"Städtebauliches Vorhaben auf dem ehemaligen Kasernen- und Übungsgelände ¿Schwantes\'/Klusberge" heißt ein Projekt, mit dessen Verwirklichung in wenigen Wochen begonnen werden soll. Dazu gehören unter anderem ein Tiergehege, ein Ausflugslokal und ein Solarpark. Halberstadts Stadtrat hat sich im April mehrheitlich dafür ausgesprochen (Volksstimme berichtete).

Halberstadt/Harsleben. Guido Schneider und Dr. Nizar Jakish haben am 10. Mai in Halberstadt die Firma WW-Harzland GmbH i. G. gegründet. Jakish fungiert auch als Prokurist. Die Geschäftsführer sind er selbst, so Schneider, und Joachim Schweer. Das Stammkapital beträgt 25 000 Euro. Die beiden "W" stehen für "Wilde Weiden".

Durch das neue Unternehmen soll gemeinsam mit mehreren Partnern das Projekt auf dem ehemaligen Kasernen- und Übungsgelände an den Klusbergen umgesetzt werden. Die Gesamtfläche umfasst 326 Hektar. Davon gehören etwa 266 Hektar zur Gemarkung Halberstadt, der Rest zu Harsleben. Bis auf einige kleine Teilstücke haben die Investoren das Land bereits erworben. Der 43-jährige Schneider: "Hier ist eine halboffene Weidelandschaft geplant." Mit Bisons. Die ersten Tiere sind gekauft worden. Anfang September sollen sie in das bis dahin errichtete, um die 50 Hektar große Eingewöhnungsgehege einziehen. Später sollen insgesamt 150 Tiere den gesamten, rund 185 Hektar umfassenden Wildpark bevölkern. Weil "alles unter 100 Hektar unwirtschaftlich ist", so der gebürtige Ditfurter. Und: "Das ist schon eine kleine Savanne."

"Die Flächen werden von Kampfmitteln beräumt""

Zu der auch ein etwa vier Hektar großer See gehören soll. Guido Schneider: "Wir haben hier ein starkes Lehm- und Tongefüge. Damit sind die Voraussetzungen für einen künstlichen Anstau gegeben." Wenn er dieses Biotop anlegen darf, will er dort eine Herde mit maximal zehn Wasserbüffeln ansiedeln. Falls nicht, "mache ich einen Haken dahinter".

Wo bis Mitte der 1990er Jahre noch Russenpanzer rollten, soll allerdings noch mehr entstehen. Ein Ausflugslokal mit 40 bis 60 Plätzen, Ferienhäuser im Fachwerkstil und eine Photovoltaikanlage. Höchstens 40 Hektar groß. Durch sie könnten einmal 2300 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden. Der Investor: "Wenn das genehmigt wird, erhält das alles einen ganz anderen finanziellen Hintergrund."

Guido Schneider hat die April-Sitzung des Halberstädter Stadtrates persönlich verfolgt. Deshalb sind ihm auch die Gegner seiner Pläne bekannt. So jene, die meinen, dass mit den "Sonnen-Batterien" für die nächsten 30 Jahre nur belasteter Boden zugedeckt werden soll. Der Geschäftsmann: "Die Flächen werden komplett sondiert und von Kampfmitteln beräumt."

Ebenso falsch ist es, von einem Schlachthof zu sprechen. Er will lediglich ein Haus zur Verarbeitung der Bisons aus der eigenen Herde errichten. Schneider: "Es wird keine Tiertransporte geben." Auch Befürchtungen, das Areal könnte für die Öffentlichkeit abgeriegelt werden, sind grundlos. Der Bauherr: "Natürlich müssen wir das Gehege wegen der Tiere einzäunen." Die Besucher, perspektivisch 10 000 bis 20 000 im Jahr, werden durch Schleusen gefahrlos über das Gelände geleitet. 80 Prozent der vorhandenen Wege bleiben erhalten. Am 12. Mai hat es dazu bereits eine Begehung mit Vertretern des Harzklubs und des BUND gegeben. Deren Reaktionen waren positiv, berichtet Schneider.

"Wir bauen hier doch kein Atomkraftwerk hin"

Ebenfalls erledigt ist inzwischen ein Rundgang mit Biologen einer Fachfirma aus Halle. Damit soll garantiert werden, dass dem fünf Kilometer langen Zaun keine Nester von Bodenbrütern weichen müssen.

Guido Schneider und seine Partner haben sich für ihr Vorhaben einen Zeitplan von 60 Monaten gesetzt. Von der Friedrich-List-Straße aus soll zunächst so schnell wie möglich eine Stromversorgung verlegt werden. Im ersten Abschnitt könnten dann bis zum Herbst Zaun, Unterstand für die Tiere, Lagerhalle und Brunnen errichtet werden. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf ungefähr 235 000 Euro. Phase zwei wird der Bau des Schlachthauses und des Solarparks sein. Als drittes Segment ist schließlich die Gaststätte vorgesehen.

Alles, was in den Klusbergen geschehen soll, versichert der Investor, wird nach streng ökologischen Gesichtspunkten erfolgen. Schneider: "Das Landschaftsschutzgebiet muss erhalten bleiben." Und: "Der illegalen Müllentsorgung hier werden wir einen Riegel vorschieben."

Der Ditfurter verdient derzeit sein Geld noch als geschäftsführender Gesellschafter eines Unternehmens für Finanzdienstleistungen mit Sitz in Quedlinburg. Dort möchte er sich schrittweise zurückziehen, um sein neues Projekt zu verwirklichen. Fünf bis zehn Jahre Zeit werden benö- tigt "damit wir hier unter dem Strich plus minus Null haben".

So lange warten will er allerdings nicht, um seine Kritiker doch noch von den Plänen zu überzeugen. In den nächsten Wochen soll es möglichst mit jedem einzelnen ein Gespräch geben. Guido Schneider: "Wir bauen hier doch kein Atomkraftwerk oder Windräder hin."