Es scheint, als ob Walburga Rößling doch noch ein wenig späte Gerechtigkeit zuteil wird. Nach dem tragischen Tod ihres Sohnes zahlt der im April 2013 wegen fahrlässiger Tötung verurteilte Täter nun die Bewährungsauflagen. Nachdem die Volksstimme berichtet hatte, kam Bewegung in den Fall.

Klein Quenstedt l Dezember 2014 und Januar 2015: Zwei Monate, die Geschichte sind. Zwei Monate aber auch, die für Walburga Rößling aus Klein Quenstedt in einem ganz entscheidenden Punkt andere waren als die Monate zuvor. Erstmals hat Steven G. an die Rößlings Geld überwiesen. Geld, das er zahlen muss, weil er aus Sicht der Richter maßgeblich schuld am Tod von Walburga Rößlings Sohn Philipp hat. Deshalb, so der Richterspruch, soll die Bewährungsauflage - insgesamt 7200 Euro Geldstrafe - nicht an die Staatskasse fließen, sondern direkt an die Hinterbliebenen. Allein: Steven G. ficht das viele Monate lang nicht sonderlich an. Er zahlt einfach nicht. Erst als die Volksstimme dies öffentlich macht, bekommt der Fall eine Wendung und Rößlings ein kleinwenig späte Genugtuung.

"Mir geht es nicht um das Geld. Mir geht es darum, dass der Täter in den nächsten Monaten stets daran erinnert wird, was er Philipp angetan hat."

Walburga Rößling, Mutter des Opfers

"Ich habe damit fast schon gar nicht mehr gerechnet", sagt Walburga Rößling heute. Gleichwohl habe die Sache im Herbst vorigen Jahres jene entscheidende Wende genommen. Kurz zuvor war mit der Berichterstattung öffentlich geworden, wie Steven G. sowohl Justiz als auch Opfern buchstäblich auf der Nase herumtanzt. Er versteckt sich dahinter, keine Arbeit und keinen Führerschein zu haben und kommt damit monatelang durch.

Dann aber ist es Amtsgerichtsdirektor Frithjof Büttner höchstpersönlich, der sich den Fall auf den Tisch zieht und zusammen mit dem zuständigen Strafrichter Druck macht. Beiden schmeckt es ganz und gar nicht, wie sich G. aus der Affäre zu ziehen versucht. Sie laden den Straftäter vor und machen ihm die drohenden Konsequenzen seines Handelns klar. Zahlt er nicht, droht ihm Gefängnis.

Zu einem Jahr und einem Monat Haft war G. im September 2012 vom Landgericht Magdeburg verurteilt worden. Die Haft wurde gegen Zahlung von 7200 Euro an die beiden Hinterbliebenen zur Bewährung ausgesetzt. Ein Richterspruch, mit dem Walburga Rößling hadert. Sie geht in Revision. Die verwirft der Bundesgerichtshof im April 2013 und macht das Urteil rechtskräftig. Doch Steven G. zahlt nicht.

Mit dem Urteil bestrafen die Richter Steven G. für dessen Ignoranz und Menschenverachtung, die im Juni 2011 Philipp Rößling das Leben gekostet hat. Die beiden sind damals 21 und 22 Jahre alt. Sie feiern laut Urteilsbegründung eine Party. Beim Versuch, andere Jugendliche von einem Baum herab zu erschrecken, stürzt Philipp ab und verletzt sich.

Die Jugendlichen wollen einen Arzt rufen, Steven G. verhindert das. Er setzt seinen verletzten Kumpel einfach in dessen Auto und lässt ihn schließlich ohnmächtig dort zurück.

Auch am nächsten Tag, einem glühend heißen Sommertag, reagiert G. nicht und überlässt das Opfer sich selbst. Schließlich kollabiert Philipp im glühend heißen Auto und stirbt einen qualvollen Hitzetod. Die Quittung bekommt G. später vom Landgericht: Schuldig der fahrlässigen Tötung.

An dem Fakt, dass G., der schon zuvor mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, nicht hinter Gitter muss, hat Walburga Rößling bis heute zu knabbern. "Ich muss es leider hinnehmen." Daran, dass nicht auch noch ihr letzter Glaube in die Justiz erschüttert wurde, habe nun Gerichtsdirektor Büttner die entscheidende Aktie. "Er hat sich eingesetzt, dafür bin ich ihm sehr dankbar."

Und noch etwas möchte Walburga Rößling unbedingt öffentlich loswerden: "Mir geht es nicht um das Geld. Letztlich muss mir der Täter nach der zivilrechtlichen Entscheidung noch viel mehr zahlen. Mir geht es ums Prinzip und darum, dass Steven in den nächsten Monaten stets daran erinnert wird, was er meinem Philipp angetan hat."