Ein Baumwolltuch als Verband, um weitere Schäden zu vermeiden. Lose Blätter, zerrissene Innenseiten, klappernde Deckel. Zahlreiche Bücher im Gleimhaus bedürfen der Sanierung. Vor allem jene, die 1997 als ehemaliges Beutegut aus Georgien nach Halberstadt zurückkehrten.

Halberstadt l Behutsam öffnet Annegret Loose das Buch aus dem Jahr 1591. Der Einband fällt schon ab, Löcher zieren die Blätter. Handlungsbedarf für Papierrestauratoren. Doch wie die Fachleute bezahlen? Immerhin kann das Sichern und fachgerechte Restaurieren schon mal mehrere hundert Euro pro Buch kosten.

Die Bibliothekarin des Gleimhauses kann selten auf Fördergeld für solche Aufgaben hoffen. Deshalb griff sie 2006 dankbar die Idee von Buchpatenschaften auf. "Vor allem unsere aus Georgien und Armenien zurückgekehrten sogenannten Beutebücher bedurften und bedürfen dringend einer Sanierung", sagt Loose. 1997/1998 waren rund 700 nach dem Zweiten Weltkrieg von der Roten Armee beschlagnahmte Bücher nach Halberstadt zurückgekehrt. Sie waren unter teilweise katastrophalen Bedingungen gelagert worden. "In erster Linie sind sie durch Feuchtigkeit beschädigt worden", erklärt Loose. Ohne Restaurierung sind sie nicht zu benutzen, geschweige denn wieder in die Regale zu stellen.

Als 2006 das Projekt Buchpaten ins Leben gerufen wurde, gab es rasch große Resonanz. "Mittlerweile ist kein Monat vergangen, in dem sich nicht etwas in Sachen Buchpatenschaften getan hat", erzählt die Fachfrau. Wobei die Patenschaft über ein Buch oder auch mehrere übernommen werden kann. "Es können sich aber auch mehrere Paten die Restaurierung eines Buches teilen", sagt Loose.

Inzwischen sind 33 Patenschaften abgeschlossen worden. Dahinter verbirgt sich eine Spendensumme von 14 361,29 Euro. "Ein wirklich großartiger Erfolg", sagt die Halberstädterin, die deshalb den Paten gerne einmal öffentlich danken wollte. So entstand die Idee zu einer Sonderausstellung im Gleimhaus. "Neues Leben für alte Bücher" heißt sie und wird am Sonntag, dem 25. Januar, um 11.15 Uhr eröffnet. Eingeladen wurden alle Buchpaten, die sich teilweise zum ersten Mal persönlich über den Erfolg ihrer Unterstützung informieren können. "Wir zeigen alle restaurierten Bücher", so Loose, "und auch Beispiele dafür, wie die Bücher vor der Restaurierung aussehen." So gibt es eines, das mit einem baumwollenen Stoffstreifen zusammengebunden ist, damit es nicht weiter aufsperrt und den Einband noch mehr beschädigt. "Der große Atlas über die ganze Welt" von 1731 gehört ebenfalls zu den "Patienten", ein kunstvoller Himmelsatlas aus dem 18. Jahrhundert hat die Kur bereits hinter sich.

Doch allein rund 100 "Beute-Bücher" lagern noch in säurefreien Kartons, weil sie so sehr beschädigt sind, dass sie nicht zu den rund 12 000 anderen Bänden ins Regal können, die den Bestand der Gleimhaus-Bibliothek ausmachen. Auch Bücher aus Schenkungen müssen oft erst repariert werden, bevor sie nutzbar sind. Regelmäßig aktualisiert Annegret Loose die Liste der auf Paten wartenden Bücher auf der Internetseite des Gleimhauses.

Zur Eröffnung der Kabinett-Ausstellung, die bis zum 8. März zu sehen sein wird, sind auch die Restauratorinnen eingeladen.