Bis die im November überfluteten Räume der Kindertagesstätte Lüttgenrode wieder genutzt werden können, werden wohl noch fast drei Monate vergehen. Derweil haben sich die größeren Kinder und die Erzieherinnen in dem Notquartier eingelebt.

Lüttgenrode l Sie machen das Beste aus der Situation. Als Mitte November die gesamte Kindertagesstätte nach einem Rohrbruch zentimeterhoch unter Wasser gestanden hat, war der Schock groß. Die Kinder wurden zunächst auf drei Einrichtungen in Nachbarorten aufgeteilt. Die Stadt ließ derweil einen zuvor als Lager genutzten, etwas höher gelegenen Raum im Gebäude herrichten, sodass seit dem Jahreswechsel wenigstens die Mädchen und Jungen ab drei Jahre wieder im vertrauten Umfeld betreut werden können. Freilich weiter mit Einschränkungen. Zweieinhalb Räume haben die momentan 25 Kinder zum Spielen zur Verfügung. Darin befinden auch Küchenzeile und Waschmaschinen. Ein Container draußen vor der Tür beherbergt die kindgerechten Sanitäranlagen.

"Die Kinder sind glücklich, dass sie mit ihren Freunden wieder zusammen sein können", berichtet Leiterin Heike Hundertmark-Wedde. Wenngleich sich alle einschränken müssen. "Die Kinder bekommen von uns ihre Beschäftigungsangebote, aber wir müssen Abstriche in der pädagogischen Arbeit machen." Mitunter sind es die tausend kleinen Dinge, die mehr Zeit für anderes erfordern. Vor allem die Nutzung des Sanitärcontainers draußen. Das bedeutet jedes Mal, Straßenschuhe und Jacke anzuziehen. Alle Kinder müssen dorthin von einer Erzieherin begleitet werden, sei es nur zum Händewaschen. "Als es draußen sehr kalt war, haben wir uns mit dem Jugendklub verständigt, dass wir dessen Toiletten mit nutzen dürfen." Dieser befindet sich in einem Nebenraum mit Durchgang zur Tagesstätte.

Aber Hundertmark-Wedde sieht auch positive Aspekte in der Notunterkunft. "Es herrscht ein familiärer Charakter." Die Kinder sind viel mehr in die Hauswirtschaftsarbeiten eingebunden, interessieren sich für Geschirrspüler und Waschmaschinen.

Zu dritt arbeiten die Erzieherinnen jetzt in Lüttgenrode. Sonst sind sie zu fünft. Abstriche bei den Öffnungszeiten gibt es nicht. Die Krippenkinder werden weiter anderenorts betreut. Sechs Knirpse in Wülperode bei ihrer vertrauten Erzieherin, und zwei im "Kinderland" Osterwieck. Eine Mitarbeiterin "springt" zwischen den Einrichtungen.

"Wir haben nun erlebt, wie schnell alles anders sein kann", blickt Heike Hundertmark-Wedde zurück. Auch die Kinder hätten die Zeit unmittelbar nach dem Wasserschaden nicht ohne Weiteres weggesteckt. Erzieherinnen haben ein Gespür dafür. Drei Kinder seien den Rest des alten Jahres gar nicht mehr gekommen. Wegen Krankheit, aber auch, weil die Eltern keine Möglichkeit hatten, in die Nachbarorte zu fahren. Die Lüttgenröder Senioren, die zu Geburtstagen von den Kindern besucht werden, haben in dieser Zeit die gewohnten Ständchen vermisst.

Aber die Lüttgenröder Kita hat zahlreiche Spenden bekommen. Geld und Spielzeug. Zuletzt auf dem Osterwiecker Neujahrsempfang, von der Bundestagsabgeordneten Heike Brehmer (CDU) organisiert. "Das Spielzeug ist sehr schön, für jedes Alter ist etwas dabei." Die Dinge für die Krippenkinder bleiben noch in der Kiste, bis sie wieder daheim in Lüttgenrode sein können.

Das wird voraussichtlich Anfang Mai sein können, wie Detlef Schönfeld, Bau-Fachbereichsleiter in der Stadtverwaltung, berichtete. Am 19. Februar soll es die Bauanlaufberatung mit den beteiligten Firmen geben, am 23. Februar soll der Baubeginn für die Sanierungsarbeiten sein. Die Aufträge seien alle vergeben.

Noch im alten Jahr war der nasse Fußboden herausgenommen worden. Dann mussten die Räume weiter trocknen. "Die Kinder haben sich mit den Handwerkern gut verstanden", schaut Heike Hundertmark-Wedde daher zuversichtlich auf die sicher lebhaften nächsten Wochen. Auch der städtische Bauhof wird, wenn es später ans Einrichten geht, sicher wieder dabei sein. Die Leiterin: "Der Bauhof hatte vor Weihnachten dazu beigetragen, unsere großen Probleme kleiner zu machen. Hut ab, was Handwerker und Bauhof geschafft haben."