Schmale Spur, Hingucker schlechthin und absoluter Magnet, wann immer die so ganz speziellen Gefährte aus dem Schuppen rollen: die Feldbahn in Schlanstedt. Jetzt haben die Vereinsmitglieder auf ihrer Jahreshauptversammlung Bilanz gezogen und nach vorn geschaut.

Halberstadt/Schlanstedt l "Seit unser Verein im Jahr 1991 gegründet wurde, hat sich viel getan am Rande von Schlanstedt." Mit diesen Worten eröffnete Klaus Kunte seinen Rechenschaftsbericht auf der Jahreshauptversammlung des Feldbahnervereins. Gemeint war damit insbesondere das Engagement der Feldbahner, die ihre Schmalspurgleise bekanntlich am Rande des Huy-Ortsteils verlegt haben. Kuntes Bilanz fiel positiv aus: "Wir haben hin und wieder zwar kleine Rückschläge hinnehmen müssen, doch insgesamt steht inzwischen eine Menge auf der Habenseite." 2014 nannte der Vereinsvorsitzende ein ereignis- und arbeitsreiches Jahr, in dem mit wenigen Leuten sehr viel geschaffen worden sei.

Im Mittelpunkt habe der Umbau der Werkstatt gestanden. "An allen Bautagen wurde echt geschuftet", sagte Kunte. Und ergänzte mit sichtlichem Stolz: "Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Dafür danke ich allen Beteiligten ganz besonders." Bis auf die Maurerarbeiten, die von einer Schlanstedter Firma hervorragend erledigt worden seien, hätten die Mitglieder alles in Eigenregie gemacht. Nachdem die Fenster mit 60 kleinen Scheiben eingesetzt worden waren, wurden noch vor Beginn der Frostperiode die Tore montiert.

Und damit nicht genug: Neben den arbeitsintensiven Wochenenden präsentierte sich der Verein unter anderem noch beim Schachfest in Ströbeck. Was ein alles andere als leichtes Unterfangen war: Extra zum Fest seien ein Schienenkuli samt Waggons und Gleisen ins Schachdorf bugsiert worden. Analoges sei beim Straßenbahnfest in Naumburg geschafft worden.

Vor allem aber garantierten die Mitglieder mit ihrem persönlichen Engagement die im Jahresverlauf geplanten Betriebstage ihrer Strube-Bahn in Schlanstedt. Im Februar 2014, erinnerte Kunte, begannen die Vorbereitungen für die Saisoneröffnung mit der Maschinen- und Landschaftspflege.

Gerade letzteres sei eine besondere Herausforderung. "Denn unsere Feldbahn kann nur rollen, wenn der Schienenstrang grasfrei ist. So müssen alle zwei Wochen 3000 Quadratmeter gemäht werden", nannte Kunte konkrete Zahlen. Dafür richtete der Vorstand besonderen Dank an Steffen Schramm.

Nach der österlichen Fahrt in den Frühling und dem traditionellen Rollen des übergroßen stählernen Ostereis zählt der jährliche Pfingstfahrtag zu den besucherintensiven Veranstaltungen. Und: Zur Jahresmitte 2014 konnten die Besucher schon große Fortschritte beim Werkstattbau feststellen.

"Diesmal hatte sich Pfingsten der Kräuterverein bei uns präsentiert und etliche Leute angezogen", erinnerte Kunte, "von dieser Veranstaltung haben alle profitiert". Nachdem im August die Jugendfeuerwehr Groß Quenstedt begeistert die Feldbahn erlebt hatte, lockte das Erntedankfest am 28. September noch einmal zahlreiche Besucher nach Schlanstedt.

Doch mit dem Saisonende trat längst noch keine Ruhe ein. Denn anlässlich des Lichterfestes auf der Wasserburg Zilly fuhren Kinder und vor allem die Lichterfee mit einer Handhebel-Draisine und einer rollenden Gartenbank von Westeregelner Feldbahnern auf transportablen Gleisen der Schlanstedter zur Weihnachtspyramide.

Für Kunte sind sowohl Ströbeck als auch Zilly tolle Beispiele, die zeigen, wie bekannt und beliebt die Schlanstedter Bahn in der Region ist. "Beim Schachfest in Ströbeck und auch beim Lichterfest in Zilly wollen wir auch in diesem Jahr gern wieder mit dabei sein", warf sein Vereinskollege Constantin Schnee ein.

Mit Stolz berichtete der Vereinsvorsitzende, dass man einen Feldbahnwagen mit einer Rampe versehen habe und damit nun auch Rollstuhlfahrer die Bahn problemlos nutzen können. Dieses behindertengerechte Angebot habe sogar Platz in einer Broschüre des Fremdenverkehrsvereins gefunden.

Nach Kassen- und Kassenprüfbericht sowie Entlastung des Vorstandes erfolgte die Neuwahl des Vorstandes. Einstimmig schenkten die Mitglieder Klaus Kunte als Vorsitzenden, Michael Klein als dessen Stellvertreter und Caroline Schnee als Schatzmeisterin erneut das Vertrauen. Manfred Lippert wurde zum Kassenprüfer gewählt.

"Für dieses Jahr haben wir keine Investitionen geplant", sagte Michael Klein. "Wir werden noch Restarbeiten an der Werkstatt erledigen und dann einziehen. Für dieses große Projekt haben wir all das Geld, was wir in den vergangenen Jahre angespart haben, fast verbraucht." Für den 21./22. März sei das erstes Bauwochenende geplant. Auf dem Programm stünden der Transport von Schienen, die Reinigung der Fahrzeuge und das Abölen der Loks, damit Ostern die Feldbahnsaison 2015 eröffnet werden kann.

Weil das Thema Sicherheit bei den Feldbahnern eine sehr wichtige Rolle spielt, fand kurz vor dem Ende der Versammlung noch eine Schulung statt für alle, die an rollenden Rädern arbeiten. "Die regelmäßigen Schulungen sind Bestandteil der Dienstvorschrift", unterstrich Constantin Schnee und verwies darauf, dass in den vergangenen Jahren noch nie etwas passiert sei. Das solle weiterhin so bleiben.

Anlässlich der Versammlung stimmten alle Teilnehmer dem Antrag von Ludwig Seiwert zu und nahmen ihn als 18. Vereinsmitglied auf. "Dem Gewinnen von interessierten neuen Mitgliedern wollen wir uns weiterhin widmen", verabschiedete Constantin Schnee als Gastgeber des Tages seine Mitstreiter.