise eine bilinguale Pflegesoftware zur Integration von ausländischem Pflegepersonal sowie automatisierte Systeme zur Arbeitserleichterung für das Pflegepersonal. Außerdem sollen kleine Programme für moderne Mobiltelefone Patienten mit einer Sehschwäche helfen, Medikamente zu erkennen, ihnen die korrekte Einnahme erklären und die Beipackzettel oder Rezeptanweisungen vorlesen.

"Es geht uns darum, ein tragfähiges und langfristig nutzbares System zu entwickeln. Damit sich spürbare Verbesserungen für die Menschen ergeben, müssen regionale und kommunale Akteure maßgeblich eingebunden sein sowie die Erarbeitung und Umsetzung der Lösung mittragen", äußert sich Rimpler.

Bis zum 30. April nächsten Jahres muss das Konzept vorgestellt werden und einer Prüfung durch eine Expertenrunde im Bundesministerium standhalten. Gelingt dies und damit der Sprung unter die besten fünf eingereichten Vorhaben, wird der Bund die Umsetzung der Strategie in den kommenden Jahren bis zu 100 Prozent und mit bis zu fünf Millionen Euro unterstützen.

Rimpler betont, dass noch Unterstützungsbedarf durch Unternehmen mit Bezug zum Pflegesektor besteht. "Für die Unternehmer ist es ein reiner Mehrwert, da sie sich voll einbringen können, eine Förderung durch den Bund erhalten und das Eigenrisiko bei der Entwicklung neuer Konzepte minimieren."

Der offizielle Anstoß zum Projekt findet am Montag, dem 10. November, um 17 Uhr in einer sogenannten Kick-Off-Veranstaltung im Halberstädter Ratssaal statt. Theo Struhkamp, als Vertreter der Staatskanzlei des Landes Sachsen-Anhalt, und Thomas Rimpler, Leiter des Unternehmerbüros der Stadt, werden Die Veranstaltung mit zahlreichen Gästen aus Verwaltung, Gesundheitswesen, Forschung und Wirtschaft eröffnen.

Ansprechpartner im Unternehmerbüro ist Jörg Willeke, Telefon (0 39 41) 55 18 02, E-Mail an willeke@halberstadt.de.