Sowohl das Fallstein-Gymnasium Osterwieck als auch die Sekundarschule "Thomas Mann" Dardesheim haben sich bei Tagen der offenen Tür den baldigen Fünftklässlern vorgestellt. Es ist kein Werben um jeden Preis. Beide Schulen sind bestens ausgelastet.

Osterwieck/Dardesheim l 576 Schüler lernen derzeit in 28 Klassen am Fallstein-Gymnasium. Und wenn zum neuen Schuljahr wieder drei fünfte Klassen gebildet werden können, sind die beiden Gebäude mit ihrer Raumkapazität ausgelastet. Dabei laufen derzeit die Klassenstufen sieben bis zehn sogar vierzügig. Entlastung könnte der Umzug der Bibliothek aus der Schule in den benachbarten "Bunten Hof" bringen, dessen Sanierung zum Jahresende abgeschlossen sein soll. Drei Räume hätte die Schule dann mehr zur Verfügung.

Beim Tag der offenen Tür am Sonnabend spielte das aber keine Rolle. Schulleiterin Sylvia Gemeiner erläuterte vor Kindern und Eltern die drei Säulen der Schule. Neben dem Unterricht sind das die jeweils bereits seit 1997 laufende Ganztagsschule und die Integration behinderter Schüler. Auch eine Besonderheit: Die Unterrichtsstunde am Fallstein-Gymnasium dauert 90 Minuten.

Bei den Ganztagsangeboten bis gegen 15 Uhr können die Schüler vor Ort mit fachlicher Unterstützung gleich ihre Hausaufgaben erledigen. Da-rüber hinaus gibt es eine Reihe Arbeitsgemeinschaften, auf die Gemeiner aufmerksam machte: vom Sport bis zum Theater, von Lego-Technik bis zum Chor und einer Band. Und auch zwei Schülerfirmen gibt es.

Die meisten Gymnasiasten kommen von außerhalb nach Osterwieck und sind auf den Bus angewiesen. Der Einzugsbereich umfasst 13 Grundschulen, darunter drei in Niedersachsen. Wobei sich die Schulleiterin bei den Informationsabenden mit den Eltern der Viertklässler auf die Grundschulen Bühne, Osterwieck, Hessen und Badersleben konzentriert. Dann gemeinsam mit Helga Hirth, ihrer Amtskollegin von der Sekundarschule Dardesheim.

Dieses Jahr fanden diese Elternabende übrigens erstmals nicht an den vier Grundschulen, sondern in zwei Veranstaltungen an den weiterführenden Einrichtungen statt.

Nach Information der Dardesheimer Rektorin Helga Hirth lernen in diesen vier Grundschülern etwa 130 Viertklässler, die nun vor der Entscheidung stehen, welche weitere Schullaufbahn sie im Sommer angehen. Aus Erfahrung der letzten Jahre entscheide sich jeweils etwa die Hälfte fürs Fallstein-Gymnasium und die Sekundarschule "Thomas Mann". Nach Osterwieck kommen darüber hinaus nach wie vor viele Kinder aus den Räumen Nordharz, Ilsenburg und Niedersachsen. In Osterwieck freut man sich, dass unter den niedersächsischen Kindern trotz der Einführung von Integrierten Gesamtschulen in Wolfenbüttel nach wie vor Interesse am Fallstein-Gymnasium besteht.

Die Entscheidung über die weitere Schullaufbahn sollte für Kinder und Eltern keine Qual der Wahl sein. Sowohl Sylvia Gemeiner als auch Helga Hirth sprachen von einer guten Vorbereitungsarbeit in den Grundschulen, die jedem Kind eine entsprechende Empfehlung geben. Im Ergebnis hätten sich in den letzten Jahren die Eltern an die Empfehlungen gehalten. Letztendlich entscheide der Elternwille. Beide weiterführenden Schulen sind an einem Projekt beteiligt, das den Kindern den Übergang an die neue Schule erleichtern soll.

Ein Schulwechsel ist auch später immer noch möglich. Zum laufenden Schuljahr seien zwölf Schüler vom Gymnasium zur Sekundarschule gewechselt, berichtete Helga Hirth. "Wir hatten auch schon mehr." Umgekehrt hätten gute Sekundarschüler die Möglichkeit zum Übergang ans Gymnasium, um das Abitur abzulegen. Hirth verwies auf zwei Dardesheimer Absolventen der zehnten Klassen, die nun am Gymnasium sind und auch dort gute Leistungen zeigten.

Eine äußerst vielschichtige Thematik ist die Beobachtung, dass nicht selten nur etwa die Hälfte der einstigen Fünftklässler an derselben Schule bis zum Abitur durchkommt. Das liege keinesfalls nur an den Leistungen, berichtete Sylvia Gemeiner. Es ergäben sich oft auch neue Sichtweisen und Möglichkeiten für die Schüler zum Beispiel durch eine Berufsausbildung oder das Abitur über den zweiten Bildungsweg.

In Dardesheim, wo der Tag der offenen Tür eine Woche zuvor stattfand, lernen derzeit 430 Schüler in 19 Klassen, wie Helga Hirth berichtete. Es stünden aber nur 15 Klassenräume zur Verfügung. Hinzu komme der Raumbedarf für Wahlpflichtkurse in klassenübergreifenden Gruppen sowie der Bedarf an kleineren Räumen für den sogenannten gemeinsamen Unterricht mit Förderschülern. Einen angestrebten Neubau zur Erweiterung der Thomas-Mann-Schule könne es in den nächsten zwei Jahren aus Finanzgründen nicht geben, berichtete die Rektorin nach einem Gespräch beim Schulträger. Der Landkreis habe aber die Probleme erkannt und suche nach einer Lösung.

Oft gebaut wird seit eineinhalb Jahren am Fallstein-Gymnasium. Hier betrifft es derzeit vor allem Brandschutz- und Sicherheitseinrichtungen. Mehrere neue barrierefreie Fluchtwege sind in beiden Gebäuden installiert worden.