Der langjährige Kommunalpolitiker und Vize-Ortsbürgermeister Ströbecks, Maik Ledderbohm (CDU), hat das Handtuch geworfen und zieht sich aus dem Ortschaftsrat zurück. Er hat resigniert und ist damit nicht allein.

Von Dennis Lotzmann

Schachdorf Ströbeck/Halberstadt l Offiziell ist mit Blick auf den Rückzug von persönlichen Gründen die Rede. Gegenüber der Volksstimme spricht der 41-Jährige jedoch Klartext: "Ich sehe in der Arbeit in diesem Gremium keinen Sinn mehr, weil wir einfach nichts mehr entscheiden und gestalten können." Mangels Perspektiven wolle er seine Kraft deshalb künftig anderweitig einsetzen.

Eine Entscheidung, die im Schachdorf für Diskussionen sorgt und den Ortschaftsrat personell schrumpfen lässt, weil keiner der drei möglichen Nachrücker das Mandat übernehmen will. Bei der jüngsten Kommunalwahl hatten noch Ina Schellbach, Christian Harig und Olaf Mann auf der CDU-Liste zur Wahl gestanden und in dieser Reihenfolge Wählerstimmen geholt. Rechnerisch würde mit dem Ausscheiden von Maik Ledderbohm nun als nächstfolgende die parteilose Anwärterin Ina Schellbach nachrücken. Die habe aber ebenso abgewunken wie Christian Harig und zuletzt Olaf Mann als weitere Anwärter auf der CDU-Liste, heißt es aus dem Rathaus.

Ina Schellbach sieht bei ihrer Verzichtsentscheidung ähnliche Gründe wie Maik Ledderbohm: "Es ist vor allem Resignation. Man hat viele Ideen, will etwas bewegen, investiert viel Zeit und hat unterm Strich nur noch sehr wenige Gestaltungsmöglichkeiten", so die ehemals langjährige Kommunalpolitikerin. Schellbach war von 1999 an drei Legislaturperioden zunächst im Gemeinde- und später im Ortschaftsrat aktiv. Sie kann daher die Gestaltungsspielräume sowohl vor als auch nach der Eingemeindung Ströbecks in die Kreisstadt vergleichen.

"Ich hatte schon bei der Kommunalwahl 2014 überlegt, ob ich überhaupt noch mal kandidiere." Sie habe es dann doch getan, allerdings nicht genug Stimmen für den sofortigen Einzug bekommen. "Und mittlerweile ist bei mir die Erkenntnis gereift, dass es einfach keinen Sinn mehr macht", sagt sie.

Maik Ledderbohm, der nach eigenen Worten ebenfalls schon drei Legislaturperioden im Gemeindeparlament tätig und zuletzt einer der Stellvertreter von Ortsbürgermeister Jens Müller (SPD) war, sieht vor allem die leeren Kassen in der Kreisstadt als einen Grund. "Wir haben hier nix mehr zu entscheiden, weil die Kassen leer sind. Hier geht einfach nichts mehr weiter."

Daher habe er - trotz seiner innigen persönlichen und familiären Verwurzelung im Schachdorf - jetzt einen radikalen Schnitt vollzogen: Raus aus dem Ortschaftsrat und auch raus aus der freiwilligen Feuerwehr. "Ich bin komplett raus", sagt er.

Untätig sei er trotzdem nicht. "Ich konzentriere meine Aktivitäten und meine Kraft künftig auf Dingelstedt und den Huy." Dort agiere er als Leiter der Forstbetriebsgemeinschaft Dingelstedt, dort habe er Leute kennengelernt, die was bewegen. Trotz der nicht minder großen finanziellen Sorgen im kommunalen Haushalt der Gemeinde Huy. Aber: "Dort schauen die über den Tellerrand hinaus, versuchen einfach gemeinsam, aus der Situation und den Umständen das Beste zu machen", sagt Ledderbohm. Genau das fehle ihm mittlerweile in Ströbeck und im großen Stadtgefüge. "Im Huy sitzen alle an einem Tisch. Da gibt es pfiffige Leute, die noch für ihre Idee brennen. Bürgermeister Thomas Krüger macht einen tollen Job."

Ströbecks Ortsbürgermeister Jens Müller (SPD) bedauert Ledderbohms Entscheidung sehr, signalisiert aber durchaus Verständnis. Maik - im Dorf ist man per Du und das Parteibuch eher Nebensache - habe sich immer engagiert. "Ich konnte ihn nicht umstimmen. Leider."

Sobald das Gespräch in die Tiefe geht, wird auch bei Müller die Ernüchterung unüberhörbar. "Wir Ortschaftsräte wollen gestalten, was bewegen - die Stadt aber kann und muss nur verwalten, weil sie kein Geld hat", sagt der Sozialdemokrat. Und wahrscheinlich sei dieser Vergleich eins zu eins auch auf die Stadträte in Halberstadt übertragbar.

Jens Müller gibt sich keine Mühe, seine persönliche Ernüchterung zu überspielen. "Es ist und bleibt ein harter Kampf, den wir Ortschaftsräte ausfechten." Nach der Eingemeindung sei viel angeschoben worden zwischen den Dörfern und der Kernstadt. Und es sei mitunter auch Porzellan zerschlagen worden, erinnert Müller. Aber: "Letztlich haben wir uns hör- und bemerkbar gemacht und die alten Fehltritte vergessen."

Ausschüsse seien gekommen, hätten in den Ortsteilen getagt, auch Runden mit dem Oberbürgermeister habe es gegeben. "Und jetzt", fragt Müller rhetorisch. "Jetzt ist alles wieder Geschichte. Die Politik wird allein in der Stadt gemacht, die Ortsteile sind wieder an den Rand gerutscht. Wenigstens der Oberbürgermeister sollte mal wieder zu Beratungen rauskommen und mit uns durch die Dörfer gehen, um sich zu vergegenwärtigen, wie es hier ist", sagt der Ströbecker in Richtung Rathaus.

Müller ist aber auch ein Stück Relativierung wichtig: "Schuld daran, wie es jetzt ist, haben nicht nur die Verantwortlichen im Rathaus, sondern vor allem jene in Magdeburg, die per Gesetz bestimmt haben, dass alles so kommen musste."

Maik Ledderbohm will sich jetzt um den Erhalt der Ruine der Paulswarte kümmern. Das, sagt er, sei sinnvoll und bringe greifbare Ergebnisse.

 

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