Zahlreiche Veranstaltungen widmen sich in den kommenden Tagen einem Ereignis, das bis heute seine Spuren hinterlassen hat: Die Zerstörung Halberstadts am 8. April 1945. Dabei werden fast immer Brücken zur Gegenwart geschlagen.

Halberstadt l Wenn am 8. April kurz vor 11.30 Uhr die Kirchenglocken läuten, halten viele alte Halberstädter inne. Der Angriff am 8. April 1945 auf die alte Domstadt ist dann vielen wieder gegenwärtig. Innerhalb weniger Minuten verwandelte sich ein sonniger Frühlingstag in einen grauenvollen Tag der Zerstörung. Bis heute sind die Spuren des Angriffs im Stadtbild sichtbar, erste Ende der 1990er Jahre schloss sich eine der größten Lücken - das Stadtzentrum erwachte mit neuer Bebauung wieder zum Leben.

In den kommenden Tagen wird auf vielfältige Weise der Ereignisse im April 1945, ihrer Ursachen und ihrer Auswirkungen gedacht. Mit Lesungen, Diskussionsrunden, eindrücklicher Musik und einer Fotoausstellung, die bereits heute Abend um 17 Uhr im ersten Obergeschoss der Rathauspassagen eröffnet werden wird.

Auf mehreren Tafeln wird nicht nur zum Teil bislang unveröffentlichtes Bildmaterial des brennenden Halberstadt gezeigt. Es wird das lokale Geschehen eingeordnet in das Weltgeschehen. So erinnert eine der Tafeln daran, dass die erste Bombardierung von Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg der Angriff der Deutschen auf die englische Stadt Coventry war.

Zur traditionellen Kranzniederlegung im Gedenken an die Opfer des Angriffs auf Halberstadt gehören Reden. Die werden in diesem Jahr von sehr unterschiedlichen Menschen gehalten. So wird Prof. Jens Reich, aufgewachsen in Halberstadt und vor allem zu Wendezeiten als Bürgerrechtler bekannt geworden, sprechen. Auch die Superintendentin des evangelischen Kirchenkreises, Angelika Zädow, Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) und Florian Wolter, Schüler des Käthe-Kollwitz-Gymnasiums, werden sich an die Anwesenden wenden. In diesem Jahr wird zudem mit André Baud der Sohn eines Mannes Gastredner an der Ruine der Franzosenkirche sein, der die Grauen im Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge überlebte. Teilnehmer der Tage der Begegnung, die vom 10. bis 13. April stattfinden und die an die Befreiung des KZ Langenstein-Zwieberge erinnern, sind auch Gäste des großen Konzertes am 11. April in der Andreaskirche. Ab 15 Uhr werden die "Halberstädter Suite" von Hans Auenmüller erklingen sowie das "Dresdner Requiem" von Rudolf Mauersberger. Es musizieren das Johann-Sebastian-Bach-Ensemble Weimar, das Domvokalensemble Halberstadt, das Orchester des Nordharzer Städtebundtheaters und Solisten.