Kleine Feldbahn? Von wegen: Die Feldbahn in Schlanstedt, die von den engagierten Mitgliedern eines Vereins betreut wird, genießt längst bundesweites und sogar internationales Ansehen. Beim jüngsten Feldbahn-Sommerfest mischten sich neben Besuchern aus ganz Deutschland auch Feldbahn-Freaks aus den Niederlanden unter die Gäste. Daheim selbst in Sachen Feldbahn aktiv, waren die beiden weit gereisten Gäste von der Schlanstedter Bahn begeistert.

Gemeinde Huy/Schlanstedt. Er war nicht zu übersehen. Jener hoch gewachsene Mann mit der halbprofessionellen Filmkamera, der beim Feldbahn-Sommerfest augenscheinlich bestrebt war, bloß nichts zu verpassen. Keine Zugfahrt hinaus aufs Feld, keine der von Hand vollführten Rangierbewegungen im Feldbahn-Hauptbahnhof Schlanstedt und auch kein noch so kleines Detail an den Waggons oder Feldbahn-Lokomotiven. Geradezu wieselflink flitzte er zwischen den 600-Millimeter-Gleisen umher, kletterte auf die Führerstände der Loks oder in die Wagen der Minibahn: Evert van de Spreng - ein Niederländer, der an diesem heißen Sommertag zusammen mit seiner Frau Pauly alles andere als zufällig in die Huy-Gemeinde gekommen war.

Das Duo ist - wie das Gros der Schlanstedter Feldbahner - selbst unheilbar mit dem Bahnvirus "infiziert" und engagiert sich daheim bei der "Smalspoor"-Bahn in der Nähe von Heteren ebenfalls in einem Feldbahn-Verein. Mit einem kleinen, aber durchaus entscheidenden Unterschied: "Bei uns liegt die Spurweite bei exakt 700 Millimeter", klärt Evert van de Spreng mit nett klingendem Akzent auf. Ein Fakt, der einer direkten Zusammenarbeit mit den Schlanstedtern folglich klare Grenzen setzt, denn die hiesigen Gefährte "schaukeln" auf 600 Millimeter Spurweite durch die Weltgeschichte.

Eine durchaus gängige Spurweite im Feldbahner-Reich, wie der Blick über die Gleise schnell erkennen lässt: Veranstaltungen und öffentliche Fahrten wie die bei jenem Sommerfest leben auch davon, dass Gast-Feldbahner in Schlanstedt vorfahren und kurzerhand ihre eigenen Gefährte im Gepäck dabei haben.

So wie beispielsweise Jürgen Linek, der mit seiner Tret-Draisine aus Jüterbog gekommen ist, oder Ingo Hoffmann, der selbst den noch weiteren Anfahrtsweg aus Letschin im Oderbruch nicht gescheut hat, nun seine Eigenbau-Handhebel-Draisine in Schlanstedt eingegleist hat und fahren lässt.

"Daheim entsteht daraus eine kurze Dokumentation"

Für Evert van de Spreng und dessen Frau sind all das lohnende Motive - er ist mit besagter Filmkamera unterwegs, seine Frau Pauly mit der Fotokamera. Alles, was die beiden Bahnfreaks irgendwie vor die Linse bekommen, wird sofort eingefangen. "Daheim entsteht daraus eine kurze Dokumentation für unsere Feldbahn-Freunde", erklärt der Holländer und eilt flugs in Richtung Bahnhofsgleis, wo gerade ein neuer Zug zusammengestellt wird. Drei einstige Rübenwagen-Loren werden an eine Lok gekuppelt und rollen wenig später in gemächlicher Fahrt raus aufs Feld. Mit dabei sind neben begeisterten Fahrgästen die Musiker des Spielmannszuges aus Timmenrode, die heute zur Feier des Tages für die Gäste in den Zügen aufspielen. Ein Luxus, mit dem die einfallsreichen Feldbahner die große Bahn glatt in den Schatten stellen ...

Eine Form der von den Feldbahnern gepflegten Zusammenarbeit in der Region. Auch vor Ort haben die Bahner und die Macher des örtlichen Heimatmuseums schon vor Jahren eine Brücke geschlagen und pflegen seither eine Zusammenarbeit, um möglichst viele Besucher anzulocken und ihnen ein Maximum an Attraktionen zu bieten. Wenn die Feldbahner zu Fahrtagen einladen, gelten auch in der in der Nachbarschaft befindlichen Heimatstube im Schießwinkel längere Öffnungszeiten. Das sei ganz logisch, meint Feldbahner Constantin Schnee und erinnert rückblickend daran, dass der Feldbahn-Verein einst eine Sektion des Heimatvereins war und aus diesem hervorgegangen sei: "Wir sind praktisch ein Baby des Heimatvereins."

Ein Besuch in der Heimatstube lohnt sich. Nicht nur wegen der zahlreichen Exponate aus dem dörflichen Leben, die die Mitglieder des Heimatvereins in akribischer Arbeit zusammengetragen und aufgebaut haben. Auch wegen der zeitlich begrenzten Sonderausstellungen, die aktuell dem Wirken der einst vier Bäcker in Schlanstedt gewidmet ist.

Das haben auch die beiden Gäste aus den Niederlanden längst in Erfahrung gebracht. Deshalb pilgern sie - nachdem sie genügend Feldbahn-Material im Kasten haben - zusammen mit ihren Begleitern auch noch in den Schießwinkel. Bei jenen Begleitern handelt es sich um das Berliner Ehepaar Petra und Michael Jänicke und deren Enkelkinder Lukas und Lucy. Die Berliner zelten gerade in Bad Harzburg und haben dort die beiden holländischen Dauercamper mit dem Schmalspurvirus kennengelernt. Da war es nur logisch, dass es gemeinsam auf die Reise ins Feldbahn-Dorado im Ostharz ging.

Im Heimatmuseum haben die Feldbahner indes für eine neue Attraktion gesorgt: Neben ihrer bereits bestehenden Ausstellung mit einer Feldbahn-Eisenbahn im Miniaturformat locken sie ihre jüngsten Besucher nun mit einer hölzernen Spiel-Eisenbahn. "Dabei handelt es sich um eine Arbeit des AWZ-Bildungszentrums in Halberstadt", erklärt Feldbahner Schnee und verweist auf die Besonderheit dieser Arbeit: Die Mitstreiter im AWZ verwandten beim Bau der Loks, Waggons und Schienen ebenso wie für Signale und Ladegut ausnahmslos alte Holzreste, die entsprechend bearbeitet und lackiert wurden. Wenn man so will praktizierter Umweltschutz und Müllvermeidung gleichermaßen.

"Wir sind praktisch ein Baby des Heimatvereins"

Eine Offerte, die insbesondere die beiden achtjährigen Zwillinge Lucy und Lukas begeistert, der aber auch die beiden Gäste aus den Niederlanden anerkennend Respekt zollen. "Es war ein toller Tag hier in Schlanstedt, wir haben viel gesehen und Neues erfahren", nickt van de Spreng und schaltet seine Filmkamera aus. Er hat genügend gefilmt, um für seine Freunde daheim eine kleine Dokumentation zu schneiden. Der Titel steht wohl schon fest: "Kleine Spur ganz groß im Huy".

www.feldbahn-schlanstedt.de www.heimatstube-schlanstedt.de www.smalspoor.nl

   

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