Zur Erinnerung an den 700. Todestag des letzten Großmeisters des Templerordens haben die Haldensleber Tempelritter der Komturey Wichmannsdorf ihre Räume im Stendaler Torturm vorgestellt und versichert, auch künftig für Haldensleben werben zu wollen.

Haldensleben l Mit viel Herzblut und handwerklichem Geschick bauen die Haldensleber Tempelritter der Komturey Wichmannsdorf ihr Domizil im Stendaler Torturm weiter aus. Denn selbst dem kämpferischsten Schwertschwinger gefällt es nicht, wenn Staub und Dreck von der Decke rieseln. "Wir sind derzeit dabei, im Obergeschoss die Decke abzudichten", nennt Fokko Seeger, als 1. Vorsitzender des Fördervereins Wichmannsburg und Umgebung sozusagen der Haldensleber "Ober-Templer", den nächsten Schritt auf dem Weg zu einem neuen Raum im Turm.

Unten im Turm ist die Küche eingerichtet, ein Stockwerk darüber befindet sich der Rittersaal. Der Raum eine Etage höher soll zur Kemenate umgebaut werden, zum "Büro" des Vereins. Und ebenso wie im Rittersaal sollen die Wände reich verziert werden mit Malereien. Dafür ist Hilmar Kühne zuständig, der nicht nur das imposante Templer-Bild im Rittersaal geschaffen hat. "Alle Malereien in diesem Raum sind eins zu eins aus dem Gewölbe des Templerhauses in der Magdeburger Straße übertragen worden. Ohne eine einzige Veränderung, alles hat genauso gepasst, selbst die Fernsterverzierung", erzählt Kühne stolz. Vielleicht war es ja derselbe Baumeister, der für beide Gebäude verantwortlich war, spekuliert er bei soviel passgenauer Übereinstimmung.

Eine Arbeit, welche die Tempelritter nicht aus eigener Muskel- und Finanzkraft stemmen können, ist die notwendige Dacherneuerung. Ihr Hoffen, dass diese Maßnahme noch 2014 realisiert werden kann, teilen auch Haldenslebens Bürgermeister, Norbert Eichler, und Stadt-Dezernent Henning Konrad Otto. "Einen festen Termin gibt es noch nicht, doch wenn wir die benötigten Fördermittel bekommen, sollen die Arbeiten zeitnah beginnen", versichert Otto.

Hier sehe sich die Stadt auch in der Pflicht, macht Norbert Eichler deutlich. Schließlich würden die Tempelritter Haldensleben gehörig aufwerten. Er dankt den Männern und Frauen um Fokko Seeger für die geleistete Arbeit. "Der Torturm war ja eine ganze Zeitlang ohne Funktion", blickt das Stadtoberhaupt auf die Zeit zurück, als die Stadt-Information aus dem alten Gemäuer ausgezogen war und die Räume leer standen. "Nun haben wir hier eine Nutzung, die den historischen Bezug wieder belebt", verweist Eichler auf die Historie des Tempelritterordens in der Region. Und erklärt fromm und frei: "Bis 1995 habe ich davon ja gar nichts gewusst."

Die Haldensleber Tempelritter, als Förderverein Wichmannsburg im Jahr 2005 gegründet, nahmen vor zwei Jahren den Stendaler Torturm in Beschlag.

"Wir sind bereit, uns weiter für Haldensleben zu zeigen."

Fokko Seeger, 1. Vorsitzender des Fördervereins Wichmannsburg und Umgebung

Doch der Ausbau ihrer waffenstarrenden Feste - immerhin finden sich Schilde und Schwerter, Pfeil und Bogen in dem Gemäuer - ist nicht das einzige Ziel, das die Templer verfolgen. Sie engagieren sich für ihre Heimatstadt und werben für sie auf Messen und Festen. Bis nach Frankreich verschlug es die Rittersleute bereits, wo sie stolz die Komturey Wichmannsdorf und die Stadt Haldensleben vertraten. "Wir sind bereit, uns weiter für Haldensleben zu zeigen", verspricht Fokko Seeger. Davon zeugt auch der Terminkalender für 2014.

Mit dem Empfang der Stadtoberen am Sonnabend im Torturm - selbst der Landesherr Reiner Haseloff und seine Minister waren dazu eingeladen worden, sagten aber ab - wollten die Templer an den letzten Großmeister ihres Ordens erinnern. Jacques de Molay, auch bekannt als Jacob de Molay, gehörte mit zu den Templern, die am Freitag, dem 13. Oktober 1307, auf Befehl des Königs von Frankreich Philipp der Schöne verhaftet wurde. Mit dieser Aktion begann der Niedergang des bis dahin mächtigsten Ritterordens in Europa. Der Orden der "Armen Kampfgefährten Christi und des salomonischen Tempels" wurde schließlich auf dem Konzil von Vienne am 22.März 1312 vom Papst für aufgelöst erklärt.

Am 18. März 1314 wurde Jacques de Molay auf Befehl Philipps IV. in Paris auf dem Scheiterhaufen langsam verbrannt. Auf den Ort seiner Hinrichtung weist heute eine kleine Gedenktafel hin: es handelt sich um die Westseite des Pont Neuf auf der Île de la Cité in Paris. "An seinen 700. Todestag wollen wir heute erinnern", sagt Fokko Seeger und hebt den Trinkbecher...