Osterwieck l Mit Uschi Retzlaff aus Wülperode und Astrid Hutengs aus Braunschweig stellen zwei Künstlerinnen ihre Werke seit Sonnabend im Osterwiecker Schäfers Hof aus, die auf den ersten Blick so ganz anders daher kommen. Die beiden Frauen, die schon einige Semester bei Lars Eckert an der Hochschule für Bildende Kunst (HBK) in Braunschweig Stil und Technik in Grafik und Malerei studierten, wollen hier neue Aus- und Hinsichten bieten.

Die Ausstellung ist bis Ende Mai im Galerieraum der spätmittelalterlichen Hofanlage, Kapellenstraße 27, zu sehen.

Die Braunschweigerin Astrid Hutengs entdeckte vor einigen Jahren ihr Talent für die Bildende Kunst neu, reduzierte ihre Arbeitszeit als Sozialpädagogin und schrieb sich als Gasthörerin an der HBK Braunschweig ein. Mehrere Kurse im In- und Ausland gaben neue Impulse und formten ihren eigenen Stil, der in den Collagen und Portraits sichtbar wird.

Die vor 13 Jahren mit zwei Kindern und Mann nach Wülperode gekommene Keramikerin Uschi Retzlaff hatte viele Jahre nicht die Muße, ihre künstlerischen Talente zu fördern und zu nutzen. Die Kinder, das alte Weberhaus im kleinen Dorf an der ehemaligen Grenze, das von Grund auf saniert werden musste und der Garten, ließen ihr einfach zu wenig Zeit.

Seit ein paar Jahren sind Tochter Tatjana Sarah und Sohn Jan Philipp erwachsen, und die engagierte Frau kann mit Erfolg ihrer künstlerischen Neigung folgen. Ausstellungen in der Wülperöder "Alten Tischlerei" und im Rathaus von Osterwieck fanden großen Anklang. Im Gegensatz zur Freundin Astrid Hutengs, mit der sie seit drei Semestern viel gemeinsam unternimmt, schlägt ihr Herz für die Malerei mit Ölfarbe und Ei-Tempera-Farben.

Waren es bislang Menschen und Landschaften, die sie in zurückhaltender Farbigkeit, aber auch in brachialer Farbgewalt auf die Leinwand brachte, folgten bald Bilder mit politischer und sozialkritischer Sicht. Die Fotoausstellungen, Reden, Filme und Zeitzeugen-Berichte zum Thema innerdeutsche Grenze und Wiedervereinigung anlässlich der Feiern zum 20. und 25. Jahr nach dem Fall der Mauer lenkten ihren Fokus auf diese Thematik. Das Foto vom Treffen eines DDR-Grenzsoldaten und eines Bundesgrenzschutzbeamten ging seinerzeit um die Welt. Uschi Retzlaff hat diese Szene in ihrer eigenen Farben- und Formensprache neu interpretiert. Die Besucher sind eingeladen, genau hinzusehen.

Die Ausstellung ist montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr sowie in Anwesenheit der Künstlerinnen am 16./17. Mai und am 30./31. Mai von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.